Perspektive

zum Tagesthema vom 09. Oktober 2025
Schwarz-Rot beerdigt Bürgergeld-System – und verschärft Sanktionen massiv
Analyse

Forscher zu Bürgergeld-Sanktionen: „Von zu viel Strenge würde ich abraten“

Die Perspektive in 30 Sekunden

ist Wirtschaftswissenschaftler und Forschungsbereichsleiter am Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB). Im Interview mit den Redakteuren und spricht er bei der linken Tageszeitung TAZ über Sanktionen beim Bürgergeld – vor allem mit Blick auf die sogenannten Totalverweigerer.

Laut Wolff machen die Totalverweigerer tatsächlich nur einen kleinen Teil der Fälle aus. Wolff selbst spricht von einer zweistelligen oder geringen dreistelligen Zahl, „aber sicher nicht Tausende“. Bei den insgesamt 185.600 sanktionierten Menschen im Jahr 2024 macht Wolff vor allem Meldeversäumnisse als Grund aus, „und die können auf verschiedenste Weise zustandekommen“.

So gibt es laut Wolff Leute, die nicht verstehen, wie das System funktioniert. Andere haben psychische Probleme. Für Wolff ist es daher schwer zu entscheiden, ob dahinter eine Verweigerungshaltung steckt. Er warnt daher auch vor zu strengen Sanktionen. „Wenn Bürgergeldempfänger gar kein Geld mehr bekommen und ihnen in der Folge sogar der Strom abgestellt wird, hilft das auch nicht bei der Suche nach einem Job.“

Anmerkung der Redaktion

ist Wirtschaftswissenschaftler und Forschungsbereichsleiter am Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB). Nach seinem Studium der Volkswirtschaftslehre an der Universität Heidelberg war er wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl für Betriebswirtschaftslehre (Personalwirtschaft) der Universität Frankfurt. Danach absolvierte er sein Promotionsstudium am Europäischen Hochschulinstitut in Florenz zum Thema „Essays in unemployment duration in two economies in transition: East Germany and Hungary“. Es folgte ein Lehrauftrag am Seminar für empirische Wirtschaftsforschung der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) in München. Seit Juli 2005 ist er am IAB tätig und übt seit 2006 zusätzlich weitere Lehrtätigkeiten aus.

leitet das innenpolitische Ressort der TAZ. Zuvor war er dort stellvertretender Ressortleiter und Teamleiter für Politik bei der Wochenendausgabe WOCHENTAZ. Er schreibt hauptsächlich über Politik und Gesellschaft, weitere Themenfoki sind Migration und der Nahe Osten. In der WOCHENTAZ schreibt er die Kolumne „Materie“. Augustin hat zudem für ZEIT ONLINE in den Ressorts Politik, Kultur und Hamburg gearbeitet. 2014 und 2015 war er als Reporter in Israel und Palästina tätig. Seine Texte sind unter anderem in der FAZ, der SÜDDEUTSCHEN ZEITUNG oder der NEUEN ZÜRCHER ZEITUNG erschienen. Seine Radiobeiträge wurden bei WDR, BR und DEUTSCHLANDRADIO KULTUR gesendet. Augustins Recherchen wurden mit dem Otto-Brenner-Preis, dem Langem Atem und dem Wächterpreis der Tagespresse ausgezeichnet. Er hat in Berlin, Jerusalem und Ramallah Politik und Philosophie studiert und wurde an der Deutschen Journalistenschule in München ausgebildet.

ist Parlamentskorrespondent für die TAZ. Zuvor hat er als Ressortleiter des Inlandsressorts ebenfalls bei der TAZ gearbeitet. Er hat Politikwissenschaften studiert und danach eine Ausbildung bei der Deutschen Journalistenschule absolviert. Für die TAZ schreibt Schulze seit 2013. Zunächst als Bayern-Korrespondent, ab 2014 als Redakteur für Innenpolitik und dann ab 2018 als Ressortleiter des Inlandsressorts. Heute schreibt er als Parlamentskorrespondent unter anderem über die Grünen, deutsche Außen- und Militärpolitik.

Die TAGESZEITUNG (TAZ) ist eine überregionale deutsche Tageszeitung mit Hauptsitz in Berlin. Sie wurde 1978 als alternative, selbstverwaltete Zeitung gegründet – unter anderem vom Grünen-Politiker Hans-Christian Ströbele. Die Zeitung hat sich besonders in ihrer Anfangszeit an Linke, Studierende, Grüne und die Hausbesetzer-Bewegung gerichtet. Erklärtes Ziel der TAZ ist es seither, eine Gegenöffentlichkeit zu schaffen. Sie gehört heute zu den zehn größten überregionalen Tageszeitungen in Deutschland, mit einer verkauften Auflage von rund 33.000 Exemplaren (3/2025, IVW). Seit Oktober 2025 erscheint die TAZ unter der Woche nur noch digital, lediglich die Wochenendausgabe wird noch gedruckt. Die Webseite der TAZ verzeichnete im März 2026 17,2 Millionen Zugriffe monatlich (Quelle: Similarweb). Das Goethe-Institut verortet die TAZ als „grün-linkes“ Blatt und betont besonders die oft sehr kritische Berichterstattung der Zeitung. Die TAZ hat sich online gegen Bezahlschranken entschieden und gibt Lesenden auf ihrer Website freiwillig die Option, zu zahlen. Außerdem bietet sie ein reguläres Abonnement mit drei unterschiedlichen Preisstufen in einem sogenannten „Soli-Preis-System“ an, bei dem Abonnent:innen selbst entscheiden können, wie viel sie zahlen. 1980 beschloss die Belegschaft der TAZ die erste Frauenquote Deutschlands (52 Prozent aller Planstellen in jedem Bereich). 2014 wurde die TAZ zu einer Entschädigungszahlung dafür verurteilt, dass sie eine Volontariatsstelle nur für Frauen ausgeschrieben hatte und männliche Bewerber damit laut Urteil diskriminierte. Die TAZ hat neben einigen journalistischen Preisen auch mehrere Rügen des Presserats erhalten. Sie wird seit 1992 genossenschaftlich herausgegeben, um unabhängig von großen Medienunternehmen zu bleiben. Jährlich findet eine Generalversammlung statt, an der jedes der zuletzt über 25.000 Mitglieder teilnehmen kann. Die Chefredaktion teilen sich , und Katrin Gottschalk.

Originalartikel
„Verweigern Personen Arbeit, kann es gute Gründe dafür geben“
DIE TAGESZEITUNG (TAZ)Joachim WolffKersten AugustinTobias Schulze
09.10.2025 · 7 Minuten · Deutsch
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