Perspektive
zur Debatte vom 01. September 2021
🗳 Sollte das Wahlalter auf 16 gesenkt werden? ARGUMENTE AUS DEN MEDIEN
Wahlrecht erst ab 18 – es ist Zeit, dass sich das ändert
Die Perspektive in 30 Sekunden
Das „politische Selbstverständnis unseres Landes offenbart einen arroganten Blick der Älteren auf die Jüngeren“, findet Hanno Christ, Redakteur für Landespolitik Brandenburg, in einem Kommentar für den RBB. Besonders deutlich zeige sich dies im Wahlrecht: Obwohl bereits viele wissenschaftliche Studien gezeigt haben, dass Jugendliche unter 18 Jahren sowohl den Willen zur Wahl besitzen, als auch die Fähigkeiten, die es für eine differenzierte politische Meinungsbildung braucht, verharre das deutsche Stimmrecht immer noch auf dieser altmodischen Grenze. Inwiefern sich über 80- und 90-Jährige hingegen überhaupt noch eine politische Meinung bilden (können), sei außerdem weitaus weniger erforscht.
Darüber hinaus würden viele Ältere ihr Wahlrecht gar nicht erst wahrnehmen – entweder aus Faulheit oder aus Protest. Wie unfair – wo doch die wichtigsten politischen Entscheidungen gerade die jüngere Generation betreffen, findet der Journalist. Wie anders würde beispielsweise die Klimapolitik in Deutschland aussehen oder unser Renten- und Bildungssystem, wenn die Jüngeren mehr Einfluss auf das politische Geschehen hätten, fragt Christ. Wenn sich daran nichts ändere, entwickle sich Deutschland „zu einer defekten Demokratie, in der die Interessen der Jüngeren unter die Räder geraten sind“. Höchste Zeit, dass die 14- bis 17-Jährige ein Wahlrecht erhalten, findet Christ. Das könne „ein zusätzliches Angebot einer modernen Demokratie [sein], das junge Menschen annehmen oder ablehnen können“.
Das Argument, dass Jugendliche nicht einmal voll geschäftsfähig seien, lässt er dabei nicht gelten: Anders als in der Geschäftswelt bestehe nicht die Gefahr, dass Jugendliche sich durch die Stimmabgabe ihr Leben ruinieren. Für die Demokratie würde jedenfalls kein Schaden entstehen – im Gegenteil: „Was wäre so falsch daran, wenn Funktionäre eines politischen Systems sich fortan mehr Mühe geben müssten, mit jüngeren Generationen zu kommunizieren und Rücksicht zu nehmen?“
Anmerkung der Redaktion
Hanno Christ ist Redakteur für Landespolitik beim Rundfunk Berlin-Brandenburg (RBB). Er hat die Fächer Politik und Geschichte in Heidelberg und Berlin studiert und neben dem Studium als studentischer Mitarbeiter im Bundestag gearbeitet. Sein Studium hat er als Diplom-Politologe im Frühjahr 2002 abgeschlossen. Er hat unter anderem für die WORMSER ALLGEMEINE ZEITUNG, die BERLINER MORGENPOST, das ZDF und die SÜDDEUTSCHE ZEITUNG geschrieben.
Der RUNDFUNK BERLIN BRANDENBURG (RBB) ist die Landesrundfunkanstalt für die Länder Berlin und Brandenburg. Er ist 2003 aus dem Sender FREIES BERLIN und dem OSTDEUTSCHEN RUNDFUNK BRANDENBURG hervorgegangen und unterhält die Radiosender RBB 88.8, ANTENNE BRANDENBURG, FRITZ, INFORADIO, RADIOEINS und RADIO3 (ehemals RBBKULTUR). Der RBB ist ein öffentlich-rechtlicher Sender und unterliegt dem Rundfunkstaatsvertrag, der die Unabhängigkeit und Überparteilichkeit des öffentlich-rechtlichen Rundfunks festlegt. Finanziert wird der RBB hauptsächlich durch die Rundfunkgebühren. Der RBB betreibt die Informationsplattform RBB24.DE, die Nachrichten aus Berlin, Brandenburg und der Welt in Text-, Audio- oder Videoform zur Verfügung stellt.
Originalartikel
Wahlrecht erst ab 18 - es ist Zeit, dass sich das ändert
RUNDFUNK BERLIN BRANDENBURG (RBB)
Hanno Christ 08.08.2021 ·
3 Minuten ·
Deutsch
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