Perspektive
zur Debatte vom 07. März 2025
Hat die deutsche Politik ein Frauenproblem? Contra
Es zählt nicht, wer die Politik macht
Die Perspektive in 30 Sekunden
In ihrem Kommentar für die WESTDEUTSCHE ALLGEMEINE ZEITUNG (WAZ) stellt Julia Emmrich klar, dass es für geschlechtergerechte Politik nicht entscheidend sei, ob Frauen oder Männer Politik machen. Entscheidend sei, ob Politik für Frauen gemacht werde – und das können ihrer Ansicht nach auch Männer.
Emmrich wirft zunächst einen kritischen Blick auf Fast-Kanzler Friedrich Merz’ (CDU) „Männerwelt“: „Seine engsten politischen Berater? Männer. Seine Favoriten für Ministerämter? Fast alles Männer. Sein Kernteam für die Sondierungen? Sieben Männer, zwei Frauen. Seine persönlichen Sprecher? Zwei Männer. Seine Wähler? Mehr Männer als Frauen.“ Das erinnere an die alte Bundesrepublik, in der Frauen nur wenig sichtbar an der Macht beteiligt waren. Merz sei die Sache mit den Frauen zwar nicht komplett egal, aber im Grunde sei es ihm auch nicht wirklich wichtig. „Er würde auch nicht schlechter schlafen, wenn sein Kabinett am Ende nur aus Männern bestehen würde“, so die Autorin.
Entscheidend sei das alles aber auch nicht. Viel wichtiger sei, ob Merz als nächster Bundeskanzler deshalb am Ende schlechtere Politik für Frauen mache. Es sei möglicherweise gar nicht so wichtig, wer genau politische Entscheidungen treffe, solange die Lohnlücke kleiner werde, die Altersarmut sinke, das Betreuungsangebot steige und die Gewalt gegen Frauen seltener werde. „Ob der Merz’sche Männerclub das hinbekommt? Optimistische Antwort: vielleicht“, schreibt Emmrich.
Anmerkung der Redaktion
Julia Emmrich ist Journalistin und Buchautorin. Sie ist seit 2019 Vize-Politikchefin der FUNKE-Zentralredaktion in Berlin. Seit 2015 ist sie bei der FUNKE MEDIENGRUPPE. Zuvor hat Emmrich bis 2015 als Bundespolitik-Korrespondentin für die WAZ gearbeitet. Sie studierte an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster Sprachwissenschaften. Darüber hinaus studierte sie an der Ruhr-Universität Bochum Germanistik und Geschichte. 1999 begann Emmrich ihre journalistische Karriere bei der WESTFÄLISCHEN RUNDSCHAU. Dort war sie zunächst zwei Jahre lang Volontärin und anschließend für fünf Jahre Redakteurin im Bereich Kultur, Reportage und Region. Ihre regelmäßigen Kolumnen in der WAZ drehten sich um ihre Familie.
Die WESTDEUTSCHE ALLGEMEINE ZEITUNG (WAZ) ist die größte deutsche Regionalzeitung und der Ursprung der einflussreichen Funke Mediengruppe. Sie wurde im Jahr 1948 von Erich Brost und Jakob Funke gegründet. Ihr Hauptsitz ist in Essen, sie erscheint jedoch im gesamten Ruhrgebiet. Im Laufe der Jahre wurden mehrere andere Zeitungen aufgekauft und die „Zeitungsgruppe WAZ“ entstand, die 1997 in „WAZ Mediengruppe“ umbenannt wurde und 2013 schließlich zur Funke Mediengruppe wurde. Schwestermedien der WAZ sind damit unter anderem die WESTFÄLISCHE RUNDSCHAU, das HAMBURGER ABENDBLATT und die BERLINER MORGENPOST. Außerdem gehören zu Funke die Magazine BILD DER FRAU, BRIGITTE und GALA sowie diverse weitere Print- und Hörfunkmedien. Überregionale Themen werden von der Zentralredaktion in Berlin bearbeitet. Chefredakteur der WAZ ist seit 2014 Andreas Tyrock. 2014 erntete die Funke Mediengruppe Kritik für eine Spende von 15.000 Euro an Lokalverbände der CDU. Die WAZ erhielt 2025 eine Rüge des Deutschen Presserats, weil sie das verpixelte Bild eines nackten Vergewaltigungsopfers veröffentlichte, das aus ihrem Fenster um Hilfe rief, und den Bericht mit „Sex-Drama“ betitelte. Wie zahlreiche andere Zeitungen hat auch die Funke Mediengruppe stark mit sinkenden Auflagezahlen zu kämpfen. Im ersten Quartal 2026 lag die verkaufte Auflage der Funke-Regionalzeitungen in Nordrhein-Westfalen bei rund 295.000 Exemplaren (IVW), zu Beginn des Jahrtausends waren es noch knapp dreimal so viele. Der Webauftritt der WAZ hatte im März 2026 19,4 Millionen Besuche zu verzeichnen (Quelle: Similarweb).
Originalartikel
Sondierungen starten: Friedrich Merz hat ein Frauenproblem? Nein: ein Männerproblem!
WESTDEUTSCHE ALLGEMEINE ZEITUNG (WAZ)
Julia Emmrich 28.02.2025 ·
2 Minuten ·
Deutsch
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