Perspektive

zur Debatte vom 08. November 2024
Sollten Medien immer nach objektiver Wahrheit streben?
Pro

Für Nachrichtenportale sollte es generell ein Recht auf Wahrheit geben

Die Perspektive in 30 Sekunden

Im TAGESSPIEGEL gibt sich der Sozialwissenschaftler überzeugt, dass Medien immer nach der Wahrheit streben sollten. Der Informationsforscher fordert sogar ein Recht auf Wahrheit. Oder wie er mit anderen Worten beschreibt: „das Recht, nicht von mächtigen und einflussreichen Organisationen belogen oder wissentlich irregeführt zu werden.“ Schließlich werden irreführende oder falsche Behauptungen überall verbreitet: in der Werbung, in der politischen Kommunikation und sogar in der Wissenschaft, so Mulgan, der über Informationsverbreitung während der COVID-19-Pandemie geforscht hat.

Weiter erklärt er, wie ein solches Recht auf Wahrheit umgesetzt werden soll. Laut Mulgan solle das Recht in die Europäische Menschenrechtskonvention aufgenommen werden. Um sich darauf zu berufen, müsse es außerdem eine hohe Messlatte geben, damit Meinungsverschiedenheiten und verschiedene Auslegungsweisen genug Raum haben. Gerichte sollen das Wahrheitsrecht durchsetzen.

Ein solches Recht sei vor allem heutzutage wichtig. Denn Mulgan erklärt: „Dass die mit Lügen, verzerrten und verdrehten Informationen überschwemmt wird, liegt vor allem am Aufstieg der sozialen Medien und digitalen Plattformen.“ Deren Algorithmen sollen das Publikum ködern und verstärken dazu aufmerksamkeitserregende Informationen, unabhängig davon, ob sie wahr sind oder nicht. Ein Recht auf Wahrheit würde der Verbreitung von Lügen in solchen Fällen vorbeugen.

Anmerkung der Redaktion

ist ein britischer Autor und Professor für kollektive Intelligenz, öffentliche Politik und soziale Innovation am University College London (UCL). Von 2011 bis 2019 war er Geschäftsführer des National Endowment for Science Technology and the Arts (NESTA) und Gastprofessor am University College London, an der London School of Economics und an der University of Melbourne. Mulgan hat mehrere Bücher veröffentlicht, darunter „Another World is Possible“ über die Wiederbelebung der sozialen und politischen Vorstellungskraft, erschienen 2022, „Prophets at a tangent: how art shapes social imagination“ (2023) und „When Science Meets Power (2023). Nach eigenen Angaben beschäftigt sich Mulgan mit der Entwicklung von Ideen und praktischen Lösungen, um mit aktuellen globalen Entwicklungen umzugehen, wie etwa der Mobilisierung von Wissen und kollektiver Intelligenz und Priorisierung von Strategien und Langfristigkeit. Mulgan hat einen Abschluss vom Balliol College in Oxford und einen Doktortitel in Telekommunikation an der University of Westminster. Er war außerdem Stipendiat am Massachusetts Institute of Technology und wurde in Sri Lanka zum buddhistischen Mönch ausgebildet.

DER TAGESSPIEGEL ist eine 1945 gegründete Tageszeitung aus Berlin. Chefredakteur ist , die Herausgeber sind und . Im Unterschied zur BERLINER ZEITUNG wird der TAGESSPIEGEL traditionell vor allem in den westlichen Bezirken der Stadt gelesen, da die Mauer die Verbreitung der Zeitung auf Westberlin beschränkt hatte. Eine 2024 durchgeführte Untersuchung der Universität Mainz zu 47 Medien ordnet die „ideologische Grundpositionierung“ des TAGESSPIEGELS als gemäßigt liberal-progressiv und gemäßigt sozialstaatsorientiert ein. Seit 2014 erhält der TAGESSPIEGEL besondere Aufmerksamkeit dank seines Checkpoint-Newsletters, der täglich aus Berlins Politik, Wirtschaft und Gesellschaft berichtet. EUROTOPICS beschreibt die Blattlinie der Zeitung als liberal. Der TAGESSPIEGEL wurde lange Zeit den regionalen Zeitungen zugerechnet, verfolgt seit einigen Jahren jedoch verstärkt eine überregionale Ausrichtung. Die Printauflage bleibt jedoch stark regional dominiert. Die verkaufte Auflage der Zeitung betrug im vierten Quartal 2025 rund 98.000 Exemplare (IVW), ihre Website verzeichnete laut Similarweb im März 2026 45,2 Millionen Besuche. Im Jahr 2025 war der TAGESSPIEGEL die meistzitierte Regionalzeitung Deutschlands (Quelle: Media Tenor). 2022 geriet die Chefredaktion des TAGESSPIEGELS infolge einer Kolumne des ehemaligen Chefredakteurs in die Kritik. In dem Artikel bezeichnete Martenstein das Tragen von Judensternen auf Corona-Demonstrationen als „sicher nicht antisemitisch“. Daraufhin distanzierte sich die TAGESSPIEGEL-Chefredaktion und depublizierte den Online-Beitrag. Der TAGESSPIEGEL erscheint im Verlag Der Tagesspiegel GmbH, der zur DvH Medien GmbH der Holtzbrinck-Familie gehört. Der DvH gehören außerdem die Titel HANDELSBLATT, WIRTSCHAFTSWOCHE sowie 50 Prozent des Verlags der ZEIT.

Originalartikel
Fake News in den Massenmedien: Brauchen wir ein Recht auf Wahrheit?
DER TAGESSPIEGELGeoff Mulgan
26.08.2024 · 4 Minuten · Deutsch
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