Perspektive
zur Debatte vom 06. Januar 2026
Sollten Deutschland und die EU das Vorgehen der USA in Venezuela viel stärker kritisieren? Pro
Genug ist genug: Die EU muss lernen, auch den US-Präsidenten abzuschrecken
Die Perspektive in 30 Sekunden
In der liberalen Wochenzeitung DIE ZEIT ist der Brüssel-Korrespondent Ulrich Ladurner überzeugt, dass die gesamte EU deutlich auf den Angriff der USA in Venezuela reagieren muss – um US-Präsident Donald Trump klarzumachen, dass man sich ein Land und seine Bewohner:innen nicht einfach nehmen kann. Sonst könnte Trump womöglich als Nächstes Gebiete der EU für sich beanspruchen, warnt Ladurner.
Im Verhalten des US-Präsidenten sieht Ladurner eine Abkehr von dem bisherigen Bekenntnis zur NATO und der EU. Daher müsse die EU darauf vorbereitet sein, dass sich Trump offen gegen die NATO stellt – indem er etwa Grönland einnimmt. Ladurner sieht nur eine einzige Möglichkeit, den US-amerikanischen Imperialismus abzuwehren: Die EU sollte sich gemeinsam klar gegen die Ausweitung der USA positionieren und Maßnahmen für einen US-Angriff auf Grönland vorbereiten.
Bis jetzt hätten sich nur der Premierminister Grönlands und die dänische Ministerpräsidentin deutlich gegen den Anspruch der USA auf Grönland positioniert, berichtet Ladurner. Das sei allerdings nicht genug: Sowohl Grönland als auch Dänemark seien viel zu klein, um von Trump ernst genommen zu werden. „Kleine respektiert Trump nicht, Kleine überfährt er“, meint Ladurner. Daher könne nur ein vereintes Europa Trump abschrecken.
Anmerkung der Redaktion
Ulrich Ladurner ist EU-Korrespondent in Brüssel für die ZEIT. Er arbeitet seit 1999 bei der Wochenzeitung und hat hier auch als Auslandsredakteur begonnen. Für seine Berichterstattungen war er unter anderem in den Krisengebieten in Bosnien, Kosovo, Afghanistan, Pakistan, Iran, Irak und Libyen. Er hat als freier Journalist für die österreichischen Nachrichtenmagazine PROFIL und NEWS sowie für den ORF gearbeitet und schreibt auch Beiträge für FF – DAS SÜDTIROLER WOCHENMAGAZIN und das KATHOLISCHE SONNTAGSBLATT. Bei FF hatte er zeitweise eine eigene Kolumne, die „EU-Kolumne von Ulrich Ladurner“. Ladurner hat an der Universität Innsbruck Politikwissenschaft und Geschichte studiert.
DIE ZEIT ist die größte deutsche Wochenzeitung und hat ihren Sitz in Hamburg. Sie zählt zu den deutschen Leitmedien und hat damit bedeutenden Einfluss in der Medienlandschaft. DIE ZEIT erscheint seit 1946 und wurde zunächst als rechtskonservatives Blatt ausgelegt. Erst in den 1960er Jahren wurde die Wochenzeitung als liberales Medium ausgerichtet. In gesellschaftspolitischen Fragen gilt DIE ZEIT als grundsätzlich (links-)liberal, hat allerdings auch viele Gastbeiträge aus dem gesamten Meinungsspektrum oder stellt Beiträge mit gegensätzlichen Meinungen gegenüber. Der NDR urteilt, DIE ZEIT gelte als „Blatt der Akademiker und Intellektuellen“ – und sei damit durchaus erfolgreich. Tatsächlich gehört DIE ZEIT zu den wenigen deutschsprachigen Printmedien, die seit der Digitalisierung an Auflage gewonnen haben. Zuletzt lag die verkaufte Auflage bei rund 625.000 Exemplaren (IVW Q4/2025). Die Website der ZEIT hatte im März 2026 55,5 Millionen Aufrufe (Quelle: Similarweb). 2021 veröffentlichte DIE ZEIT einen Gastbeitrag des russischen Präsidenten Wladimir Putin. Darin plädierte er für eine engere Kooperation zwischen Russland und Europa, übte jedoch zugleich deutliche Kritik an NATO und Europäischer Union. Die Veröffentlichung löste eine breite Kontroverse aus; insbesondere wurde die Zeitung dafür kritisiert, dem russischen Präsidenten eine Plattform zu bieten. Die ZEIT hat mehrere Podcasts, darunter sehr erfolgreiche Reihen wie „Alles gesagt?“ und „ZEIT Verbrechen“. Chefredakteure sind Jochen Wegner und Giovanni di Lorenzo, der auch Mitherausgeber des TAGESSPIEGELS ist. Die Zeitung erscheint im Zeitverlag Gerd Bucerius GmbH & Co. KG, dessen Eigentümer zu unterschiedlichen Teilen der Holtzbrinck-Familie angehören. Die DvH Media Group, die 50 Prozent der Anteile am Zeitverlag hält, besitzt außerdem die Titel HANDELSBLATT, WIRTSCHAFTSWOCHE und den TAGESSPIEGEL.
Originalartikel
Genug ist genug
DIE ZEIT
Ulrich Ladurner 05.01.2026 ·
4 Minuten ·
Deutsch
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