Perspektive
zur Debatte vom 04. Juni 2025Sollten Hausbesitzer eine Pflichtversicherung gegen Klimaschäden abschließen müssen?
Sogar die Mehrheit der Gebäudeeigentümer sind für eine Pflichtversicherung
Die Perspektive in 30 Sekunden
In der linksliberalen TAGESZEITUNG (TAZ) argumentieren der Professor für Versicherungen Hartmut Nickel-Warninger und der Sachverständige für Verbraucherfragen Christian Groß: Der Staat sollte angesichts der steigenden Kosten durch Naturkatastrophen handeln. Dafür gibt es verschiedene Gründe, erklären sie in der TAZ.
Zum einen seien mit 54 Prozent aller Wohngebäude zu wenige Gebäudeeigentümer gegen Schäden durch Naturereignisse versichert, finden Nickel-Warninger und Groß. Kurios daran sei vor allem, dass sogar eine Mehrheit der Eigentümer selbst für eine Pflichtversicherung sind. So kam in einer Befragung des Sachverständigenrats für Verbraucherfragen (SVRV) und der Forsa von Juli 2024 raus: „62 Prozent der Haushalte sprechen sich für eine Pflichtversicherung aus.“
Doch auch andere Maßnahmen können helfen: Eine Möglichkeit sei es, Immobilienbesitzer zu informieren, wie wichtig eine Versicherung ist. Laut Umfrage würde das die Menge an Versicherten um 9 Prozent steigern. Eine Steigerung von 26 Prozent könne die sogenannte „Opt-Out“-Lösung erreichen. Alle Menschen, die ein Gebäude versichert haben, würden dazu eine Versicherung gegen Naturereignisse angeboten bekommen, erklären Nickel-Warninger und Groß. Und jede Person, die das Angebot nicht ablehne, werde automatisch versichert.
Anmerkung der Redaktion
Christian Groß ist Volkswirt und Mitarbeiter im wissenschaftlichen Stab des Sachverständigenrats für Verbraucherfragen. Nachdem er seinen Master in der Volkswirtschaftslehre an der Universität Mannheim gemacht hat, hat er unter anderem für den Lehrstuhl für Volkswirtschaftslehre der Universität Münster gearbeitet. Sein Forschungsschwerpunkt hat er dort auf monetäre Ökonomie gelegt. Er war in der Vergangenheit ebenfalls als Mitarbeiter im Justizministerium tätig. Seine Publikationen beschäftigen sich neben Wirtschaftsthemen auch mit Klima, Versicherungen, Sozialthemen, Verbraucherschutz sowie der Energiekrise.
Die TAGESZEITUNG (TAZ) ist eine überregionale deutsche Tageszeitung mit Hauptsitz in Berlin. Sie wurde 1978 als alternative, selbstverwaltete Zeitung gegründet – unter anderem vom Grünen-Politiker Hans-Christian Ströbele. Die Zeitung hat sich besonders in ihrer Anfangszeit an Linke, Studierende, Grüne und die Hausbesetzer-Bewegung gerichtet. Erklärtes Ziel der TAZ ist es seither, eine Gegenöffentlichkeit zu schaffen. Sie gehört heute zu den zehn größten überregionalen Tageszeitungen in Deutschland, mit einer verkauften Auflage von rund 33.000 Exemplaren (3/2025, IVW). Seit Oktober 2025 erscheint die TAZ unter der Woche nur noch digital, lediglich die Wochenendausgabe wird noch gedruckt. Die Webseite der TAZ verzeichnete im März 2026 17,2 Millionen Zugriffe monatlich (Quelle: Similarweb). Das Goethe-Institut verortet die TAZ als „grün-linkes“ Blatt und betont besonders die oft sehr kritische Berichterstattung der Zeitung. Die TAZ hat sich online gegen Bezahlschranken entschieden und gibt Lesenden auf ihrer Website freiwillig die Option, zu zahlen. Außerdem bietet sie ein reguläres Abonnement mit drei unterschiedlichen Preisstufen in einem sogenannten „Soli-Preis-System“ an, bei dem Abonnent:innen selbst entscheiden können, wie viel sie zahlen. 1980 beschloss die Belegschaft der TAZ die erste Frauenquote Deutschlands (52 Prozent aller Planstellen in jedem Bereich). 2014 wurde die TAZ zu einer Entschädigungszahlung dafür verurteilt, dass sie eine Volontariatsstelle nur für Frauen ausgeschrieben hatte und männliche Bewerber damit laut Urteil diskriminierte. Die TAZ hat neben einigen journalistischen Preisen auch mehrere Rügen des Presserats erhalten. Sie wird seit 1992 genossenschaftlich herausgegeben, um unabhängig von großen Medienunternehmen zu bleiben. Jährlich findet eine Generalversammlung statt, an der jedes der zuletzt über 25.000 Mitglieder teilnehmen kann. Die Chefredaktion teilen sich
DIE TAGESZEITUNG (TAZ)
Christian Groß
Hartmut Nickel-Waninger