Perspektive

zum Tagesthema vom 19. September 2025
Kirk-Attentat entfacht einen Kulturkampf um Meinungsfreiheit – nicht nur in den USA
Kritik

Kimmels Rauswurf ist ein neuer Tiefpunkt im US-Kulturkrieg

Die Perspektive in 30 Sekunden

„Das ist ein weiteres beunruhigendes Zeichen dafür, in welche Richtung sich Trumps Amerika bewegt“, kommentiert der Autor den Rauswurf von Late-Night-Moderator Jimmy Kimmel. US-Präsident Donald Trump zwinge die Unterhaltungsbranche wie kein Präsident vor ihm, sich seinem Willen zu beugen. „Die Absetzung ist ein alarmierender Tiefpunkt für den Kulturkrieg in den USA“, führt er in der liberalen britischen Tageszeitung THE GUARDIAN aus.

Laut Hassenger galt es bereits länger als ungeschriebenes Gesetz für Late-Night-Moderatoren, sich von ernster politischer Kritik zurückzuhalten und höchstens leichte Seitenhiebe gegen politische Akteure zu führen. Vor der Politik zu kapitulieren, ist ihm zufolge eine notwendige Lebensbedingung für Entertainer in den USA geworden. „Colbert und Kimmel haben nicht kapituliert und dafür den Preis bezahlt“, kommentiert er die jüngste Entwicklung.

Schlimm ist seiner Ansicht nach, wie viel strenger die Grenzen des Sagbaren unter Trump geworden seien. Laut Hassenger hat Kimmel nämlich eigentlich nichts Verwerfliches über den ermordeten Charlie Kirk gesagt, dessen Familie sogar sein Beileid bekundet. „Der Punkt ist, dass er etwas sagte, mit dem nicht jeder Zuschauer einverstanden war, und dass es das Charlie-Kirk-Thema betraf“, erklärt er. „Es war klar, dass er gehen musste.“ Hassenger befürchtet, dass das die Zukunft der Unterhaltungsbranche in den USA ist: Wer nicht vor dem Präsidenten kapituliert, fliegt raus.

Anmerkung der Redaktion

ist freiberuflicher Journalist und Autor. Seine Beiträge erscheinen unter anderem bei POLYGON, DECIDER, PASTE MAGAZINE und THE GUARDIAN. Dort berichtet er hauptsächlich über gesellschaftliche und popkulturelle Themen. Er hat einen Bachelor of Arts in Englisch von der Wesleyan University und einen Master in Library and Information Science vom Queens College.

THE GUARDIAN ist eine britische Tageszeitung. Sie wurde 1821 in Manchester gegründet und ist damit eins der traditionsreichsten britischen Medien. Neben der TIMES und dem TELEGRAPH gehört THE GUARDIAN zu den „Big Three“ der Zeitungen in Großbritannien. Im Gegensatz zu ihren beiden Konkurrenzzeitungen gilt sie traditionell als Labour-nah. Ihre politische Haltung beschreibt sie selbst als „Mitte-links“. Vor dem Brexit-Referendum 2016 sprach sich die Zeitung für einen Verbleib in der EU aus und kritisierte populistische und irreführende Aussagen und Aktionen der Leave-Kampagne um den späteren Premier . Online ist die Zeitung, die alle Inhalte kostenlos zur Verfügung stellt, nach BBC und THE DAILY MAIL das Medium mit der drittstärksten Reichweite. Die gedruckte Auflage des GUARDIAN ist seit 2003 allerdings auf knapp ein Drittel der ursprünglichen Auflage geschrumpft und lag im Juli 2021 nur noch bei knapp 105.000 Exemplaren. Seitdem veröffentlicht die Zeitung keine Auflagenzahlen mehr. Im April 2026 hatte die Website theguardian.com knapp 300 Milionen Aufrufe. Die Chefredakteurin des GUARDIAN ist Katharine Viner.

Originalartikel
Jimmy Kimmel’s suspension is an alarming new low for the US culture wars
THE GUARDIANJesse Hassenger
18.09.2025 · 6 Minuten · Englisch
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