Perspektive

zur Debatte vom 28. März 2024
Sollte der Ramadan in Deutschland generell mehr öffentlichen Raum bekommen?
Contra

Solche Versuche sind schon in anderen Städten gescheitert

Die Perspektive in 30 Sekunden

In den Augen von sollte eine Ramadan-Illumination in Frankfurt oder einer anderen europäischen Stadt eigentlich nicht Gegenstand einer politischen Debatte sein. Angesichts der angespannten gesellschaftlichen Stimmung hinsichtlich Islam und Migration hält der Politikwissenschaftler und Publizist solche Aktionen jedoch für naive und kontraproduktive Symbolpolitik.

In einem Gastbeitrag für die NEUE ZÜRCHER ZEITUNG verweist er dabei auf das Beispiel London, wo im vergangenen Jahr am Piccadilly Circus Ramadan-Beleuchtung aufgehängt wurde. „Diese Beleuchtung hat nichts an den muslimischen Parallelgesellschaften geändert, die sich in und um London gebildet haben und in denen die Scharia anstelle des britischen Rechts gilt“, stellt Abdel-Samad klar.

Auch in Deutschland werden seiner Ansicht nach weder laute Gebetsrufe noch die Ramadan-Beleuchtung die Integration und die Toleranz fördern, „sondern den Triumphalismus und den Chauvinismus der Islamisten, die wiederum die Wut und den Chauvinismus der Rechtsradikalen provozieren“. Die Politik sollte laut Abdel-Samad daher die wahren Probleme des Zusammenlebens ehrlich ansprechen und nach echten Lösungen suchen, „statt solche nutzlosen bis kontraproduktiven Aktionen zu starten“.

Anmerkung der Redaktion

ist ein ägyptisch-deutscher Politikwissenschaftler und Publizist. Er hat einige islamkritische Bücher geschrieben, darunter „Islam – Eine kritische Geschichte“ und schreibt Meinungsartikel unter anderem für CICERO und NZZ. Abdel-Samad hat Englisch und Französisch an der Universität Kairo sowie Politik an der Universität Augsburg und anschließend Japanisch in Japan studiert. Er lehrte und forschte bis Ende 2009 am Institut für Jüdische Geschichte und Kultur der Ludwig-Maximilians-Universität München

Die NEUE ZÜRCHER ZEITUNG (NZZ) ist eine Schweizer Tageszeitung mit Hauptsitz in Zürich, die 1780 gegründet wurde. Seit 2017 richtet die NZZ ihren Fokus verstärkt auf den deutschen Markt und hat mittlerweile eine Berliner , die eine eigenständige Deutschland-Ausgabe gestaltet. Sie gilt als etabliertes Leitmedium im deutschsprachigen Raum sowie in der Schweiz. Die NZZ wird von EUROTOPICS als liberal-konservativ bezeichnet und hat nach eigener Angabe eine „freisinnig-demokratische“ Ausrichtung. Die NZZ gilt seit langem als das publizistische Sprachrohr des liberalen Bürgertums in der Schweiz und steht der Schweizer FDP politisch am nächsten. Der Medienwissenschaftler Uwe Krüger sieht sie als konservativ, liberal und bürgerlich. Seit 2015 Chefredakteur wurde, spricht unter anderem der DEUTSCHLANDFUNK von einem „Rechtsrutsch“ in der Berichterstattung. Der NDR befindet, Gujer habe die „NZZ um typisch rechtskonservative Themen und Meinungen erweitert“. Der Jurist und Medienethiker Luis Paulitsch ordnete die NZZ im Jahr 2025 den Mainstream-Medien zu, die teilweise Begriffe oder Feindbilder aus rechtsalternativen Medien aufgreifen und sich inhaltlich daran annähern. Die verkaufte Auflage der NZZ liegt laut aktuellen Zahlen (WEMF 2025) bei 53.771 Exemplaren (werktäglich). Die Zeitung erreicht eine Leserschaft von rund 236.000 Personen. Auf ihrer Webseite erreichte die NZZ im März 2026 laut Similarweb rund 15,4 Millionen Aufrufe. Die NZZ gehört der NZZ-Mediengruppe, die außer ihr weitere Schweizer Titel besitzt.

Originalartikel
Ramadan-Beleuchtung in Frankfurt: Was die Integration der Muslime fördern soll, wird das Gegenteil bewirken
NEUE ZÜRCHER ZEITUNG (NZZ)Hamed Abdel-Samad
08.03.2024 · 4 Minuten · Deutsch
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