Perspektive
zur Debatte vom 09. Februar 2025Ist unser demokratisches System noch stabil?
Schlechte Stimmung hilft auch nicht, wenn die Demokratie verteidigt werden muss
Die Perspektive in 30 Sekunden
„Das Land ist in der Krise und die Politikverdrossenheit groß“, hält der deutsche Politikwissenschaftler
Dazu zählt er etwa den Niedergang von Kirchen und Gewerkschaften als Organisationen im sogenannten Vorfeld der Parteien. Ebenso thematisiert er einen Dauerwahlkampf, der die politischen Akteure unter Dauerbeobachtung stellt. Angefeuert wird das laut Arzheimer zudem durch ein digital beschleunigtes Mediensystem, das auf kurze, negative und emotionalisierte Inhalte angewiesen ist, um Aufmerksamkeit und Werbeeinnahmen zu generieren.
Daneben ist auch die Zahl politisch relevanter Gruppen und Streitfragen fast kontinuierlich gestiegen, wie Arzheimer ausführt. Unter diesen Bedingungen ist es laut Arzheimer schwer, Koalitionen zu bilden, die sich auf ein gemeinsames und in sich zusammenhängendes Regierungsprogramm einigen können, das dann auch noch den Vorstellungen einer Bevölkerungsmehrheit entspricht. Und selbst dort, wo das gelingt, gibt es eine ganze Reihe von Gegenspielern. Arzheimer nennt hier als Beispiel den
Für Arzheimer nimmt in diesem Zusammenhang die gesamte Zivilgesellschaft eine wichtige Rolle ein. Durch Engagement in Vereinen, Initiativen Genossenschaften, Gewerkschaften und Kirchen – „und ja, wenn wir uns dazu durchringen können, sogar in den demokratischen Parteien“ – können alle etwas dafür tun, dass die
Anmerkung der Redaktion
Die TAGESZEITUNG (TAZ) ist eine überregionale deutsche Tageszeitung mit Hauptsitz in Berlin. Sie wurde 1978 als alternative, selbstverwaltete Zeitung gegründet – unter anderem vom Grünen-Politiker Hans-Christian Ströbele. Die Zeitung hat sich besonders in ihrer Anfangszeit an Linke, Studierende, Grüne und die Hausbesetzer-Bewegung gerichtet. Erklärtes Ziel der TAZ ist es seither, eine Gegenöffentlichkeit zu schaffen. Sie gehört heute zu den zehn größten überregionalen Tageszeitungen in Deutschland, mit einer verkauften Auflage von rund 33.000 Exemplaren (3/2025, IVW). Seit Oktober 2025 erscheint die TAZ unter der Woche nur noch digital, lediglich die Wochenendausgabe wird noch gedruckt. Die Webseite der TAZ verzeichnete im März 2026 17,2 Millionen Zugriffe monatlich (Quelle: Similarweb). Das Goethe-Institut verortet die TAZ als „grün-linkes“ Blatt und betont besonders die oft sehr kritische Berichterstattung der Zeitung. Die TAZ hat sich online gegen Bezahlschranken entschieden und gibt Lesenden auf ihrer Website freiwillig die Option, zu zahlen. Außerdem bietet sie ein reguläres Abonnement mit drei unterschiedlichen Preisstufen in einem sogenannten „Soli-Preis-System“ an, bei dem Abonnent:innen selbst entscheiden können, wie viel sie zahlen. 1980 beschloss die Belegschaft der TAZ die erste Frauenquote Deutschlands (52 Prozent aller Planstellen in jedem Bereich). 2014 wurde die TAZ zu einer Entschädigungszahlung dafür verurteilt, dass sie eine Volontariatsstelle nur für Frauen ausgeschrieben hatte und männliche Bewerber damit laut Urteil diskriminierte. Die TAZ hat neben einigen journalistischen Preisen auch mehrere Rügen des Presserats erhalten. Sie wird seit 1992 genossenschaftlich herausgegeben, um unabhängig von großen Medienunternehmen zu bleiben. Jährlich findet eine Generalversammlung statt, an der jedes der zuletzt über 25.000 Mitglieder teilnehmen kann. Die Chefredaktion teilen sich
DIE TAGESZEITUNG (TAZ)
Kai Arzheimer