Perspektive
zum Tagesthema vom 02. März 2022
Hoffnungsschimmer Diplomatie? Linke-Politikerin Wagenknecht plädiert für Angebot an Russland Kritik
Mit einem Angebot an Putin kann sich der Westen nur selbst brüskieren
Die Perspektive in 30 Sekunden
Zwar würden derzeit immer wieder Stimmen laut, die fordern, dem russischen Präsidenten Wladimir Putin ein Verhandlungsangebot zu machen. Der Militärexperte Carlo Masala, der in diesen Tagen beinahe täglich in den ARD-Brennpunkten zu sehen ist, sieht aber nicht, was man Putin überhaupt anbieten wolle. Denn Putin habe sich mit seinen Maximalforderungen sehr weit aus dem Fenster gelehnt, so Masala im Interview mit T-ONLINE-Redakteur Marc von Lüpke.
Dazu zählt der Militärexperte etwa die Forderung nach einer Demilitarisierung der Ukraine. „Putin braucht also den ganz großen Erfolg, aber der Westen kann ihm kein politisch akzeptables Angebot machen, ohne sich selbst zu brüskieren“, ist Masala überzeugt.
Stattdessen erwartet er, dass Russland seine militärischen Bemühungen noch verstärken wird. Nicht zuletzt habe Putin militärisch auch noch einiges in der Hinterhand. Vorrangiges Ziel sei es, die Regierung des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj zu Fall zu bringen. „Ob sie den ukrainischen Präsidenten gefangen nehmen oder ob er zurücktritt, ist Russland relativ egal“, so Masala. „Für die Russen muss Selenskyj aber weg. So viel ist klar.“
Anmerkung der Redaktion
Carlo Masala ist Politikwissenschaftler und Hochschullehrer. Zudem ist er Inhaber des Lehrstuhls für Internationale Politik an der Fakultät für Staats- und Sozialwissenschaften der Universität der Bundeswehr München. Masala gilt als Neorealist – Er folgt einer politikwissenschaftlichen Theorie, die annimmt, dass die internationale Politik von Sicherheitsinteressen und der Kooperationsunwilligkeit der Staaten dominiert wird. Er forscht schwerpunktmäßig in den Bereichen Außenpolitik, vergleichende Regierungslehre und Sicherheitspolitik. Masala gehört seit 2009 dem wissenschaftlichen Beirat beim Bundesministerium für Bildung und Wissenschaft an. Seit 2010 gibt er gemeinsam mit Stephan Stetter die ZEITSCHRIFT FÜR INTERNATIONALE BEZIEHUNGEN heraus.
Marc von Lüpke ist Journalist und leitender Redakteur für Zeitgeschichte bei T-ONLINE. In dieser Funktion führt er vor allem Intervies mit Historikern und beleuchte Zusammenhänge der Geschichte und Gegenwart. Zuvor ist er bereits Politikredakteur bei der Nachtrichtenplattform gewesen. Vor seiner Tätigkeit bei T-ONLINE hat Lüpke beim SPIEGEL gearbeitet. Von Lüpke hat Geschichte und Politikwissenschaft in Bochum studiert.
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Originalartikel
"Da hat Putin also noch etwas in der Hinterhand"
T-ONLINE
Carlo Masala
Marc von Lüpke 01.03.2022 ·
4 Minuten ·
Deutsch
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