Perspektive
zur Debatte vom 29. November 2023
Brauchen Schulen eine Pause von der Digitalisierung? Pro
Kinder und Jugendliche brauchen zunächst mehr Menschen, nicht mehr Maschinen
Die Perspektive in 30 Sekunden
Klaus Zierer und Thomas Gottfried sehen Deutschland auf dem digitalen Holzweg. Bei ZEIT ONLINE sprechen sich die beiden Schulpädagogen dafür aus, die Digitalisierung noch einmal zu überdenken: „Wer glaubt, das Tempo beim Einsatz digitaler Medien erhöhen zu müssen, ohne nach dem Ziel zu fragen, verpasst nicht nur den rechten Zeitpunkt, sondern landet möglicherweise auf dem Holzweg.“
Kinder und Jugendliche verbringen laut Zierer und Gottfried schon außerhalb der Schule mehrere Stunden täglich an digitalen Geräten. Häufig mache es Spaß und die Geräte seien einfach zu bedienen. Die Schulpädagogen warnen jedoch, dass dieser Medienkonsum oft unreflektiert vonstattengehe. Der reflektierte Umgang mit Medien müsse erst noch gelernt werden – mit anderen Menschen, wie Zierer und Gottfried betonen. Einfach mehr digitale Geräte in Schulen einzusetzen, könne daher nicht die Lösung sein.
Laut den beiden Schulpädagogen zeigen einige Studien, dass digitales Lernen zudem viele Nachteile gegenüber dem analogen Lernen aufweise: Dazu zählen laut Zierer und Gottfried Nachteile in der Wissensaufnahme, dem Wortschatz und der Schreibfähigkeit der Schüler:innen. Auch verstärke digitales Lernen die Bildungsungerechtigkeit – das habe das Homeschooling während der COVID-19-Pandemie gezeigt: Familien mit mehr Einkommen können sich häufig mehr digitale Bildungsangebote leisten. Gottfried und Zierer entkräften zudem auch die ihrer Ansicht nach zwei stärksten Argumente für die Digitalisierung in der Schule: Nachhaltigkeit und körperliche Entlastung. Ihren vorliegenden Daten zufolge sei recyceltes Papier nachhaltiger als ein Tablet; das Tragen eines schweren Schulranzens sogar „ein guter Ausgleich zum langen Sitzen“. „Kinder und Jugendliche brauchen zunächst mehr Menschen, nicht mehr Maschinen“, resümieren die beiden Pädagogen daher.
Anmerkung der Redaktion
Klaus Zierer ist Erziehungswissenschaftler und hat den Lehrstuhl für Schulpädagogik an der Universität Augsburg. Zuvor war er Professor für Erziehungswissenschaft an der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg. An der Ludwig-Maximilian-Universität München wurde er 2003 Doktor und 2009 Professor. Von 2004 bis 2009 war er als Grundschullehrer tätig. 2001 schloss er sein Studium in Grundschulpädagogik ab.
Thomas Gottfried ist abgeordneter Gymnasiallehrer am Lehrstuhl für Schulpädagogik der Universität Augsburg. Er ist seit 2012 Lehrer am Camerloher-Gymnasium Freising. Von 1998 bis 2001 war er Lehrer für Deutsch und Katholische Religionslehre am Gymnasium München/Moosach. Zwischendurch arbeitete er als Referent für das bayerische Kultusministerium und dem Staatsinstitut für Schulqualität und Bildungsforschung. Gottfried studierte katholische Theologie, deutsche Philologie und Erziehungswissenschaften an der Ludwig-Maximilians-Universität München.
DIE ZEIT ist die größte deutsche Wochenzeitung und hat ihren Sitz in Hamburg. Sie zählt zu den deutschen Leitmedien und hat damit bedeutenden Einfluss in der Medienlandschaft. DIE ZEIT erscheint seit 1946 und wurde zunächst als rechtskonservatives Blatt ausgelegt. Erst in den 1960er Jahren wurde die Wochenzeitung als liberales Medium ausgerichtet. In gesellschaftspolitischen Fragen gilt DIE ZEIT als grundsätzlich (links-)liberal, hat allerdings auch viele Gastbeiträge aus dem gesamten Meinungsspektrum oder stellt Beiträge mit gegensätzlichen Meinungen gegenüber. Der NDR urteilt, DIE ZEIT gelte als „Blatt der Akademiker und Intellektuellen“ – und sei damit durchaus erfolgreich. Tatsächlich gehört DIE ZEIT zu den wenigen deutschsprachigen Printmedien, die seit der Digitalisierung an Auflage gewonnen haben. Zuletzt lag die verkaufte Auflage bei rund 625.000 Exemplaren (IVW Q4/2025). Die Website der ZEIT hatte im März 2026 55,5 Millionen Aufrufe (Quelle: Similarweb). 2021 veröffentlichte DIE ZEIT einen Gastbeitrag des russischen Präsidenten Wladimir Putin. Darin plädierte er für eine engere Kooperation zwischen Russland und Europa, übte jedoch zugleich deutliche Kritik an NATO und Europäischer Union. Die Veröffentlichung löste eine breite Kontroverse aus; insbesondere wurde die Zeitung dafür kritisiert, dem russischen Präsidenten eine Plattform zu bieten. Die ZEIT hat mehrere Podcasts, darunter sehr erfolgreiche Reihen wie „Alles gesagt?“ und „ZEIT Verbrechen“. Chefredakteure sind Jochen Wegner und Giovanni di Lorenzo, der auch Mitherausgeber des TAGESSPIEGELS ist. Die Zeitung erscheint im Zeitverlag Gerd Bucerius GmbH & Co. KG, dessen Eigentümer zu unterschiedlichen Teilen der Holtzbrinck-Familie angehören. Die DvH Media Group, die 50 Prozent der Anteile am Zeitverlag hält, besitzt außerdem die Titel HANDELSBLATT, WIRTSCHAFTSWOCHE und den TAGESSPIEGEL.
Originalartikel
Schulbildung im Saarland: Digitaler Holzweg
DIE ZEIT
Klaus Zierer
Thomas Gottfried 08.01.2023 ·
5 Minuten ·
Deutsch
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