Perspektive
zur Debatte vom 16. März 2026
Sollte Fracking in Deutschland wieder erlaubt werden? Contra
Fracking löst die Energiekrise nicht
Die Perspektive in 30 Sekunden
Silvia Liebrich kritisiert die Überlegungen, Fracking in Deutschland zu ermöglichen, um etwaige Versorgungsengpässe als Folge des Irankriegs zu kompensieren. „Frackinggas wird es nicht zu Schnäppchenpreisen geben. Und die Probleme von heute löst es schon gar nicht“, so die Wirtschaftsredakteurin in der überregionalen Tageszeitung SÜDDEUTSCHEN ZEITUNG.
Die vermeintlich großen Gasvorkommen basieren laut Liebrich auf unsicheren Schätzungen, die angesichts des sinkenden Gasverbrauchs den hohen Investitionsaufwand kaum rechtfertigen. Viel wichtiger sei jedoch, dass die Erschließung neuer Felder mindestens ein Jahrzehnt dauern würde. Damit würde es viel zu lange dauern, um derzeitige Versorgungsengpässe abzufedern. Zudem warnt die Autorin vor irreversiblen ökologischen Schäden wie der Gefährdung des Grundwassers und Erdbebenrisiken, wie sie bereits in Norddeutschland und den Niederlanden auftraten. Sie rechnet daher mit Widerstand in der Bevölkerung: „Der Schutz lebenswichtiger Grundlagen muss über wirtschaftlichen Interessen stehen.“
Anstatt in fossile Brückentechnologien zu investieren, plädiert Liebrich dafür, die Energiewende durch die Förderung von Wasserstoff, erneuerbaren Energien und der dazugehörigen Infrastruktur voranzutreiben. In den Augen der Autorin ist Fracking ein „falsches Versprechen“, denn „die Energiewende ist das beste Mittel, um sich gegen künftige Verwerfungen an den Erdöl- und Gasmärkten zu wappnen“.
Anmerkung der Redaktion
Silvia Liebrich ist Redakteurin im Wirtschaftsressort der SÜDDEUTSCHEN ZEITUNG. Sie schreibt dort unter anderem über Umweltthemen, Handel und Afrika. Zuvor arbeitete sie für das HANDELSBLATT und die DPA. Sie führt den Blog SOFIES VERKEHRTE WELT, bei dem „der Blick auf eine Welt, die am Anfang eines großen Umbruchs steht und sich von alten Denkmustern befreien muss“ im Mittelpunkt stehe. Sie hat Wirtschaftswissenschaften und Journalistik an der Universität Hohenheim studiert.
Die SÜDDEUTSCHE ZEITUNG (SZ) ist eine überregionale Tageszeitung aus München und gilt als eines der deutschen Leitmedien. Sie erscheint seit 1945 als Nachfolgerin der MÜNCHNER NEUESTEN NACHRICHTEN und ist besonders durch ihre „Seite Drei-Reportagen“ und die kritische Glosse „Streiflicht“ bekannt. Chefredakteurin ist Judith Wittwer. Mit einer verkauften Auflage von zuletzt rund 449.000 Exemplaren (IVW Q4/2025) hat sie im Vergleich zum Vorjahreszeitraum leicht an Lesenden gewonnen. Nach der BILD ist sie in Deutschland die am zweitmeisten verkaufte Tageszeitung. Die Website der SZ wurde im März 2026 31,6 Millionen Mal aufgerufen. Die Blattlinie der Zeitung gilt als linksliberal. Zusammen mit den öffentlich-rechtlichen Sendern WDR und NDR hat die SZ einen investigativen Rechercheverband, der zahlreiche Recherchen veröffentlichte – unter anderem zu Steuerschlupflöchern oder über die Ibiza-Affäre um den damaligen FPÖ-Vorsitzenden Heinz-Christian Strache. Seit 2025 hat die SZ eine Partnerschaft mit dem US-Magazin THE ATLANTIC, bei der wöchentlich fünf Texte des Magazins im Original veröffentlicht werden. Für die Aufklärung über die sogenannten „Panama Papers“ erhielten SZ-Journalist:innen 2017 als einziges deutsches Medium einen Pulitzer-Preis für investigative Recherche. Anfang 2024 wurde berichtet, die Chefredaktion habe zur Aufdeckung möglicher Informanten Kommunikationsdaten von Redaktionsmitgliedern überprüfen lassen. Dies löste Kritik aus, unter anderem von Reporter ohne Grenzen, die einen Verstoß gegen den Quellenschutz bemängelten. Die SZ wird seit 1947 von der Süddeutschen Verlags GmbH produziert. Eine Mehrheit am Süddeutschen Verlag (81,3 Prozent) hält die Südwestdeutsche Medien Holding GmbH (SWMH). Weitere 18,8 Prozent entfallen auf die SV Friedmann Holding GmbH, die die Interessen der Münchner Verlegerfamilie Friedmann vertritt.
Originalartikel
Fracking löst die Energiekrise nicht
SÜDDEUTSCHE ZEITUNG (SZ)
Silvia Liebrich 15.03.2026 ·
2 Minuten ·
Deutsch
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