Perspektive
zur Debatte vom 01. September 2021
🗳 Sollten wir Russland in sicherheitspolitischen Fragen stärker mit einbeziehen? ARGUMENTE AUS DEN MEDIEN
Wir müssen mit Putin reden – aus eigenem Interesse
Die Perspektive in 30 Sekunden
Die Europäische Union soll sich wieder mit Wladimir Putin treffen und mit ihm reden, findet Außenpolitikredakteur Nikolas Busse in FRANKFURTER ALLGEMEINE ZEITUNG (FAZ). Denn Außenpolitik sei „zum gar nicht geringen Teil ein kommunikatives Geschäft“.
Die EU sollte also dem Beispiel des US-amerikanischen Präsidenten Joe Biden folgen, so Busse. Denn auch dieser habe sich mit dem russischen Staatsoberhaupt getroffen. Dabei sei zwar „nicht viel herausgekommen, aber immerhin dürften beide jetzt genauer wissen, wo der jeweils andere steht“, schreibt er. Und das sei auch für die EU wichtig. Denn nur so könne man etwa den Sorgen der osteuropäischen Staaten begegnen: Indem man deren Sicherheit und Wohlergehen als „Interesse der EU“ gegenüber Russland betont.
Dabei müsse es bei diesen Treffen nicht um Freundschaft oder Vertrauen gehen, beschwichtigt Busse. Es stehe vielmehr „das eigene Interesse und die Überprüfung des eigenen Interesses“ im Mittelpunkt. Darin liege auch die „Kunst des diplomatischen Gespräches“: Herauszufinden, wo die Interessen zwischen EU und Russland übereinstimmen und in diesen Feldern versuchen, zusammenzuarbeiten, erklärt der Redakteur.
Anmerkung der Redaktion
Nikolas Busse ist Journalist und verantwortlicher Redakteur für Außenpolitik der FRANKFURTER ALLGEMEINEN ZEITUNG (FAZ). Der studierte Politikwissenschaftler hat über Sicherheitspolitik in Südostasien promoviert und unter anderem für die SÜDDEUTSCHE ZEITUNG und die BERLINER ZEITUNG gearbeitet. Für die FAZ war er außerdem Korrespondent in Brüssel, Verantwortlicher für die Frankfurter Allgemeine Woche und Politikressort-Leiter für die Sonntagsausgabe. Seit 2021 ist Busse vor allem für die Außenpolitik in der Zeitung verantwortlich.
Die FRANKFURTER ALLGEMEINE ZEITUNG (FAZ) ist eine deutsche überregionale Tageszeitung mit Sitz in Frankfurt am Main. Sie ist 1949 gegründet worden und wird zu den deutschen Leitmedien gezählt. Die FAZ hat keine Chefredaktion, sondern wird seit ihrer Gründung von einem Herausgebergremium geleitet, bestehend aus Gerald Braunberger, Jürgen Kaube, Carsten Knop und Berthold Kohler. Laut Eigenangabe steht die FAZ „für den Erhalt und die Stärkung der demokratischen Ordnung und der Sozialen Marktwirtschaft in Deutschland“. Die Zeitung gilt als liberalkonservatives Blatt. THE EUROPEAN schreibt über die „drei Gesichter“ der FAZ: Sie habe einen eher konservativen, staatstragenden Politikteil, ein linksliberales Feuilleton und einen liberalen Wirtschaftsteil. Der DEUTSCHLANDFUNK schreibt 2019 über die FAZ: „Seit ihrer Gründung steht die Zeitung für Qualitätsjournalismus, der vor allem von Alpha-Männern verantwortet wird.“ Die verkaufte Auflage der Zeitung lag im vierten Quartal 2025 bei rund 332.000 Exemplaren (IVW) und hat im Vergleich zum vorigen Quartal leicht abgenommen. Die Printauflage der Zeitung ist allerdings seit Jahren rückläufig. Laut Similarweb hatte der Webauftritt der FAZ im März 2026 rund 38,5 Millionen Besuche zu verzeichnen. Die FAZ wird von der Frankfurter Allgemeine Zeitung GmbH herausgegeben, die neben der täglich erscheinenden FAZ auch die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung (FAS) und das Online-Nachrichtenportal FAZ verantwortet. Das Unternehmen ist zu 93,7 Prozent im Besitz der gemeinnützigen FAZIT-Stiftung, die von den Verlegern und Herausgebern der Frankfurter Allgemeinen Zeitung gegründet wurde. Der verbleibende Anteil wird von den vier Herausgebern gehalten. Diese einzigartige Eigentümerstruktur soll die redaktionelle Unabhängigkeit der Zeitung wahren.