Perspektive
zur Debatte vom 04. März 2022
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Die Perspektive in 30 Sekunden
Der Politologe Rob Lee hält den russischen Ukraine-Krieg für die letzte Strategie, um einen geopolitischen Status Quo zu ändern, der für Russland inakzeptabel sei. Demnach seien aus russischer Sicht „die Kosten eines Nichthandelns höher als die Kosten einer erheblichen Eskalation in der Ukraine“, erklärt er auf der Website des Think-Tanks FOREIGN POLICY RESEARCH INSTITUTE.
Das Hauptproblem des Status Quo beschreibt Lee folgendermaßen: Aus Russlands Perspektive ist die Ukraine seit 2014 ein feindseliger Staat, der militärisch immer mehr aufrüstet und seine Beziehungen zum westlichen Militärbündnis NATO verbessert. Dies nehme Russland als steigende militärische Bedrohung wahr, so der Politologe. Die Entwicklung wolle man also dringend aufhalten. Dafür habe Russland zunächst auf „Abschreckung“ gesetzt und seit April 2021 immer mehr Truppen an der ukrainischen Grenze stationiert. Putins Ziele – etwa, dass der Westen einen NATO-Beitritt der Ukraine ausschließt – habe Russland so aber nicht erreichen können, erläutert Lee.
Da der russische Präsident also kein anderes Mittel mehr gehabt habe, um politischen Einfluss auf Kiew auszuüben, sei ihm nur noch die militärische Intervention geblieben. Lee schlussfolgert: Putin sei „wahrscheinlich der Ansicht, dass eine erhebliche militärische Eskalation heute weniger kostspielig wäre als in der Zukunft, wenn die Ukraine ihre militärischen Fähigkeiten weiter ausbaut.“
Anmerkung der Redaktion
Rob Lee ist Politikwissenschaftler, ehemaliger US-Marine-Infanterieoffizier und Doktorand am Institut für Kriegsstudien am King’s College in London. Dort forscht er über russische Verteidigungspolitik. Er ist außerdem wissenschaftlicher Mitarbeiter beim Eurasien-Programm des Foreign Policy Research Institute und dem russischen Think-Tank Center for Analysis of Strategies and Technologies (CAST).
Das FOREIGN POLICY RESEARCH INSTITUTE (FPRI) ist ein US-amerikanischer Think-Tank aus Philadelphia, der sich mit Geopolitik, internationalen Beziehungen und internationaler Sicherheit beschäftigt. Das FPRI veröffentlicht viermal im Jahr die Zeitschrift ORBIS sowie eine Reihe von Monografien, Büchern und elektronischen Newslettern. Seit dem Ende des Kalten Krieges in den 1990er-Jahren konzentriert sich das Institut hauptsächlich auf die Forschung über den von den USA geführten Krieg gegen den Terrorismus, aber auch mit internationalen Beziehungen, der internationalen Sicherheit in verschiedenen Regionen der Welt und ethnischen Konflikten.
Originalartikel
Moscow's Compellence Strategy
FOREIGN POLICY RESEARCH INSTITUTE
Rob Lee 18.02.2022 ·
18 Minuten ·
Englisch
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