Perspektive

zur Debatte vom 09. April 2026
Sollten die Strafen für Schwarzfahren geringer ausfallen?
Contra

Man sollte den Rechtsbruch bekämpfen und nicht kleinreden

Die Perspektive in 30 Sekunden

Die Parlamentskorrespondentin meint in der überregionalen Tageszeitung SÜDDEUTSCHE ZEITUNG, dass eine Entkriminalisierung des Schwarzfahrens das falsche Signal wäre. Zwar erkennt auch sie an, dass es problematisch ist, wenn arme oder kranke Menschen im Gefängnis landen. Der Vorschlag der Bundesregierung gehe jedoch am eigentlichen Problem vorbei.

Timmler kritisiert vor allem die Begründung für die Reform. Justizministerin (SPD) wolle das Gesetz ändern, weil Gerichte und Gefängnisse überlastet sind. Das zeigt für Timmler „eine frappierende Hilflosigkeit dem eigentlichen Problem gegenüber“. Die Aufgabe des Staates sei es, „den Rechtsbruch als solchen zu bekämpfen – und nicht ihn zu bagatellisieren und zu normalisieren“.

Schwarzfahren schadet der Allgemeinheit und darf nicht relativiert werden, findet Timmler. Eine Entkriminalisierung ihr nach am Problem des Schwarzfahrens aber nichts ändern und könnte sogar weitere Forderungen nach sich ziehen: „Zudem drängt sich die Frage auf, was als Nächstes käme: die Entkriminalisierung von Ladendiebstahl?“, fragt die Redakteurin. Stattdessen plädiert sie für soziale Lösungen wie günstige Tickets für Bedürftige.

Anmerkung der Redaktion

ist Journalistin und Korrespondentin in der Berliner Parlamentsredaktion für die SÜDDEUTSCHEN ZEITUNG (SZ). Dort berichtet sie über die SPD, Verkehrs- und Digitalpolitik und die Deutsche Bahn. Zur Ampel-Zeit schrieb sie vor allem über die Grünen. Zuvor war sie Chefin vom Dienst im Wirtschaftsressort in München. Zur SZ kam Timmler 2015. Sie studierte Journalistik und VWL in Dortmund und lebte ein Jahr in Sevilla.

Die SÜDDEUTSCHE ZEITUNG (SZ) ist eine überregionale Tageszeitung aus München und gilt als eines der deutschen Leitmedien. Sie erscheint seit 1945 als Nachfolgerin der MÜNCHNER NEUESTEN NACHRICHTEN und ist besonders durch ihre „Seite Drei-Reportagen“ und die kritische Glosse „Streiflicht“ bekannt. Chefredakteurin ist . Mit einer verkauften Auflage von zuletzt rund 449.000 Exemplaren (IVW Q4/2025) hat sie im Vergleich zum Vorjahreszeitraum leicht an Lesenden gewonnen. Nach der BILD ist sie in Deutschland die am zweitmeisten verkaufte Tageszeitung. Die Website der SZ wurde im März 2026 31,6 Millionen Mal aufgerufen. Die Blattlinie der Zeitung gilt als linksliberal. Zusammen mit den öffentlich-rechtlichen Sendern WDR und NDR hat die SZ einen investigativen Rechercheverband, der zahlreiche Recherchen veröffentlichte – unter anderem zu Steuerschlupflöchern oder über die Ibiza-Affäre um den damaligen FPÖ-Vorsitzenden Heinz-Christian Strache. Seit 2025 hat die SZ eine Partnerschaft mit dem US-Magazin THE ATLANTIC, bei der wöchentlich fünf Texte des Magazins im Original veröffentlicht werden. Für die Aufklärung über die sogenannten „Panama Papers“ erhielten SZ-Journalist:innen 2017 als einziges deutsches Medium einen Pulitzer-Preis für investigative Recherche. Anfang 2024 wurde berichtet, die Chefredaktion habe zur Aufdeckung möglicher Informanten Kommunikationsdaten von Redaktionsmitgliedern überprüfen lassen. Dies löste Kritik aus, unter anderem von Reporter ohne Grenzen, die einen Verstoß gegen den Quellenschutz bemängelten. Die SZ wird seit 1947 von der Süddeutschen Verlags GmbH produziert. Eine Mehrheit am Süddeutschen Verlag (81,3 Prozent) hält die Südwestdeutsche Medien Holding GmbH (SWMH). Weitere 18,8 Prozent entfallen auf die SV Friedmann Holding GmbH, die die Interessen der Münchner Verlegerfamilie Friedmann vertritt.

Originalartikel
Als Nächstes dann Ladendiebstahl entkriminalisieren?
SÜDDEUTSCHE ZEITUNG (SZ)Vivien Timmler
08.04.2026 · 1 Minute · Deutsch
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