Perspektive

zur Debatte vom 02. September 2025
Sollte „Catcalling“ künftig bestraft werden?
Pro

Unser Strafgesetzbuch gibt Frauen und Mädchen nicht genug Schutz – das muss sich ändern

Die Perspektive in 30 Sekunden

Anlässlich der SPD-Forderung, verbale sexuelle Belästigung unter Strafe zu stellen, führt Redakteurin ein Interview mit der Strafverteidigerin Dr. . Weyand beschäftigt sich besonders mit der Prävention und Aufarbeitung von sexueller Belästigung und Gewalt. Im Interview in der Frauenzeitschrift BRIGITTE erklärt sie, warum unsere aktuelle Gesetzgebung zum Thema Belästigung problematisch ist.

Zum Thema Catcalling gibt Weyand ein prägnantes Beispiel: Im Fall eines älteren Mannes, der einem 11-jährigen Mädchen eine extrem obszöne Aufforderung hinterherrief, wertete der Bundesgerichtshof den Mann als straflos. Denn weder könne man die Tat als „sexuelle Belästigung“ werten, weil es keine körperliche Berührung gab – noch könne man den Übergriff rechtlich als Beleidigung verfolgen. Die Opfer von Catcalling – mehrheitlich Frauen und Mädchen – sind in diesen Situationen also nicht durch das Gesetz geschützt.

„Das ist ein Signal“, meint Weyand. „Nicht nur an das betroffene Mädchen in dem Beispielsfall, sondern an uns alle.“ Hier zeigt sich für sie, dass das derzeitige deutsche Strafrecht patriarchale Strukturen fördert. Deshalb müsse sich dringend etwas ändern.

Anmerkung der Redaktion

ist Rechtsanwältin und Frauenrechtsaktivistin. Seit 2025 ist sie außerdem Vorständin von UN Women Deutschland. Ebenso wurde sie 2022 zur ersten weiblichen Vorsitzenden der Vereinigung Hessischer Strafverteidiger gewählt. 2018 wurde sie Vertrauensanwältin für den Deutschen Olympischen Sportbund und die Deutsche Olympiamannschaft. Dort ist sie für Fälle von sexueller Belästigung und sexualisierter Gewalt im Spitzensport zuständig. Auf ihrer Website beschreibt sie sich selber als „Juristin für Empowerment“.

ist Journalistin und Online-Redakteurin für die Frauenzeitschrift BRIGITTE. Dort beschäftigt sie sich unter anderem mit Themen, wie Familie, Elternsein, Trennungen, Sex, Frauengesundheit, Selbstliebe, Schwangerschaft, Mental Load und Kindern – wobei die Frau im Fokus steht. Zuvor arbeitete sie in den Redaktionen des NDR und RBB, sowie als Video-Redakteurin und freie Texterin. Sie hat Germanistik und Kulturwissenschaften studiert.

BRIGITTE ist eine etablierte deutsche Frauenzeitschrift, die 1954 aus der Zeitschrift „Blatt der Hausfrau“ entstand. Sie erscheint zweiwöchentlich in der Funke Mediengruppe. Bis 2025 gehörte BRIGITTE zu RTL Deutschland. Sie beschäftigt sich vor allem mit den Themen Mode, Kultur, Psychologie, Partnerschaft, Medizin, Umwelt, Wohnen, Beruf und Politik – wobei vor allem die Frau und ihre Interessen im Fokus stehen. Die Zeitschrift hat erheblich an der Anzahl von verkauften Auflagen eingebüßt. 1998 betrug diese rund 941.000 Auflagen, 2024 nur noch rund 203.000. Chefredakteurin ist Susanna Riethmüller.

Originalartikel
Wie kann es sein, dass Schwarzfahren eine Straftat ist, Catcalling aber nicht?
BRIGITTECarolin WeyandJulia Ballerstädt
01.09.2025 · 5 Minuten · Deutsch
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