Perspektive

zur Debatte vom 31. Oktober 2025
Sind romantische Beziehungen mit KI-Chatbots problematisch?
Contra

Mit KI kann man menschliche Beziehungen üben – ohne zu verletzen

Die Perspektive in 30 Sekunden

Im liberalen US-Magazin THE NEW YORKER blickt der Autor optimistisch auf Mensch-KI-Beziehungen. Er argumentiert, dass Beziehungen zu KI eine Art Experimentierfeld sein können, um menschliche Nähe neu zu begreifen.

Lanier beruft sich in seiner Argumentation auf den Neurowissenschaftler David Eagleman. Ihm zufolge sind Menschen nicht instinktiv gut in Beziehungen – schließlich halten es einige Institutionen nach wie vor für notwendig, ihre Mitarbeitenden in Sachen Consent zu sensibilisieren. „Warum also nicht die Grundlagen mit einer KI lernen, wenn man Teenager ist, und so anderen Menschen die eigenen Fehler ersparen?“, fragt Lanier. Für ihn liegt dabei auch im Verlust eines Chatbots eine Chance: Durch die Erfahrung einer Bindung zu einer KI – und möglicherweise auch durch deren Verlust, wenn ein Modell abgeschafft werde – könnten Menschen lernen, ihre realen Beziehungen neu zu schätzen, so Lanier.

Gleichzeitig denkt er weiter und stellt sich vor, dass virtuelle Beziehungen auch zu einer Weiterentwicklung menschlicher Identität führen könnten. Lanier zufolge könnte eine Zukunft, in der Menschen intime Erfahrungen erst mit KI machen, sie emotional vielfältiger und weniger verletzbar machen. Einsamkeit wäre dann vielleicht „eine antike Krankheit“, hofft Lanier.

Anmerkung der Redaktion

ist ein US-amerikanischer Informatiker, Künstler, Musiker, Komponist, Autor und Unternehmer. Er gilt als Pionier der Virtual Reality und gründete 1984 das Unternehmen VPL RESEARCH zur Entwicklung von VR-Anwendungen. Lanier arbeitete an frühen VR-Technologien wie dem Datenhandschuh und komponierte später Musik, unter anderem in Zusammenarbeit mit Künstlern wie Philip Glass und Yoko Ono. Er lehrte an Universitäten wie Columbia, Yale und Dartmouth und ist Fellow am International Computer Science Institute der UC Berkeley. Lanier ist bekannt für seine kritischen Positionen zu Wikipedia und der Open-Source-Bewegung. 2010 gehörte er zu den TIME 100 der einflussreichsten Menschen, 2014 erhielt er den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels.

THE NEW YORKER ist ein 1925 gegründetes Magazin, das neben journalistischen Artikeln vor allem Essays und Prosatexte druckt. Zahlreiche prominente amerikanische Schriftsteller:innen des 20. und 21. Jahrhunderts (unter anderem John Updike, Vladimir Nabokov oder Dorothy Parker) haben Kurzgeschichten und Essays für das Magazin verfasst. Das Magazin wird in der US-amerikanischen Medienlandschaft als Medium eingeordnet, das eher zum sogenannten „Left-Wing“ gehört. Das Magazin unterstützt die politische Partei der Demokraten und tendiert bei gesellschaftspolitischen und ökologischen Themen zu linksliberalen Meinungen.

Originalartikel
Your A.I. Lover Will Change You
THE NEW YORKERJaron Lanier
22.03.2025 · 15 Minuten · Englisch
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