Perspektive

zur Debatte vom 02. September 2025
Sollte „Catcalling“ künftig bestraft werden?
Contra

So werden Frauen nur in die Opferrolle gedrängt

Die Perspektive in 30 Sekunden

In den Augen der Nachwuchsjournalistin Mirijam Epstein wäre ein Gesetz zur Kriminalisierung von verbaler Belästigung, also Catcalling, ein Schritt in die falsche Richtung. Denn bei dem Gesetzesentwurf der SPD gehe es nicht um die Emanzipation der Frau, argumentiert die Praktikantin beim konservativen Magazin CICERO. Vielmehr verhindere es, dass Frauen zur Souveränität finden.

Laut Epstein setzt das Gesetz nämlich ein klares Zeichen für Frauen: „Du kannst nicht auf eigenen Beinen stehen, bis dir der allmächtige Staat auf die Beine hilft.“ Dabei erinnert sie sich an ihre Oma, die ihr Chemiestudium nicht antreten durfte, weil sie Halbjüdin war. Dennoch wurde sie Laborassistentin und fand erfolgreich ihren Weg in die Wissenschaft. Für Epstein ist ihre Oma ein Vorbild – denn Hürden und Anfeindungen seien ihr auf ihrem Weg zum eigenen Traum egal gewesen. Wenn man Frauen nun aber in die Position des Opfers festschreibe, würde aber dazu führen, dass „Visionäre“, wie ihre Oma, seltener werden würden, glaubt die CICERO-Praktikantin.

Epstein glaubt: Der heutige Feminismus und andere Bewegungen, die auf den Schutz von Minderheiten abzielen, erniedrigen nur die menschliche Eigenständigkeit. „Souverän wäre es, die Belästiger einfach zu ignorieren, ihnen gar nicht so viel Bedeutung zuzugestehen“, schreibt Epstein. Denn auch dadurch, dass die Kränkung durch Catcalling sehr emotional und subjektiv sei, sei die Belästigung ohnehin schwer rechtlich zu greifen.

Anmerkung der Redaktion

ist journalistische Praktikantin beim Magazin CICERO. Zuvor hat sie bereits ein Volontariat bei der WELT und ein Praktikum beim EXXPRESS absolviert. Epstein hat Soziologie in Wien studiert.

Der CICERO ist ein monatlich erscheinendes Politikmagazin, das 2004 von gegründet wurde. Weimer war bis 2010 Herausgeber und ist aktuell Kulturstaatsminister. Das Magazin gilt als traditionell konservatives Medium. Schwerpunkte der Berichterstattung liegen in den Bereichen Politik, Wirtschaft und Kultur. Laut dem GOETHE-INSTITUT zielt die vor allem auf eine akademische Leser:innenschaft. Seit der Chefredaktion von und mehren sich auch Stimmen, die dem Magazin vorwerfen, inhaltlich nach rechts gerückt zu sein. Schwennicke ist im Januar 2021 aus der Redaktion ausgestiegen. ÜBERMEDIEN beschrieb den CICERO 2019 als „für ganz links zu rechts, für ganz rechts zu mittig“. Im Mai 2025 sorgte das Magazin für Kontroversen, als es das Geheimgutachten des Verfassungsschutzes zur Einstufung der AfD als rechtsextremistische Organisation in voller Länge veröffentlichte. Die linke Zeitung TAZ kritisierte daraufhin: „Der Cicero, der noch in der vergangenen Woche online gepostet hatte, das Durchstechen des Gutachtens an den Spiegel sei „Geheimnisverrat“ und wohl politisch motiviert, feiert sich nun als Verfechter der kritischen Öffentlichkeit.“ Der Jurist und Medienethiker Luis Paulitsch ordnete den CICERO im Jahr 2025 den Mainstream-Medien zu, die teilweise Begriffe oder Feindbilder aus rechtsalternativen Medien aufgreifen und sich inhaltlich daran annähern. Der Webauftritt des CICERO hatte im März 2026 1,2 Millionen Besuche zu verzeichnen (Quelle: Similarweb). Das Magazin erschien im ersten Quartal 2026 in einer verkauften Auflage von rund 45.500 Exemplaren (IVW). Das entspricht einem Einbruch von 15 % im Vergleich zum Vorjahr, in dem sich die Auflage noch deutlich steigern konnte. Der CICERO erscheint im Verlag Res Publica, der Alexander Marguier und dem Unternehmer Dirk Notheis gehört.

Originalartikel
Ein Hoch auf die Viktimisierung
CICEROMirjam Epstein
01.09.2025 · 3 Minuten · Deutsch
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