Perspektive

zur Debatte vom 04. März 2026
Sind Klimaklagen legitim, um Politik und Wirtschaft zu mehr Klimaschutz zu verpflichten?
Pro

Man sollte über die Leute froh sein, die sich noch für den Klimaschutz einsetzen

Die Perspektive in 30 Sekunden

Der Soziologe äußert sich in einem Gespräch mit dem Radiosender RADIO EINS positiv zu den sogenannten Klimaklagen. Der Klimawandel sei das wichtigste Zukunftsthema, werde von der Politik aber nur nachlässig behandelt. Er ist deshalb erleichtert, dass es in Form der Klimaklagen noch Menschen gibt, die beim Thema Klimaschutz Druck machen.

Welzer hält das Vorgehen durch Gerichtsurteile beim Klimaschutz für einen sinnvollen und erfolgversprechenden Weg. Aktivist:innen nutzen ihm zufolge dabei ihr gutes Recht und können sich zudem auf das Urteil des Bundesverfassungsgerichts von 2021 berufen. Bisherige Erfolge von Menschenrechtsorganisationen haben laut dem Soziologen gezeigt, dass man Regierungen über den Rechtsweg dazu zwingen kann, sich an geltende Gesetze zu halten.

Wichtig ist für ihn aber auch: Die Klagen richten sich nicht nur gegen den Staat, sondern auch gegen Unternehmen und nehmen so mehrere Akteure in die Verantwortung. Nach Welzer können solche Klagen daher wirksamer sein als Protest oder Aufklärung allein. Sie können Regierungen und Unternehmen demnach viel eher dazu bringen, notwendige Klimaschutzmaßnahmen umzusetzen. Außerdem haben die Klagen seiner Meinung nach den Nebeneffekt, dass das Thema wieder stärker öffentlich diskutiert wird.

Anmerkung der Redaktion

ist Soziologe und Sozialpsychologe. Heute arbeitet er hauptsächlich als Publizist. Er hat Soziologie, Politikwissenschaft und Literaturwissenschaft an der Universität Hannover studiert und wurde dort 1988 in Soziologie promoviert. Nach seiner Tätigkeit als wissenschaftlicher Assistent wurde er 1999 Dozent für Sozialpsychologie. Sein berühmtes Werk „Das kommunikative Gedächtnis“ ist 2002 erschienen. Das Buch beinhaltet neurobiologische Forschungen, die erklären, dass dem menschlichen Gedächtnis ein aktiver mentaler Prozess zugrunde liegt, der in erster Linie unbewusst funktioniert. Am 8. Mai 2022 trat Welzer in der Talkshow auf. Dort kam es zu einer Diskussion zwischen Welzer und dem ukrainischen Botschafter in Deutschland, . Welzer warnte vor einer Eskalation der Gewalt und einem lagen Abnutzungskrieg, sollten schwerere Waffen in die Ukraine geliefert werden. Die Osteuropahistorikerin Franziska Davies kritisierte Welzer daraufhin. So habe er keine Osteuropa-Expertise und einen „kolonialen Blick“ auf Osteuropa. Welzer vertrat denselben Standpunkt auch noch in der Talkshow Markus Lanz vom 17. Mai 2022. Anstelle von Waffenlieferungen, sollte man laut Welzer, auf Verhandlungen setzen und das Unausweichliche in einem Friedensprozess hinnehmen. Für besonderes Aufsehen hat sein im September 2022 veröffentlichtes, medienkritisches Buch „Die vierte Gewalt – Wie Mehrheitsmeinung gemacht wird, auch wenn sie keine ist“ gesorgt, das Welzer gemeinsam mit verfasst hat. Das umstrittene Werk hat viel Kritik nach sich gezogen, unter anderem hat der Medienwissenschaftler es in einem Gastbeitrag beim SPIEGEL als „populistische Medienkritik“ bezeichnet. Pörksen bilanziert: „Ihre Kritik ist falsch, aber die Debatte über ihr Buch auf erschütternde Weise lehrreich.“

RADIO EINS ist ein Radiosender für Berlin und Brandenburg. Er gehört zur öffentlich-rechtlichen Landesrundfunkanstalt RUNDFUNK BERLIN-BRANDENBURG (RBB) und sendet aus Potsdam-Babelsberg. Laut der Medienanalyse „ma Audio 2025 II“ erreicht RADIO EINS jeden Wochentag zwischen 5 und 24 Uhr eine Reichweite von 480.000 Hörer:innen, die über dem Alter von 14 Jahren sind. Das macht den Sender zum Marktführer im Radiomarkt Berlin-Brandenburg. Auf der RADIO-EINS-Website werden außerdem Artikel, vor allem zu gesellschaftlichen Themen, veröffentlicht. Die Seite hatte im März 2026 rund 579.000 Aufrufe (Quelle: Similarweb). Entstanden ist RADIO EINS 1997 aus den Sendern RADIO B ZWEI der ehemaligen Berliner Landesrundfunkanstalt SFB und dem Sender RADIO BRANDENBURG der ehemaligen Brandenburger Landesrundfunkanstalt ORB. Die Zielgruppe des Senders sind frühere Hörer:innen des RBB-Jugendradios Fritz über 25 Jahre, weswegen er den Slogan „Nur für Erwachsene“ führt. 2003 erhielt Radio Eins als erste Radiostation den Echo-Preis für „Die Beste Medialeistung“. Sehr erfolgreich war außerdem die Sendung „Sanft & Sorgfältig“ von Moderator Jan Böhmermann und Musiker Olli Schulz, welche 2012 bis 2016 ausgestrahlt wurde. Programmchef von RADIO EINS ist der Journalist Robert Skuppin.

Originalartikel
DUH gegen Autobauer: Streit ums Verbrenner-Aus 2030
RADIO EINSHarald Welzer
02.03.2026 · 4 Minuten · Deutsch
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