Perspektive
zur Debatte vom 16. April 2026
Sollte es für den ersten Krankheitstag kein Gehalt mehr geben? Contra
Karenztage könnten neue Fehlanreize schaffen und langfristig sogar mehr Ausfälle verursachen
Die Perspektive in 30 Sekunden
Ein Karenztag setzt aus Sicht des Finanzexperten Dieter Homburg falsche Anreize im Arbeitsalltag. Er ordnet die aktuelle Debatte im Nachrichtenmagazin FOCUS vor allem aus ökonomischer Perspektive ein und ist überzeugt: Was wie eine einfache Sparmaßnahme klingt, kann langfristig sogar neue Kosten verursachen.
Im Zentrum seiner Kritik steht der sogenannte Präsentismus. Damit ist gemeint, dass Beschäftigte krank zur Arbeit gehen, um finanzielle Nachteile zu vermeiden. Homburg zufolge wird genau dieser Effekt durch einen Karenztag verstärkt. Erkrankte Mitarbeitende seien weniger leistungsfähig und könnten zudem Kolleginnen und Kollegen anstecken. Dadurch entstehen zusätzliche Ausfälle, die mögliche Einsparungen schnell wieder zunichtemachen, führt Homburg aus.
Zudem verweist er darauf, dass steigende Krankmeldungen verschiedene Ursachen haben. Arbeitsbelastung, demografische Entwicklungen und Veränderungen in der Arbeitswelt spielen dabei ihm zufolge auch eine Rolle. Pauschale Maßnahmen wie ein Karenztag greifen daher seiner Meinung nach zu kurz. Stattdessen brauche es gezielte Ansätze wie Prävention, bessere Arbeitsbedingungen und betriebliche Gesundheitsprogramme. Entscheidend ist laut Homburg nicht kurzfristiges Sparen, sondern dass es langfristig stabile und gesunde Arbeitsstrukturen gibt.
Anmerkung der Redaktion
Dieter Homburg ist unabhängiger Finanz- und Versicherungsexperte sowie Geschäftsführer des Fachzentrums Finanzen GmbH in Lippstadt. Zudem ist er Host des Podcasts „Beitragsexplosion“. Bereits in jungen Jahren gründete er seine erste Beratungsfirma. Homburg ist Bestsellerautor des Buches „Altersvorsorge für Dummies“. Er wird von Finanztip empfohlen, hat zahlreiche positive ProvenExpert-Bewertungen und wird regelmäßig von Medien wie SPIEGEL, FOCUS und ZDF als Experte hinzugezogen. Er studierte International Business an der Universität Paderborn und absolvierte zuvor ein Finance-Studium an der International School of Management (ISM), welches er mit Auszeichnung abschloss.
Der FOCUS ist ein wöchentlich erscheinendes deutsches Nachrichtenmagazin mit Sitz in Berlin. Er wurde 1993 vom Hubert Burda Verlag als Konkurrenz zum SPIEGEL gegründet, Chefredakteure sind aktuell Franziska Reich und Georg Meck. Die verkaufte Auflage des FOCUS lag laut IVW 1/2026 bei rund 222.000 Exemplaren. Das Magazin erreicht etwa 3,4 Millionen Leser:innen und gehört damit zusammen mit dem SPIEGEL und dem STERN zu den reichweitenstärksten deutschen Wochenmagazinen. Auch der Online-Auftritt des Magazins gehört zu den reichweitenstärksten in ganz Deutschland: Laut der Website Similarweb hatte FOCUS.DE im März 2026 rund 54 Millionen Aufrufe zu verzeichnen. Der FOCUS gilt dabei in seiner Ausrichtung im Vergleich zu den beiden Konkurrenzmagazinen als konservativer und richtet sich an eine jüngere und männlichere Leserschaft. Er fokussiert sich dabei besonders auf nutzerorientierte und leicht zu rezipierende Texte wie etwa Ratgeber. Das GOETHE-INSTITUT befindet, das Blatt vertrete eine wirtschaftsliberale Haltung und wende sich „mit vielen grafischen Darstellungen und farbintensiven Bildern insbesondere an Leser:innen mit weniger Zeit“. Der FOCUS online sowie der Ableger FOCUS MONEY wurden über die Jahre mehrfach vom deutschen Presserat gerügt. Das Magazin wird von der FOCUS Magazin Verlag GmbH herausgegeben, die zum Konzern Hubert Burda Media gehört, und ist damit vollständig im Besitz der Familie Burda.
Originalartikel
Karenztage: Wie eine einfache Lösung neue Probleme schafft
FOCUS
Dieter Homburg 17.03.2026 ·
2 Minuten ·
Deutsch
Die Buzzard-Expert:innen haben diesen Artikel aus über 2.000 Medien für dich recherchiert und zusammengefasst, damit du in kurzer Zeit einen möglichst umfassenden Blick auf das Thema bekommst.
Mehr...
Zum Artikel
🔓 Zum Redaktionsschluss war der Originalartikel frei verfügbar