Perspektive
zum Tagesthema vom 19. September 2025
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So will Trump die Medien in den USA kontrollieren
Die Perspektive in 30 Sekunden
„Donald Trump arbeitet erschreckend planvoll daran, die mediale Öffentlichkeit unter seine Kontrolle zu bringen“, schreibt SPIEGEL-Kolumnist Sascha Lobo im Kontext des Rauswurfs von Moderator Jimmy Kimmel. In seinem Beitrag bei dem linksliberalen Nachrichtenmagazin spricht er von „Gleichschaltung“ und analysiert, wie der US-Präsident dabei vorgeht.
Late-Night-Shows spielen bei der Medienkontrolle eine wichtige Rolle, weil sich viele junge US-Amerikaner:innen über diese Sendungen politisch informieren, erklärt Lobo. Bereits 2004 haben nach Umfragen 21 Prozent „regelmäßig“ und 29 Prozent „gelegentlich“ politische Nachrichten über diese Shows konsumiert, führt er an.
Wie übt Trump jedoch Druck auf diese Gruppe aus? Ein wichtiges Instrument des Präsidenten ist Lobo zufolge seine Zollpolitik. „Egal, wie erfolgreich ein international agierender Konzern auch sein mag – mit einer Unterschrift könnte Trump einen soliden Gewinn in einen katastrophalen Verlust verwandeln“, erklärt er die innenpolitische Wirkung der Zölle. Da die Sender der Late-Night-Shows in der Regel zu solchen Unternehmen gehören, kann Trump sie Lobo zufolge einfach wirtschaftlich erpressen – und die Late-Night-Moderatoren so ausschalten.
Der zweite Teil von Trumps Taktik zur Medienkontrolle betrifft laut Lobo die sozialen Medien. Die Inhalte der Shows erreichen nämlich nicht im Fernsehen, sondern vor allem auf TikTok eine große Reichweite. Laut Berichten soll die Plattform in Zukunft zu 80 Prozent einer US-amerikanischen Firma gehören, so Lobo. Klar sei gewesen, dass natürlich ein Trump-Unterstützer der neue Besitzer wird. Außerdem soll aber ein Mitglied der US-Regierung in dem Vorstand der Firma sitzen. Laut Lobo kann Trump dann relativ einfach kontrollieren, welche Inhalte auf der Plattform viral gehen und welche nicht.
Anmerkung der Redaktion
Sascha Lobo ist Blogger, Autor und Journalist. Seine Schwerpunkte sind das Internet und die Auswirkungen von digitalen Technologien auf die Gesellschaft. Er hat zunächst eine Werbeagentur gegründet, die jedoch nach einem Jahr Insolvenz anmelden musste. Danach war er als freier Werbetexter tätig. 2005 hat Lobo den Blog RIESENUNTERNEHMEN gegründet, der mit dem Grimme Online Award ausgezeichnet wurde. Anfang 2009 hat er seinen privaten Blog SASCHALOBO gegründet. Von 2007 bis 2009 war er Mitglied des Online-Beirats der SPD. Seit 2011 schreibt er für SPIEGEL ONLINE die Kolumne „Die Mensch-Maschine“ und gehört zu den Initiator:innen der Charta der Digitalen Grundrechte der Europäischen Union, die Ende November 2016 veröffentlicht wurde. Er hat Gesellschafts- und Wirtschaftskommunikation studiert.2022 erhielt er von der Frauenzeitschrift EMMA den Negativpreis „Sexist Man Alive“ als frauenfeindlichster Mann des Jahres. Begründet wurde dies, weil er in der NDR-Sendung „deep und deutlich“ die Ausbeutung von Frauen durch Prostitution verharmlost habe.
DER SPIEGEL ist ein deutsches Nachrichtenmagazin, das 1947 von Rudolf Augstein gegründet wurde. Seinen Sitz hat das Magazin seit 2011 in Hamburg, Chefredakteur ist Dirk Kurbjuweit. DER SPIEGEL ist mehrfach preisgekrönt und zählt zu den deutschsprachigen Leitmedien: Er genießt großes Vertrauen und prägt die gesellschaftliche Debatte und Öffentlichkeit. Im vierten Quartal 2025 hatte das gedruckte Wochenmagazin eine Auflage von rund 625.000 verkauften Exemplaren (IVW). Eine zentrale Rolle im Magazin nimmt bis heute der investigative Journalismus ein. 1963 führten eine solche Recherche und die sogenannte SPIEGEL-Affäre dazu, dass der damalige Verteidigungsminister Franz Josef Strauß sein Amt räumen musste. 2018 wurde bekannt, dass der langjährige Mitarbeiter Claas Relotius wesentliche Inhalte von – teils preisgekrönten – SPIEGEL-Reportagen erfunden hatte. Hiernach reichte Relotius seine Kündigung ein. Das Blatt sprach von „einem Tiefpunkt in der 70-jährigen Geschichte des SPIEGEL“. 2021 wurden in Reaktion darauf die sogenannten Spiegel-Standards für Qualitätsjournalismus erarbeitet. DER SPIEGEL wird traditionell als eher linksliberales Medium gesehen, auch in Abgrenzung zu den anderen großen deutschen Nachrichtenmagazinen, dem FOCUS und dem STERN. Bereits Gründer Rudolf Augstein verortete sein Magazin „im Zweifel links“. 1994 ging SPIEGEL ONLINE als erstes Nachrichten-Magazin weltweit online. Im April 2026 verzeichnete die Website des SPIEGELS rund 71,5 Millionen Aufrufe (Quelle: Similarweb). DER SPIEGEL wird vom Spiegel-Verlag herausgegeben. An der SPIEGEL-Gruppe ist der international extrem einflussreiche Medienkonzern Bertelsmann über eine Tochtergesellschaft mit 25,5 Prozent beteiligt. Weitere 24 Prozent der Anteile entfallen auf die Familie Augstein. Die Mehrheit von 50,5 Prozent wird von den Mitarbeiter:innen des Verlags über eine Beteiligungsgesellschaft (Mitarbeiter-KG) gehalten, die sich demokratisch organisiert und regelmäßig ihre Vertreter:innen wählt.
Originalartikel
Das ist Trumps Strategie der medialen Gleichschaltung
DER SPIEGEL
Sascha Lobo 18.09.2025 ·
11 Minuten ·
Deutsch
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