Perspektive
zum Tagesthema vom 26. August 2024AfD bleibt vor Landtagswahlen in Sachsen und Thüringen in Umfragen vorn
In einer Demokratie gehört das Falschwählen zum Wesenskern
Die Perspektive in 30 Sekunden
Die Umfragen zu den Landtagswahlen am 1. September in Thüringen und Sachsen sprechen seit Monaten eine klare Sprache. Für Jens Blankennagel steht in diesem Zusammenhang dennoch bereits fest, dass die Parteien nach den Landtagswahlen am 1. September über die Erfolge von AfD und BSW meckern werden. „Aber jeder darf nun mal falsch wählen“, argumentiert der Redakteur bei der BERLINER ZEITUNG.
„Denn egal, wie unappetitlich viele der neuen Extremisten auch sind, sie stehen regulär auf den Wahlzetteln“, hält Blankennagel fest. Zudem zeigt sich der BLZ-Redakteur zwar überzeugt, dass – einmal an der Macht – etliche von ihnen klare Schäden an der Demokratie verursachen würden, „aber in der Opposition sorgen sie zumindest dafür, dass wieder heftiger debattiert und über Politik gestritten wird“. Dass auch die Zahl der Nichtwähler:innen wieder zurückgeht, spricht laut Blankennagel ebenfalls nicht dafür, dass die Demokratie bald stirbt.
Dass derzeit Parteien wie AfD und BSW weit über ihre Kernwählerschaft hinaus so extrem punkten können, liegt in den Augen des BLZ-Redakteurs auch nicht so sehr an der Überzeugungskraft ihrer teilweise extremen Ideen, sondern oft an der Ideenlosigkeit der anderen und der Ignoranz gegenüber den Realitäten. „Denn nicht immer sind die Probleme, die in Talkshows debattiert werden, wirklich jene, die auch die Bevölkerung umtreiben“, gibt Blankennagel zu bedenken.
Anmerkung der Redaktion
Jens Blankennagel ist Redakteur und arbeitet seit 1999 für die BERLINER ZEITUNG. Er hat Wissenschaftstheorie an der Berliner Humboldt-Universität studiert und nach dem Fall der Mauer an der Freien Universität Berlin Publizistik, Politologie und Soziologie studiert. Für seine Reportage „Die Nacht der Nächte“ hat Blankennagel den Dumont-Journalistenpreis 2018 für die beste schreiberische Leistung gewonnen.
Die BERLINER ZEITUNG (BLZ) ist eine Tageszeitung aus Berlin. Sie ist erstmals im Jahr 1945 erschienen. In ihrer Gründerzeit hatte sie den Untertitel „Organ des Kommandos der Roten Armee“ und ist 1953 dem Zentralkomitee der SED unterstellt worden. Nach der Wende sollte sie zur Hauptstadt-Zeitung werden und hat mehrfach ihre Besitzer gewechselt, bis sie Ende 2019 von dem Berliner Ehepaar Friedrich aufgekauft worden ist. Die Auflage lag im ersten Quartal 2021 bei rund 81.600 Exemplaren, was einen Rückgang von rund 68 Prozent seit Beginn des Jahrtausends darstellt. Seitdem werden keine Auflagezahlen mehr veröffentlicht. Das Ehepaar Friedrich ist seit der Übernahme 2019 bereits mehrfach kritisiert worden, in die redaktionellen Abläufe einzugreifen und die journalistische Sorgfaltspflicht zu verletzen. Der Presserat hat einen wohlwollenden, mangelhaft gekennzeichneten Bericht über eine Biotech-Firma, bei der Friedrich im Aufsichtsrat sitzt, gerügt. Sowohl der bayerische Verfassungsschutz als auch der ukrainische Botschafter in Deutschland haben der BLZ eine Nähe zu Russland vorgeworfen. Nach öffentlicher Kritik durch die BLZ hat der Verfassungsschutz seinen Vorwurf zurückgenommen. Seit dem 1. November 2025 ist Philippe Debionne Chefredakteur der BLZ. Die BLZ ist nicht zu verwechseln mit der seit 1877 erscheinenden Boulevard-Zeitung B.Z. (Berliner Tageszeitung). Die Berliner Zeitung hat eine Kooperation mit dem Magazin CICERO.
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Jens Blankennagel