Perspektive
zur Debatte vom 08. November 2024
Sollten Medien immer nach objektiver Wahrheit streben? Contra
Es ist nicht die journalistische Pflicht, so etwas wie die absolute Wahrheit zu erreichen
Die Perspektive in 30 Sekunden
Laut Alexander Graf ist es „nicht die journalistische Pflicht, so etwas wie die absolute Wahrheit zu erreichen“. Die Wahrheit sei eher ein Ideal, der sich Journalist:innen annähern müssen, argumentiert der Chefredakteur MEDIUM MAGAZINS im Gespräch mit Lisa Demmerle in der Regionalzeitung DIE RHEINPFALZ. Wirklich erreichen lasse sich Wahrheit im Journalismus aber nicht.
Graf bevorzugt den Begriff Wahrhaftigkeit. Denn dieser beschreibe das aufrichtige Bemühen um die bestmögliche Annäherung an die Wirklichkeit – oder an die Wahrheit. Außerdem findet er andere Prinzipien wichtiger als die Wahrheit, nämlich Richtigkeit, Objektivität, Vollständigkeit und Überprüfbarkeit. Diese Ziele seien in der heutigen Realität eher zu erreichen. Denn seit es das Internet gebe, seien riesige Datenmengen im Netz verfügbar.
Anders als einige Kolleg:innen sieht Graf das Internet für den Journalismus zudem als Chance: Denn dieses mache die Qualität journalistischer Recherche aufgrund der schieren Menge an Daten so hoch wie nie zuvor. Außerdem können nun auch die Mediennutzer:innen ihre Quellen überprüfen. Das war vor dem Internet noch nicht möglich, so Graf: „Früher waren Medien reine Sender, sie mussten sich wenig mit dem Feedback der Leser auseinandersetzen.“ Nun können die Konsument:innen teilweise die gleichen Quellen aufrufen, die auch Journalist:innen benutzen. Zudem können Nutzer:innen den Medien über Social Media Feedback geben. Damit entsprechen Inhalte nicht direkt der absoluten Wahrheit, sie seien jedoch nachvollziehbar und überprüfbar.
Anmerkung der Redaktion
Alexander Graf ist seit 2021 Chefredakteur des MEDIUM MAGAZIN, einer Mannheimer Fachzeitschrift für Journalisten. Er hat außerdem einen Lehrauftrag am Institut für Medien- und Kommunikationswissenschaften der Universität Mannheim. Nach seinem Volontariat war er als Redakteur bei der RHEINPFALZ tätig und arbeitete als freier Journalist mit dem Schwerpunkt Medien und Wissenschaft. Graf hat Philosophie, Geschichte und Politikwissenschaften in Heidelberg und Rom studiert.
Lisa Demmerle ist Lokalredakteurin und in der Lokalredaktion Kirchheimbolanden bei der Tageszeitung RHEINPFALZ tätig. Beim selben Blatt absolvierte sie zuvor ihr Volontariat, wobei sie zunächst in den Lokalredaktionen, dann in den überregionalen Ressorts tätig war. Die Redakteurin begeistert sich nach eigenen Angaben für Lokalnachrichten, an denen sie ihren abwechslungsreichen Charakter schätzt.
Die RHEIN-ZEITUNG (RZ) ist eine Regionalzeitung im nördlichen Rheinland-Pfalz und eine Online-Zeitung. Sie wird von der Mittelrhein-Verlag GmbH mit Sitz in Koblenz herausgegeben, Chefredakteur ist Peter Burger. Die RZ wurde erstmals 1946 herausgegeben. Laut IVW betrug die verkaufte Auflage im 2. Quartal 2022 rund 151.600 Exemplare. Zehn Jahre zuvor im 2. Quartal des Jahres 2012 hatte die RZ noch eine Gesamtauflage von rund 206.300 Exemplaren. In ihrem Verbreitungsgebiet hat die RZ dennoch vielerorts fast eine Monopolstellung als regionale Tageszeitung. Die RZ hat als erste deutsche Tageszeitung 1995 einen Onlinedienst angeboten.
Originalartikel
Welche Rolle spielt Wahrheit im Journalismus?
RHEIN-ZEITUNG
Alexander Graf
Lisa Demmerle 11.06.2023 ·
4 Minuten ·
Deutsch
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