Perspektive
zur Debatte vom 06. Januar 2026
Sollten Deutschland und die EU das Vorgehen der USA in Venezuela viel stärker kritisieren? Contra
Merz verhält sich klug – die USA haben vielleicht nichts falsch gemacht
Die Perspektive in 30 Sekunden
Im eher konservativen Nachrichtenmagazin FOCUS befürwortet Chefkorrespondent Ulrich Reitz den Umgang von Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) mit der US-Invasion in Venezuela. Reitz zufolge sollte Deutschland die moralischen und legalen Grundlagen des Angriffes zwar hinterfragen – aber es sei sehr wohl möglich, dass die USA mit dem Angriff auf Venezuela alles richtig gemacht haben.
„Merz kauft sich Zeit und das ist klug“, kommentiert Reitz die Antwort des Bundeskanzlers auf die Vorgänge in Amerika. Seiner Meinung nach hat Merz nämlich recht: Die völkerrechtliche Einordnung der Attacke ist komplex. Reitz behauptet: „Es gibt kein – völkerrechtliches – ‚Strafgesetzbuch‘, das für alle Völker dieser Welt gilt.“
Auch die moralische Empörung über die Attacke kann Reitz nicht nachvollziehen. Er betont dabei zum einen die Verbrechen des venezolanischen Präsidenten Nicolás Maduro, welche seiner Meinung nach dessen Ausschaltung rechtfertigen. Außerdem bezieht er sich auf die Friedensnobelpreisträgerin María Corina Machado: Die venezolanische Oppositionelle habe sich klar dafür ausgesprochen, dass eine Festnahme Maduros gerechtfertigt ist. Reitz schlussfolgert: „Weshalb sollte dann ein deutscher Kanzler daran zweifeln?“
Anmerkung der Redaktion
Die Aussage von Ulrich Reitz, nach der es kein „völkerrechtliches Strafgesetzbuch“ gibt, kann irreführend sein: Es gibt sehr wohl Grundlagen für das Völkerrecht, welche in der Charta der Vereinten Nationen (UN) festgehalten sind. Einer der Grundsätze ist das Gewaltverbot, welches in Artikel 2 ausgeführt wird.
Ulrich Reitz ist Wirtschaftschef bei N-TV und RTL. Außerdem ist er Chefkorrespondent bei FOCUS ONLINE. Der studierte Germanist und Politikwissenschaftler hat 1985 bei der Tageszeitung DIE WELT volontiert. In seiner journalistischen Laufbahn war er unter anderem Chefredakteur beim FOCUS, bei der RHEINISCHEN POST und bei der WESTDEUTSCHEN ALLGEMEINEN ZEITUNG. Als Autor war er an dem Buch „Roman Herzog. Der neue Bundespräsident im Gespräch“ beteiligt und hat 1996 eine Biografie über Wolfgang Schäuble (CDU) veröffentlicht. Reitz schreibt hauptsächlich Analysen und Kommentare über die deutsche Politik in Berlin, aber auch über weltpolitische Belange wie den Krieg in der Ukraine und den Umgang mit China. Er moderiert darüber hinaus mit Sandra Navidi den Erfolgspodcast „Biz & Beyond“.
Der FOCUS ist ein wöchentlich erscheinendes deutsches Nachrichtenmagazin mit Sitz in Berlin. Er wurde 1993 vom Hubert Burda Verlag als Konkurrenz zum SPIEGEL gegründet, Chefredakteure sind aktuell Franziska Reich und Georg Meck. Die verkaufte Auflage des FOCUS lag laut IVW 1/2026 bei rund 222.000 Exemplaren. Das Magazin erreicht etwa 3,4 Millionen Leser:innen und gehört damit zusammen mit dem SPIEGEL und dem STERN zu den reichweitenstärksten deutschen Wochenmagazinen. Auch der Online-Auftritt des Magazins gehört zu den reichweitenstärksten in ganz Deutschland: Laut der Website Similarweb hatte FOCUS.DE im März 2026 rund 54 Millionen Aufrufe zu verzeichnen. Der FOCUS gilt dabei in seiner Ausrichtung im Vergleich zu den beiden Konkurrenzmagazinen als konservativer und richtet sich an eine jüngere und männlichere Leserschaft. Er fokussiert sich dabei besonders auf nutzerorientierte und leicht zu rezipierende Texte wie etwa Ratgeber. Das GOETHE-INSTITUT befindet, das Blatt vertrete eine wirtschaftsliberale Haltung und wende sich „mit vielen grafischen Darstellungen und farbintensiven Bildern insbesondere an Leser:innen mit weniger Zeit“. Der FOCUS online sowie der Ableger FOCUS MONEY wurden über die Jahre mehrfach vom deutschen Presserat gerügt. Das Magazin wird von der FOCUS Magazin Verlag GmbH herausgegeben, die zum Konzern Hubert Burda Media gehört, und ist damit vollständig im Besitz der Familie Burda.
Originalartikel
Venezuela und Trump: Merz verhält sich klug – zu sagen haben wir eh nichts
FOCUS
Ulrich Reitz 04.01.2026 ·
4 Minuten ·
Deutsch
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