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Frontex wird zu Unrecht zum Sündenbock gemacht

Kritik an Frontex ist kein Ersatz für EU-Migrations- und Asylpolitik
26.03.2021 3 Minuten deutsch
NEUE ZÜRCHER ZEITUNG (NZZ) Andreas Ernst
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DIE PERSPEKTIVE IN 30 SEKUNDEN

Frontex wird zum Sündenbock gemacht, findet der Politikjournalist Andreas Ernst. Kritik an der Grenzschutzagentur sei zwar berechtigt. Doch Frontex mache „die Drecksarbeit einer Union, die sich nicht auf eine funktionierende Migrations- und Asylpolitik verständigen kann“, wettert er in der NEUEN ZÜRCHER ZEITUNG (NZZ).

Die Grenzschützer:innen können die „scheiternde Migrationspolitik Europas nicht ersetzen“, mahnt Ernst. Der größte Teil der Migrant:innen, die auf der Balkanroute Kroatien und die EU erreichen, stamme aus Pakistan, Bangladesch oder Nordafrika. Die meisten davon seien junge Männer, die Arbeit suchen. Genau hier liegt laut Ernst der Kern des Problems: „Weil die europäischen Länder nur wenige legale Zugänge zu den Arbeitsmärkten bieten, nutzen viele Migranten das Asylsystem“, kritisiert der Autor. Wenn es dann Jahre bis zum Entscheid dauere, lohne sich die Reise auch dann, wenn die Chancen auf Asyl minimal seien. Ernst hält es für wichtig, darauf zu reagieren: mit einem schnelleren Asylwesen, Rückführungsabkommen mit den Herkunftsländern und einer kontrollierten Arbeitsmigration.

Frontex an den Pranger zu stellen oder gar über ein Auflösen der Agentur zu diskutieren, löse die Probleme der EU-Migrationspolitik nicht. Für umso wichtiger hält er es, dass kooperationswillige Staaten jetzt handeln.

ANMERKUNG DER REDAKTION

Andreas Ernst ist ein Schweizer Journalist, der regelmäßig für die NEUE ZÜRCHER ZEITUNG (NZZ) schreibt. In Berlin und Zürich hat Ernst Geschichte und Staatsrecht studiert. 1999 ist er stellvertretender Leiter des Forschungsinstituts Öffentlichkeit und Gesellschaft an der Universität Zürich geworden. Bei der NZZ hat er als freier Mitarbeiter auf dem Balkan begonnen, 2002 war er dann Korrespondent für die NZZ AM SONNTAG in Belgrad. 2013 ist Ernst mit dem Journalistenpreis der Südosteuropa-Gesellschaft in München ausgezeichnet worden.

Die NEUE ZÜRCHER ZEITUNG (NZZ) ist 1780 gegründet worden und gilt als Leitmedium im deutschsprachigen Raum sowie als wichtigste überregionale Tageszeitung der Schweiz. Die NZZ wird von EUROTOPICS als liberal-konservativ bezeichnet und hat nach eigener Angabe eine „freisinnig-demokratische“ Ausrichtung. Der NDR schreibt, die NZZ sei gekennzeichnet von einer „urliberalen Haltung, Weltoffenheit und einem nüchternen Ton“; der Medienwissenschaftler Uwe Krüger sieht sie als konservativ, liberal und bürgerlich. Seit Eric Gujer 2015 Chefredakteur wurde, spricht etwa der DEUTSCHLANDFUNK von einem „Rechtsrutsch“ in der Berichterstattung. Der NDR befindet, Gujer habe die „NZZ um typisch rechtskonservative Themen und Meinungen erweitert“. Hierbei wird auch auf die gesonderte Rolle der Berlin-Redaktion der Zeitung verweisen, etwa von der ZEIT, die diese als treibende Kraft hinter einer Orientierung nach rechts sieht.

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