Perspektive

zur Debatte vom 12. Mai 2025
Ist die deutsche Staatsräson gegenüber Israel noch zeitgemäß?
Contra

Es kann keine bedingungslose Solidarität mit der Regierung Netanjahu geben

Die Perspektive in 30 Sekunden

Die Berlinkorrespondentin sieht die „unerschütterliche Unterstützung Israels“ durch Deutschland am Bröckeln. „Je aggressiver die israelische Politik wird, desto schwieriger der moralische Schulterschluss“, argumentiert Schweikle in der linksliberalen SÜDDEUTSCHEN ZEITUNG.

Schweikle weist darauf hin, dass der israelische Finanzminister Bezalel Smotrich eine „vollständige Zerstörung des Gazastreifens“ gefordert haben soll. Die Regierung des israelischen Premierministers Benjamin Netanyahu ist laut der Berlinkorrespondentin eine „ultrarechte“. Daher steht für sie fest: Wenn die neue Regierung unter Bundeskanzler (CDU) sich glaubwürdig zu dem Völkerrecht und seinen Institutionen bekennen will, lässt sich das mit einer Unterstützung der aktuellen israelischen Regierung nicht mehr vereinbaren.

Schweikle sieht einen großen Zwiespalt in der historischen Verantwortung Deutschlands gegenüber Israel und einer angemessenen Reaktion auf die Entwicklungen im Krieg in Gaza. Merz steht für sie exemplarisch für diesen Zwiespalt. Einerseits habe er sich als Oppositionsführer noch als „treuer Verbündeter Israels“ gezeigt. Doch seit er im Amt ist, habe er sich deutlich kritischer gegenüber Israel geäußert. Für Schweikle stellt sich die Frage, wie überzeugend diese Kritik ist, wenn darauf keine Taten folgen.

Anmerkung der Redaktion

ist Korrespondentin im Berliner Parlamentsbüro für die SÜDDEUTSCHE ZEITUNG. Sie schreibt schwerpunktmäßig über die Verteidigungs- und die Familienpolitik. Sie hat für die DEUTSCHE WELLE und andere Medien geschrieben. Zuvor hat sie für eine politische Stiftung im Libanon gearbeitet. Schweikle hat Kommunikationswissenschaften an der Ludwig-Maximilians-Universität studiert.

Die SÜDDEUTSCHE ZEITUNG (SZ) ist eine überregionale Tageszeitung aus München und gilt als eines der deutschen Leitmedien. Sie erscheint seit 1945 als Nachfolgerin der MÜNCHNER NEUESTEN NACHRICHTEN und ist besonders durch ihre „Seite Drei-Reportagen“ und die kritische Glosse „Streiflicht“ bekannt. Chefredakteurin ist . Mit einer verkauften Auflage von zuletzt rund 449.000 Exemplaren (IVW Q4/2025) hat sie im Vergleich zum Vorjahreszeitraum leicht an Lesenden gewonnen. Nach der BILD ist sie in Deutschland die am zweitmeisten verkaufte Tageszeitung. Die Website der SZ wurde im März 2026 31,6 Millionen Mal aufgerufen. Die Blattlinie der Zeitung gilt als linksliberal. Zusammen mit den öffentlich-rechtlichen Sendern WDR und NDR hat die SZ einen investigativen Rechercheverband, der zahlreiche Recherchen veröffentlichte – unter anderem zu Steuerschlupflöchern oder über die Ibiza-Affäre um den damaligen FPÖ-Vorsitzenden Heinz-Christian Strache. Seit 2025 hat die SZ eine Partnerschaft mit dem US-Magazin THE ATLANTIC, bei der wöchentlich fünf Texte des Magazins im Original veröffentlicht werden. Für die Aufklärung über die sogenannten „Panama Papers“ erhielten SZ-Journalist:innen 2017 als einziges deutsches Medium einen Pulitzer-Preis für investigative Recherche. Anfang 2024 wurde berichtet, die Chefredaktion habe zur Aufdeckung möglicher Informanten Kommunikationsdaten von Redaktionsmitgliedern überprüfen lassen. Dies löste Kritik aus, unter anderem von Reporter ohne Grenzen, die einen Verstoß gegen den Quellenschutz bemängelten. Die SZ wird seit 1947 von der Süddeutschen Verlags GmbH produziert. Eine Mehrheit am Süddeutschen Verlag (81,3 Prozent) hält die Südwestdeutsche Medien Holding GmbH (SWMH). Weitere 18,8 Prozent entfallen auf die SV Friedmann Holding GmbH, die die Interessen der Münchner Verlegerfamilie Friedmann vertritt.

Originalartikel
Es kann keine bedingungslose Solidarität mit der Regierung Netanjahu geben
SÜDDEUTSCHE ZEITUNG (SZ)Sina-Maria Schweikle
11.05.2025 · 2 Minuten · Deutsch
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