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Perspektive

zur Debatte vom 07. Dezember 2025
Sollten Lieder und Leben des Rappers Haftbefehl im Schulunterricht behandelt werden?
Contra

Gangster-Rap löst keine Probleme – er glorifiziert sie

Die Perspektive in 30 Sekunden

Stefan Weiss kann den Hype um den Rapper Haftbefehl nicht nachvollziehen. Der Kulturredakteur bei der österreichischen Tageszeitung DER STANDARD spricht sich daher auch gegen die Idee aus, Texte des Gangster-Rappers im Schulunterricht zu behandeln.

In den Augen von Weiss ist Gangster-Rap kein gutes Vorbild für junge Menschen. Diese Musik zeigt ihm zufolge oft Probleme in der Gesellschaft – hilft aber nicht, sie zu lösen. Stattdessen werden sie manchmal sogar stärker. Denn Menschen, die selbst in schwierigen Lebensverhältnissen leben, fühlen sich durch diese Musik in ihrer harten Haltung bestätigt, so Weiss. Junge Menschen aus eher behütetem Hintergrund mögen den Rap wiederum oft, weil sie sich für kurze Zeit wie ein Gangster fühlen können. Oder, wie es Weiss ausdrückt: „Bei den einen ist es ein Verstärker der Problemlagen, bei den anderen ein pubertäres Spiel.“

Schulen brauchen laut Weiss keine Debatte, ob Rapper neben Goethe und Büchner stehen sollen. „Sie brauchen gute Finanzierung, um der eklatanten Abnahme der Lese- und Sprachkompetenz beizukommen“, so Weiss. Ebenso fordert er Maßnahmen gegen Gewalt, Sexismus, Kriminalität und Extremismen. Rap-Texte, die solche Dinge als cool darstellen, sollten hingegen nicht einfach gelobt oder als Kunst ausgezeichnet werden. Weiss zeigt sich überzeugt: „Probleme behebt man nicht, indem man sie unkritisch widerspiegelt.“

Anmerkung der Redaktion

Stefan Weiss ist Journalist und Kulturredakteur bei der österreichischen Tageszeitung DER STANDARD mit Schwerpunkt auf Kulturpolitik und Kabarett. Der studierte Politikwissenschaftler hat unter anderem auch für die TAZ, die WIENER ZEITUNG und die SÜDDEUTSCHE ZEITUNG gearbeitet.

DER STANDARD ist eine österreichische Tageszeitung mit Sitz in Wien. Die Zeitung wurde 1988 nach dem Vorbild der NEW YORK TIMES gegründet und erhielt 1994 den ersten Onlineauftritt aller deutschsprachigen Zeitungen. Chefredakteur ist seit 2024 Gerold Riedmann. DER STANDARD gilt im Vergleich zu anderen österreichischen Blättern als linksliberale Zeitung. Gründer Oscar Bronner sagte der TAZ: „Ich war politisch immer ein Liberaler, aber eher links der Mitte sozialisiert.“ EUROTOPICS beschreibt die Zeitung als linksliberales Qualitätsmedium, das insbesondere in der Einbindung seiner Nutzer:innen eine Vorreiterrolle einnehme. Laut der Österreichischen Auflagenkontrolle (ÖAK) hatte die Zeitung 2024 im Wochenschnitt eine verkaufte Auflage von rund 59.000 Exemplaren.

Originalartikel
Haftbefehl im Lehrplan? Gangster-Rap löst keine Probleme, er glorifiziert sie
DER STANDARDStefan Weiss
06.11.2025 · 2 Minuten · Deutsch
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