Perspektive
zur Debatte vom 15. Januar 2026
Sollten Gymnasien Klassiker wie Goethe und Schiller häufiger in einfacher Sprache behandeln? Pro
Mit Goethe light wird das Abendland nicht untergehen
Die Perspektive in 30 Sekunden
In der Debatte um vereinfachte Literaturklassiker, wie etwa die Werke von Goethe oder Schiller, plädiert Jens Balzer für Gelassenheit. Die Warnung vor einem kulturellen Niedergang hält der Kulturjournalist in seinem Kommentar für den öffentlich-rechtlichen Sender RADIO EINS jedenfalls für maßlos übertrieben.
Balzer verweist darauf, dass es die Klassiker in vereinfachter Sprache aus dem Haus Cornelsen bereits seit zwanzig Jahren gebe und sich daran bislang auch niemand gestört habe. Balzer plädiert in diesem Zusammenhang dafür, Unterricht modern zu gestalten. So schlägt er beispielsweise vor, deutsche Klassiker ebenso zu behandeln wie Texte des Rappers Haftbefehl (siehe BUZZARD-Debatte vom 5. November 2025).
Für den Kulturjournalisten bietet das die Möglichkeit für einen – so wörtlich – „intergenerationellen Vergleich“. Dabei würde man seiner Meinung nach merken, dass sich die Inhalte gar nicht so sehr unterscheiden. „Das ist alles Deutschland“, findet Balzer und sieht Probleme erst aufkommen, wenn die nächste Schülergeneration nach noch einfacherer Sprache verlangen sollte.
Anmerkung der Redaktion
Jens Balzer ist Autor und Kulturjournalist. Er arbeitet unter anderem für DIE ZEIT, den DEUTSCHLANDFUNK, den ROLLING STONE, den SPIEGEL, die NEW YORK TIMES, RADIO EINS und viele weitere. Er war stellvertretender Feuilletonchef der BERLINER ZEITUNG und hat als Kurator an der Volksbühne in Berlin, bei den Münchner Kammerspielen und von 2010 bis 2025 am Popsalon des Deutschen Theaters Berlin gearbeitet. Studiert hat er Informatik, Philosophie und Germanistik an der Universität Hamburg. Balzer hat mehrere Bücher veröffentlicht, zuletzt erschien 2024 „After Woke“.
RADIO EINS ist ein Radiosender für Berlin und Brandenburg. Er gehört zur öffentlich-rechtlichen Landesrundfunkanstalt RUNDFUNK BERLIN-BRANDENBURG (RBB) und sendet aus Potsdam-Babelsberg. Laut der Medienanalyse „ma Audio 2025 II“ erreicht RADIO EINS jeden Wochentag zwischen 5 und 24 Uhr eine Reichweite von 480.000 Hörer:innen, die über dem Alter von 14 Jahren sind. Das macht den Sender zum Marktführer im Radiomarkt Berlin-Brandenburg. Auf der RADIO-EINS-Website werden außerdem Artikel, vor allem zu gesellschaftlichen Themen, veröffentlicht. Die Seite hatte im März 2026 rund 579.000 Aufrufe (Quelle: Similarweb). Entstanden ist RADIO EINS 1997 aus den Sendern RADIO B ZWEI der ehemaligen Berliner Landesrundfunkanstalt SFB und dem Sender RADIO BRANDENBURG der ehemaligen Brandenburger Landesrundfunkanstalt ORB. Die Zielgruppe des Senders sind frühere Hörer:innen des RBB-Jugendradios Fritz über 25 Jahre, weswegen er den Slogan „Nur für Erwachsene“ führt. 2003 erhielt Radio Eins als erste Radiostation den Echo-Preis für „Die Beste Medialeistung“. Sehr erfolgreich war außerdem die Sendung „Sanft & Sorgfältig“ von Moderator Jan Böhmermann und Musiker Olli Schulz, welche 2012 bis 2016 ausgestrahlt wurde. Programmchef von RADIO EINS ist der Journalist Robert Skuppin.
Originalartikel
Goethe light? Debatte um vereinfachte Klassiker
RADIO EINS
Jens Balzer 13.01.2026 ·
6 Minuten ·
Deutsch
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