Perspektive
zur Debatte vom 31. März 2026Sollte man ChatGPT boykottieren?
#QuitGPT: Warum Nutzer wechseln – und wie ein Umzug gelingt
Die Perspektive in 30 Sekunden
Nach einem umstrittenen Deal zwischen OpenAI und dem US-Verteidigungsministerium löschten viele Nutzer:innen die ChatGPT-App des Unternehmens OpenAI. Daraufhin ist der Chatbot Claude von Anthropic an die Spitze der App-Charts geklettert – und das nicht ohne Grund. Beim öffentlich-rechtlichen WDR erklärt Digitalexperte
OpenAI-Chef Sam Altman hatte am Abend des 27. Februar verkündigt, dass OpenAI nun mit dem US-Verteidigungsministerium zusammenarbeiten würde. „Wenige Stunden zuvor hatte Konkurrent Anthropic – das Unternehmen hinter dem Chatbot Claude – genau diesen Deal abgelehnt, weil die eigene KI nicht für massenhafte Überwachung oder vollautonome Waffensysteme genutzt werden soll“, erinnert sich Schieb. Genau deswegen wanderten Millionen Nutzer:innen ab – und über 100 OpenAI-Mitarbeiter:innen unterstützten den Boykott ihres eigenen Chatbots.
Doch Kritik an OpenAI gab es auch schon vorher: So stießen Schiebs zufolge OpenAIs Überlegungen, Werbung in kostenlosen GPT-Modellen schalten zu wollen sowie eine zweistellige Millionenspende des OpenAI-Präsidenten an ein Trump-nahes politisches Komitee bereits sauer auf. Die Claude-App konnte deshalb innerhalb der letzten drei Monate einen Anstieg von über 60 Prozent neuer Nutzer:innen verzeichnen, so Schieb.
„Dass sich nun eine spürbare Wanderungsbewegung zu einem Anbieter abzeichnet, der sich aus ethischen Gründen gegen militärische Nutzung gestellt hat, ist ein bemerkenswertes Signal“, betont der Experte. Wer sich dieser Wanderbewegung anschließen und den Anbieter wechseln möchte, könne in Claude über die neue Import-Funktion persönliche Präferenzen und Arbeitskontexte aus anderen KI-Modellen übertragen.
Anmerkung der Redaktion
Der WESTDEUTSCHE RUNDFUNK (WDR) ist die größte der neun öffentlich-rechtlichen Landesrundfunkanstalten der
WESTDEUTSCHER RUNDFUNK (WDR)
Jörg Schieb