Perspektive
zur Debatte vom 22. April 2026
Ist es richtig, dass die Bundeswehr an Schulen auftritt? Contra
Mit dem ursprünglichen Auftrag der Bildung hat das nichts zu tun
Die Perspektive in 30 Sekunden
Die freie Journalistin Ruta Dreyer hält nichts von den Auftritten von Jugendoffizieren an Schulen. In der linken Tageszeitung ND sieht sie darin eine Gefahr für den Bildungsauftrag und die politische Unabhängigkeit von Schüler:innen.
Dass sich die Offiziersbesuche an Schulen in den vergangenen Jahren deutlich ausgeweitet haben, wertet Dreyer als Ausdruck einer zunehmenden Militarisierung des Bildungsbereichs. Unterricht solle junge Menschen eigentlich dazu befähigen, eigenständig zu denken. Wenn aber staatliche Akteure wie die Bundeswehr im Klassenzimmer auftreten, wird dieses Prinzip gefährdet, argumentiert Dreyer. Sie kritisiert, dass hier nur eine Perspektive vermittelt werde – nämlich, „Frieden durch Waffen zu garantieren“. Dass man in einem Konflikt aber nur auf Ausrüstung statt Diplomatie setzt, gleicht für Dreyer eher dem Verhalten eines Machos auf dem Schulhof.
„Die Bundeswehr sucht nach Jugendlichen, die für die Idee eines deutschen ‚Wir‘ sterben würden – oder die sich inmitten einer prekären Lage nach finanzieller Sicherheit sehnen“, meint die freie Journalistin. Gleichzeitig gehe der Staat hart gegen antimilitaristische Proteste vor. Das hat für Dreyer wenig damit zu tun, eine eigenständige Meinungsbildung der Schüler:innen zu fördern.
Anmerkung der Redaktion
Ruta Dreyer arbeitet als freie Journalistin unter anderem für die Tageszeitung ND (ehemals NEUES DEUTSCHLAND). 2018 gewann sie einen Preis beim Treffen junger Autor:innen der Berliner Festspiele. 2021 sowie in den vier Jahren zuvor wurde sie Jahrespreisträgerin des bundesweiten Wettbewerbs für junge Dichter:innen „lyrix”. Bereits im Alter von 15 Jahren wurde sie für den „Theo – Berlin-Brandenburgischer Preis für Junge Literatur“ nominiert. Sie studierte Politikwissenschaften an der Freien Universität Berlin und Psychologie in Göttingen.
ND (ehemals NEUES DEUTSCHLAND) ist eine überregionale Tageszeitung, die einen „Journalismus von links“ vertritt. In ihrer Satzung bezeichnet sich die ND als „sozialistische Zeitung“. Sie wurde 1946 in Berlin gegründet. Zu DDR-Zeiten war sie das publizistische Zentralorgan der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands (SED) und gehörte nach der Wende der Partei PDS. Deren Nachfolgepartei DIE LINKE besaß bis Ende 2021 noch 50 Prozent der Anteile an der Zeitung. ND beschreibt sich selbst als Tageszeitung, „die mit linkem Ideengut über den Tellerrand des journalistischen Alltags hinausdenkt“. Man wolle sich für Menschenrechte und Minderheiten einsetzen und sei dem Kampf gegen Rassismus, Klassismus, Antisemitismus, Sexismus und Faschismus und für den Frieden verpflichtet. Die CDU-nahe Konrad-Adenauer-Stiftung bescheinigt der Zeitung eine einseitige Berichterstattung: Marktwirtschaft sei „Kapitalismus“, westliche Außenpolitik „Imperialismus“. Außerdem sei die Zeitung DDR-nostalgisch. Nach eigenen Angaben hat die Zeitung 2022 600.000 Euro Verlust gemacht. Im Juni 2023 gab die Zeitung daher bekannt, akut gefährdet zu sein. Es folgten Kosteneinsparungen und eine Spendenkampagne, um ihr Überleben zu retten. Seit April 2026 erscheint die Tagesausgabe der Zeitung aus Kostengründen komplett digital. Einen Grund für die Misere sieht ND darin, dass die Zeitung seit 2022 von einer Genossenschaft herausgegeben wird. Damit gehört sie den Leser:innen und Mitarbeiter:innen aus Redaktion und Verlag und ist somit unabhängig von großen Unternehmen. Der neue Geschäftsführer, Gerd Stodiek, äußerte sich dazu: „Beim ›nd‹ ist ordentlich Druck auf dem Kessel. Da muss man innovativ sein und kann es sich nicht bequem machen.“ Er wolle mit der ND dem Rechtsruck in Deutschland entgegentreten. Die kollektive Redaktionsleitung besteht aus Regina Stölzel, Ines Wallrodt und Oliver Kern. Die Website der ND hatte im März 2026 745,7 Tausend Aufrufe (Quelle: Similarweb).
Originalartikel
Jugendoffiziere an Schulen: Bedrohte Bildung
ND (NEUES DEUTSCHLAND)
Ruta Dreyer 09.01.2026 ·
3 Minuten ·
Deutsch
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