Perspektive

zur Debatte vom 29. Oktober 2025
Entwickeln sich die USA unter Trump zu einer Autokratie?
Pro

Trump folgt nicht dem traditionellen Handbuch für Autokraten – er ist schlimmer

Die Perspektive in 30 Sekunden

„Autokraten trachten danach, den Staat zu erobern und als Waffe einzusetzen. Sie wollen ihre Gegner verfolgen und sich selbst schützen. Genau das tut Trump“, stellt der Harvard-Politologe und Demokratieforscher bei der wirtschaftsliberalen Tageszeitung HANDELSBLATT fest. Im Interview mit , dem Co-Leiter des Ressorts Politik, stellt er die These auf, dass sich der Demokratieverfall in den USA unter US-Präsident Donald Trump beschleunigt.

Ziblatt beunruhigt der Status der US-amerikanischen Demokratie. „Setzen sich die aktuellen Trends fort, muss man bald von einem neuen Regime sprechen“, so der Demokratieforscher. Schon 2018 warnte er in seinem Buch „How Democracies Die“ vor Trumps Einfluss auf das politische System der USA. Heute steht für ihn fest, dass der US-Präsident eine neue Wirklichkeit ohne Vorbild schafft: „Der Einsatz der amerikanischen Staatsgewalt gegen politische Gegner und von der Opposition regierte Bundesstaaten ist neu. Ungewöhnlich ist auch der Frontalangriff auf etablierte Institutionen – Universitäten, große Unternehmen“, führt Ziblatt an.

„Trump folgt nicht dem traditionellen Handbuch für Autokraten“, erklärt der Demokratieforscher. Der US-Präsident sei in vielerlei Hinsicht noch schlimmer: So werde es in den USA gerade Alltag, „dass auch Staatsbürger einfach festgenommen und erst Tage später freigelassen, dass Grundrechte im großen Stil verletzt werden, dass Gerichtsurteile ignoriert und Gesetze nur noch selektiv angewendet werden“.

Anmerkung der Redaktion

Prof. , Ph. D ist ein US-amerikanischer Politologe mit dem Schwerpunkt Demokratieforschung. Zudem ist er Professor für Regierungswissenschaften an der Universität Harvard. Seit 2020 ist er auch Direktor der Abteilung Transformationen der Demokratie am Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung. Er studierte im Doppelbachelor Germanistik und Politik und promovierte an der University of California. 2019 wurde er mit dem Berlin-Preis der American Academy in Berlin ausgezeichnet. 2023 wurde er zum Mitglied der American Academy of Arts and Sciences gewählt. Er veröffentliche bereits vier Bücher. Unter anderem „ How Democracies Die“ (Crown, 2018) dem New York Times-Bestseller, welches in 30 Sprachen übersetzt wurde und vom THE ECONOMIST als „das wichtigste Buch der Trump-Ära“ bezeichnet. Im September 2023 soll sein neues Buch „Tyranny of the Minority“ erscheinen.

ist Journalist und der Co-Leiter des HANDELSBLATT-Ressort Politik. Zuvor war er Leiter des HANDELSBLATT-Büros in Brüssel. Koch war als Reporter in den USA tätig und hat unter anderem über die Finanzkrise, die Präsidentschaft Obama und den Wahlsieg Donald Trumps geschrieben. 2017 ist er von Amerika nach Berlin gezogen. Während seines Studiums hat er bereits unter anderem für den STERN und den parteiunabhängigen und gemeinnützigen Think Tank „Center for Strategic and International Studies“ in Washington geschrieben, bevor er im Anschluss ein Volontariat bei der SÜDDEUTSCHEN ZEITUNG absolviert hat. Koch hat Politik und Wirtschaft in Hamburg und an der Johns Hopkins University studiert.

Das HANDELSBLATT ist eine Tageszeitung mit Sitz in Düsseldorf, Chefredakteur ist . Das HANDELSBLATT ist die auflagenstärkste deutschsprachige Wirtschafts- und Finanzzeitung und ein Börsenpflichtblatt. Sie wird zu den Leitmedien gezählt, also zu den Medien, die einen besonderen Einfluss auf die öffentliche Meinung und auf andere Massenmedien ausüben. Das HANDELSBLATT erschien erstmals 1946 mit der Auflage der britischen Militärbehörden, das „friedliche Zusammenspiel von Arbeit und Kapital“ journalistisch im Einklang zu halten. Die Blattlinie des HANDELSBLATTS gilt als wirtschaftsliberal. Das HANDELSBLATT finanziert sich durch Abonnements, Printverkäufe und Werbung. Es hostet außerdem Live-Events in Form von Tagungen, Trainings und Konferenzen. Im ersten Quartal 2025 war das HANDELSBLATT die meistzitierte Wirtschaftszeitung Deutschlands (Quelle: Media Tenor). Die verkaufte Auflage liegt bei ca. 157.500 Exemplaren (IVW Q1/2026). Die Website des HANDELSBLATTS verzeichnete im März 2026 24,2 Millionen Aufrufe (Quelle: Similarweb). Die Zeitung wird von der Handelsblatt Media Group herausgegeben, die der DvH Medien GmbH der Familie Holtzbrinck gehört. Der DvH gehören außerdem die Titel TAGESSPIEGEL, WIRTSCHAFTSWOCHE sowie 50 % Anteile an der ZEIT.

Originalartikel
„Trump folgt nicht dem traditionellen Drehbuch für Autokraten“
HANDELSBLATTDaniel ZiblattMoritz Koch
27.10.2025 · 10 Minuten · Deutsch
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