Perspektive
zur Debatte vom 01. September 2021
🗳 Sollten wir Russland in sicherheitspolitischen Fragen stärker mit einbeziehen? ARGUMENTE AUS DEN MEDIEN
Russland hat kein echtes Interesse an einem Dialog
Die Perspektive in 30 Sekunden
Angesichts neuerer politischer Entwicklungen sollen Deutschland und EU am Dialog mit Russland nicht mehr festhalten, kommentiert der freie Autor Nikolai Klimeniouk in der FAZ. Wer mit Russland in Dialog treten wolle, müsse „sich fügen, nicht widersprechen, brav sein“, kritisiert er.
Der russische Präsident Wladimir Putin habe den Bogen endgültig überspannt, als er kürzlich drei deutsche Nichtregierungsorganisationen (NGOs) als „unerwünschte Organisationen“ in Russland kriminalisierte. Die drei Organisationen waren zuvor an der Arbeit des „Petersburger Dialogs“ beteiligt, einem diplomatischen Forum zwischen russischen und deutschen Vertreter:innen, das vom ehemaligen deutschen Bundeskanzler Gerhard Schröder und Putin persönlich ins Leben gerufen wurde.
Daran habe ihnen der russische Präsident nun jedoch die Teilnahme verboten und versuche außerdem, die übrigen deutschen Vertreter:innen des Forums gegeneinander auszuspielen, so Klimeniouk. „Der Kreml will nicht nur bestimmen, worüber man redet, sondern auch, mit wem“, fasst er die Lage zusammen. An einem wirklichen Dialog sei die russische Führung nicht interessiert. „Der einzige Gesprächsfaden, den der Kreml will, ist eine kurze Leine“, kritisiert der Redakteur.
Anmerkung der Redaktion
Nikolai Klimeniouk, geboren 1970 in Sewastopol auf der Krim, ist freier Redakteur. In Berlin hat er Anglistik, Amerikanistik Theaterwissenschaft und Slawistik studiert. Nach dem Studium war er unteranderem Redakteur beim russischen Magazin FORBES RUSSIA, bei Moskaus Stadtmagazin BOLSCHOJ GOROD und beim regierungskritischen Online-Magazin PUBLICPOST.RU. Seit 2014 schreibt er regelmäßig für die FRANKFURTER ALLGEMEINE und die ZÜRICHER ZEITUNG. Außerdem arbeitet er seit 2019 als Projektleiter für die Initiative Quorum, ein Projekt des Europäischen Austausch, das sich an die russischsprachigen Wähler:Innen in Deutschland richtet
Die FRANKFURTER ALLGEMEINE ZEITUNG (FAZ) ist eine deutsche überregionale Tageszeitung mit Sitz in Frankfurt am Main. Sie ist 1949 gegründet worden und wird zu den deutschen Leitmedien gezählt. Die FAZ hat keine Chefredaktion, sondern wird seit ihrer Gründung von einem Herausgebergremium geleitet, bestehend aus Gerald Braunberger, Jürgen Kaube, Carsten Knop und Berthold Kohler. Laut Eigenangabe steht die FAZ „für den Erhalt und die Stärkung der demokratischen Ordnung und der Sozialen Marktwirtschaft in Deutschland“. Die Zeitung gilt als liberalkonservatives Blatt. THE EUROPEAN schreibt über die „drei Gesichter“ der FAZ: Sie habe einen eher konservativen, staatstragenden Politikteil, ein linksliberales Feuilleton und einen liberalen Wirtschaftsteil. Der DEUTSCHLANDFUNK schreibt 2019 über die FAZ: „Seit ihrer Gründung steht die Zeitung für Qualitätsjournalismus, der vor allem von Alpha-Männern verantwortet wird.“ Die verkaufte Auflage der Zeitung lag im vierten Quartal 2025 bei rund 332.000 Exemplaren (IVW) und hat im Vergleich zum vorigen Quartal leicht abgenommen. Die Printauflage der Zeitung ist allerdings seit Jahren rückläufig. Laut Similarweb hatte der Webauftritt der FAZ im März 2026 rund 38,5 Millionen Besuche zu verzeichnen. Die FAZ wird von der Frankfurter Allgemeine Zeitung GmbH herausgegeben, die neben der täglich erscheinenden FAZ auch die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung (FAS) und das Online-Nachrichtenportal FAZ verantwortet. Das Unternehmen ist zu 93,7 Prozent im Besitz der gemeinnützigen FAZIT-Stiftung, die von den Verlegern und Herausgebern der Frankfurter Allgemeinen Zeitung gegründet wurde. Der verbleibende Anteil wird von den vier Herausgebern gehalten. Diese einzigartige Eigentümerstruktur soll die redaktionelle Unabhängigkeit der Zeitung wahren.