Perspektive

zur Debatte vom 14. Januar 2026
Sind Trumps „Einflusssphären“ eine Gefahr für die globale Ordnung?
Pro

So schaden sich die USA nur selbst

Die Perspektive in 30 Sekunden

Der Journalist und Politikwissenschaftler ist der Ansicht, die Neuinterpretation von Einflusssphären, gefährde die strategischen Interessen der USA, anstatt sie zu sichern. In der US-amerikanischen Denkfabrik RESPONSIBLE STATECRAFT, die generell eher militärische Zurückhaltung predigt, warnt Lieven: „Trump riskiert, Amerikas Nachbarn in die Arme Chinas zu treiben.“

Für ihn ist die Methodik der „Donroe-Doktrin“ das zentrale Problem: Anstatt wie früher im Sinne der „Monroe-Doktrin“ feindliche Allianzen vor der eigenen Haustür zu verhindern, setze die aktuelle US-Regierung auf Drohungen und Zwang – was das Gegenteil des gewünschten Effekts zur Folge haben könne. Lieven führt als Beispiel auf, dass China „längst der wichtigste Handelspartner Südamerikas“ sei und die dortigen Länder das nicht einfach beenden könnten. Versuchen die USA nun, diese wirtschaftlichen Kontakte mit Zwang zu zerstören, „wird dies eine Gegenreaktion hervorrufen, die ihre Einflusssphäre untergraben oder sogar zerstören wird“, ist er überzeugt.

Noch deutlicher zeigt sich diese negative Konsequenz seiner Ansicht nach am Beispiel Grönlands. Die Forderung des US-Präsidenten Donald Trump, Grönland zu annektieren, ignoriere, dass Dänemark ein stabiler NATO-Partner ist. Der Autor warnt davor, sich aus Machtrausch weiter in die Fantasien einer Annexion Grönlands hineinzusteigern. Das signalisiere nämlich: Die Souveränität der Partner bedeutet für Washington nichts.

Anmerkung der Redaktion

ist ein britischer Politikwissenschaftler, Autor und Journalist. Aktuell ist er Direktor des Eurasienprogramms am Quincy Institute for Responsible Statecraft. Lieven machte seinen Doktor in Politikwissenschaften an der Cambridge Universität in England. Von 1985 bis 1998 arbeitete er als britischer Journalist in Südasien, der ehemaligen Sowjetunion und Osteuropa und berichtete über die Kriege in Afghanistan, Tschetschenien und im Südkaukasus. Von 2000 bis 2007 war er in Think Tanks in Washington DC tätig. Vor seiner Antellung am Quincy Institute war Lieven Professor am Katar-Campus der Georgetown University und an der Abteilung für Kriegsstudien des King’s College London. Er ist Mitglied des beratenden Ausschusses der Südasienabteilung des britischen Außen- und Commonwealth-Büros und Autor mehrerer Bücher über Russland und seine Nachbarländer, das neuste darunter „Climate Change and the Nation State“.

RESPONSIBLE STATECRAFT ist die Publikation der US-amerikanischen Denkfabrik Quincy Institute for Responsible Statecraft. Diese wurde Ende 2019 gegründet und will „eine positive Vision der US-Außenpolitik“ entwerfen, deren Säulen Diplomatie und militärische Zurückhaltung sein sollen. Aufmerksamkeit erhielt die Denkfabrik auch, weil sowohl die Open Society Foundation des ungarischen Mäzens , die unter anderem in der Flüchtlingshilfe aktiv ist, als auch die Koch Foundation des der Tea Party nahestehenden Milliardärs Charles Koch je eine halbe Million Dollar Startkapital beisteuerten. Die JERUSALEM POST kritisiert antisemitische Bemerkungen einzelner Mitarbeiter:innen des Instituts.

Originalartikel
Trump's sphere of influence gambit is sloppy, self-sabotage
RESPONSIBLE STATECRAFTAnatol Lieven
08.01.2026 · 6 Minuten · Englisch
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