Perspektive

zur Debatte vom 01. September 2021
🗳 Sollten wir Russland in sicherheitspolitischen Fragen stärker mit einbeziehen?
ARGUMENTE AUS DEN MEDIEN

Strategieberaterin: „Das Russland-Bashing ist völlig irrational“

Die Perspektive in 30 Sekunden

„Wir wissen, dass kein großes politisches Problem auf dieser ohne Russland lösbar ist“, bekräftigt die Strategieberaterin und ehemalige DDR-Politikerin im Gespräch mit NEUES DEUTSCHLAND. Nicht nur deswegen habe die EU ein „objektives Interesse“ an einer guten Beziehung zu Russland.

Die Europäische Union habe außerdem „über 2200 Kilometer Grenze mit Russland“, sie sei Russlands „Haupthandelspartner“ und „maßgeblicher Investor“, zählt die EU-Expertin auf. Und daraus ergeben sich auch gemeinsame Interessen, findet sie. Die EU solle ihr Verhältnis zu Moskau daher so gestalten, dass „das Gemeinsame die künftigen politischen Beziehungen bestimmt und die Vernunft regiert“.

Die vergangene Russlandpolitik der EU jedoch sei in die falsche Richtung gegangen. Erler erinnere sich „noch sehr gut, dass es zwischen der Europäischen Union und Russland seit 2011 keinen Dialog über die Politik gegenüber der Ukraine gab“. Aufgrund dieses fehlenden Dialogs sei die Ukraine schließlich zur „Sollbruchstelle der EU-Russland-Beziehungen“ geworden.

Anmerkung der Redaktion

ist Herausgeber des Blogs DIE-ZUKUNFT.EU und Teil der Redaktionsleitung von ND. Sattler hat Internationale Beziehungen studiert und war lange bei der EU tätig. Hier war er Korrespondent für die JUNGE WELT und leistete Pressearbeit für die Europäische Kommission und für den Europaabgeordneten André Brie. 2006 ist er ins ND-Auslandsressort gewechselt und seit 2012 für das ND-Redaktionsmanagement zuständig.

ist ehemalige DDR-Politikerin und war nach der Wende Staatssekretärin für Europafragen in der letzten DDR-Regierung. In Ost-Berlin hat sie Wirtschaftswissenschaften mit dem Schwerpunkt Außenhandel studiert und später arbeitete sie als wissenschaftliche Assistentin am Institut für Internationale Beziehungen in Potsdam, wo sie 1987 promovierte. Erler hat unteranderem in der Europäischen Kommission als Kabinettschefin des EU-Kommissars gearbeitet. Mittlerweile ist sie Geschäftsführerin der Strategieberatungsfirma The European Experience Company.

ND (ehemals NEUES DEUTSCHLAND) ist eine überregionale Tageszeitung, die einen „Journalismus von links“ vertritt. In ihrer Satzung bezeichnet sich die ND als „sozialistische Zeitung“. Sie wurde 1946 in Berlin gegründet. Zu DDR-Zeiten war sie das publizistische Zentralorgan der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands (SED) und gehörte nach der Wende der Partei PDS. Deren Nachfolgepartei DIE LINKE besaß bis Ende 2021 noch 50 Prozent der Anteile an der Zeitung. ND beschreibt sich selbst als Tageszeitung, „die mit linkem Ideengut über den Tellerrand des journalistischen Alltags hinausdenkt“. Man wolle sich für Menschenrechte und Minderheiten einsetzen und sei dem Kampf gegen Rassismus, Klassismus, Antisemitismus, Sexismus und Faschismus und für den Frieden verpflichtet. Die CDU-nahe Konrad-Adenauer-Stiftung bescheinigt der Zeitung eine einseitige Berichterstattung: Marktwirtschaft sei „Kapitalismus“, westliche Außenpolitik „Imperialismus“. Außerdem sei die Zeitung DDR-nostalgisch. Nach eigenen Angaben hat die Zeitung 2022 600.000 Euro Verlust gemacht. Im Juni 2023 gab die Zeitung daher bekannt, akut gefährdet zu sein. Es folgten Kosteneinsparungen und eine Spendenkampagne, um ihr Überleben zu retten. Seit April 2026 erscheint die Tagesausgabe der Zeitung aus Kostengründen komplett digital. Einen Grund für die Misere sieht ND darin, dass die Zeitung seit 2022 von einer Genossenschaft herausgegeben wird. Damit gehört sie den Leser:innen und Mitarbeiter:innen aus und Verlag und ist somit unabhängig von großen Unternehmen. Der neue Geschäftsführer, Gerd Stodiek, äußerte sich dazu: „Beim ›nd‹ ist ordentlich Druck auf dem Kessel. Da muss man innovativ sein und kann es sich nicht bequem machen.“ Er wolle mit der ND dem Rechtsruck in Deutschland entgegentreten. Die kollektive Redaktionsleitung besteht aus Regina Stölzel, und Kern. Die Website der ND hatte im März 2026 745,7 Tausend Aufrufe (Quelle: Similarweb).

Originalartikel
»Ein irrationales Russland-Bashing«
ND (NEUES DEUTSCHLAND)Uwe SattlerPetra Erler
23.06.2021 · 3 Minuten · deutsch
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