Perspektive
zum Tagesthema vom 15. September 2025
Meinungskampf um getöteten Influencer Charlie Kirk auch in Deutschland Kritik
Hier wird ein Rechtsextremer zu einem Märtyrer gemacht
Die Perspektive in 30 Sekunden
In einem Interview mit Moderator Michael Borgers vom öffentlich-rechtlichen Radiosender DEUTSCHLANDFUNK äußert sich Annika Brockschmidt zum Tod von Charlie Kirk. Dabei kritisiert die Journalistin und USA-Expertin, dass der rechte Influencer zu einem Märtyrer stilisiert werde, obwohl er ein Rechtsextremer mit menschenfeindlichen Ansichten gewesen sei.
Brockschmidt sieht im Umgang der Medien mit Kirks Person ein Problem. Laut der Journalistin versuchen vor allem rechtsextreme Medien und Politiker:innen, die realistische Darstellung von Kirks rechtsextremen Positionen umzudrehen. Aber auch in Artikeln und Pressemeldungen werde Kirk lediglich als „konservativer Aktivist“ beschrieben; seine Positionen tue man als „kontrovers“ ab, so Brockschmidt. Dies sei aber eine verharmlosende Umschreibung der eigentlichen Positionen von Kirk, warnt die Journalistin.
Laut Brockschmidt war Kirk ein rechtsextremer Rassist und Sexist. Der Influencer sei mehrfach durch homophobe und rassistische Aussagen aufgefallen. Auch habe er unter anderem rechtsextreme Verschwörungstheorien wie die des „großen Austauschs“ verbreitet und sei er ein Befürworter der „Remigration“ gewesen. „Das ist ein rechtsextremer Euphemismus für ethnische Säuberung durch Massendeportationen“, erklärt Brockschmidt. Kirk dürfe man deshalb nicht als Märtyrer verklären.
Anmerkung der Redaktion
Annika Brockschmidt ist freie Journalistin, Autorin und Podcast-Produzentin. Dabei arbeitet sie unter anderem für das ZDF, den TAGESSPIEGEL, sowie ZEIT. Ihre Schwerpunkte sind dabei Themen wie die religiöse Rechte in den Vereinigten Staaten. Sie hat Geschichte und Germanistik, sowie War and Conflict Studies studiert. Zu ihren Büchern zählen „Goethes Faust und Einsteins Haken“, „Amerikas Gotteskrieger“ und „Die Brandstifter“.
Michael Borgers ist Journalist, arbeitet als Moderator und Autor für den DEUTSCHLANDFUNK und ist seitenverantwortlicher Redakteur und Autor der DEUTSCHEN WELLE. Er schreibt unter anderem auch für die EVANGELISCHE und hat für den katholischen Nachrichtensender DOMRADIO gearbeitet.
Der DEUTSCHLANDFUNK (DLF) ist 1962 als Teil des öffentlich-rechtlichen Rundfunks gegründet worden und hat seinen Sitz in Köln. Chefredakteurin ist seit 2026 Susanne Schwarzbach. Der DEUTSCHLANDFUNK ist neben DEUTSCHLANDFUNK NOVA und DEUTSCHLANDFUNK KULTUR eines der drei bundesweiten Hörfunkprogramme des DEUTSCHLANDRADIOS, das zusammen mit ARD und ZDF den öffentlich-rechtlichen Rundfunk bildet, sich also zum Großteil über Rundfunkgebühren finanziert. Das Programm hat einen Wortanteil von 80 Prozent und beschäftigt sich besonders tagsüber mit tagesaktuellen Geschehnissen aus Politik, Wirtschaft und Wissenschaft. In den Abendstunden liegt der programmatische Schwerpunkt auf Kulturthemen wie Musik, Hörspielen, Lesungen und entsprechenden Berichten. Der DEUTSCHLANDFUNK sendet klassisch linear, jedoch betreibt er auch eine umfangreiche Audiothek und diverse Podcasts, wo Inhalte auch nicht-linear konsumiert werden können. Mit diesem On-Demand-Angebot hat man sich mittlerweile ein Stammpublikum aufgebaut und erreichte 2024 durchschnittlich vier Millionen Besuche pro Monat. Das Radioprogramm des DEUTSCHLANDFUNKS erreichte nach Befragungsdaten der MA 2025 Audio II einen Rekordwert von 2,64 Millionen Hörer:innen zwischen Montag und Freitag. Damit ist es das meistgehörte Informationsprogramm und liegt auf Platz 6 aller Radioprogramme. Die DEUTSCHLANDFUNK-Website wurde im März 2026 ca. 12,4 Millionen Mal besucht (Quelle: Similarweb).
Originalartikel
Verharmlosende Nachrufe über einen rechten Aktivisten
DEUTSCHLANDFUNK
Annika Brockschmidt
Michael Borgers 11.09.2025 ·
9 Minuten ·
Deutsch
Die Buzzard-Expert:innen haben diesen Artikel aus über 2.000 Medien für dich recherchiert und zusammengefasst, damit du in kurzer Zeit einen möglichst umfassenden Blick auf das Thema bekommst.
Mehr...
Zum Artikel