Perspektive
zur Debatte vom 08. November 2024
Sollten Medien immer nach objektiver Wahrheit streben? Pro
Wahrheitssuche und ergebnisoffene Recherche ist wichtig, um als vierte Gewalt im Staat zu wirken
Die Perspektive in 30 Sekunden
Laut dem Medienwissenschaftler Stephan Russ-Mohl müssen Medien stets anstreben, die Wahrheit zu berichten, um ihrer Rolle als vierte Gewalt im Staat treu zu bleiben. Um die Menschen mit Nachrichten zu versorgen und über das staatliche Handeln zu berichten, brauche es „Wahrheitssuche, Perspektivenvielfalt und ergebnisoffene Recherche“.
Als Beispiel führt er die Wahlerfolge der AfD in Sachsen und Thüringen an. Deren Ursache liege im Populismus, der mitunter von den Medien verstärkt worden sei. Denn laut dem ehemaligen Journalismus-Professor könne man immer mehr sogenannten „Haltungs-Journalismus“ lesen, in dem Journalist:innen eine bestimmte Meinung oder Perspektive zu einem Thema einnehmen.
Russ-Mohl argumentiert, dass Journalist:innen so „ihr Publikum bevormunden und erziehen wollen, statt es nach bestem Wissen und Gewissen mit Nachrichten zu versorgen“. In vielen Redaktionen fehlen laut ihm Menschen, die weder ihre eigenen Vorurteile bilden noch sich von äußerem Druck vereinnahmen lassen. Dabei könne in Zeiten sozialer Medien der Journalismus als vierte Gewalt wichtiger werden denn je. Allerdings nur, wenn dieser auch nach objektiver Wahrheit strebe.
Anmerkung der Redaktion
Stephan Russ-Mohl (auch: Ruß-Mohl) ist Medienwissenschaftler und Autor. Seine Forschungsschwerpunkte sind Qualitätssicherung und Qualitätsmanagement im Journalismus, Redaktionsmanagement, vergleichende Journalismus-Forschung, Medien-Journalismus und Öffentlichkeitsarbeit für Medienunternehmen sowie Wirtschaftsberichterstattung. Russ-Mohl unterrichtete von 1985 bis 2001 als Professor für Publizistik an der Freien Universität Berlin und von 2002 bis 2018 als Professor für Kommunikationswissenschaft an der Universität Lugano. Er schreibt unter anderem für die NEUE ZÜRCHER ZEITUNG (NZZ) und die WELT. Zu Russ-Mohls Veröffentlichungen gehören neben Weiteren „Journalismus – Das Hand- und Lehrbuch“ (2003), „Kreative Zerstörung. Niedergang und Neuerfindung des Zeitungsjournalismus in den USA“ (2009) und „Die informierte Gesellschaft und ihre Feinde“. Warum die Digitalisierung unsere Demokratie gefährdet (2017). Russ-Mohl hat an der Universität Koblenz Öffentliche Verwaltung sowie Öffentlichkeitsarbeit studiert und promoviert.
DIE WELT ist eine überregionale Tageszeitung mit Sitz in Berlin. Sie wurde 1946 gegründet und erschien im vierten Quartal 2025 in einer verkauften Auflage von rund 90.000 Exemplaren. Die Auflagenzahl ist damit im Vergleich zu 2024 stark eingebrochen. Gleichzeitig gehörte die Website der WELT im März 2026 mit rund 90,5 Millionen Besuchen zu den meistbesuchten Nachrichten-Websites in Deutschland. Die politische Ausrichtung der WELT gilt als bürgerlich-konservativ. In ökonomischen Fragen positioniert sich die Zeitung meist wirtschaftsliberal. Das Goethe-Institut urteilt, DIE WELT ziele in ihrer Printausgabe auf „mittelständische Unternehmer und Selbstständige, die konservative Werte schätzen“. WELT-Autor:innen bekennen sich zu den Leitlinien des Axel-Springer-Verlages, die unter anderem ein Eintreten für „die freie und soziale Marktwirtschaft“ sowie Solidarität mit den USA und Israel fordern. DIE WELT hat bereits mehrfach Rügen vom Deutschen Presserat erhalten, weil in einigen Artikeln journalistische Grundsätze verletzt wurden. Immer wieder wird außerdem Kritik laut, dass die WELT mit ihrer Berichterstattung verschwörungstheoretische oder rechtsextremistische Narrative bedient – so etwa mit klimaskeptischer Positionierung. Zwei Monate vor der Bundestagswahl 2025 veröffentlichte die WELT AM SONNTAG einen Gastartikel des US-Techmilliardärs Elon Musk, in dem dieser für die AfD warb. Das sorgte für heftige Proteste, auch innerhalb der Zeitung, bei denen es auch zu Protestkündigungen kam. Zur Welt-Gruppe gehören außerdem der Fernsehsender WELT (früher N24) und die WELT AM SONNTAG. Sie gehören seit 2026 zur PREMIUM-GRUPPE, der auch POLITICO und BUSINESS INSIDER angehören. Ihr Chefredakteur ist Helge Fuhst, der Herausgeber Ulf Poschardt. Die PREMIUM-GRUPPE gehört dem Axel-Springer-Konzern, zu dem auch Titel wie die BILD-Zeitung und die regionale B.Z. gehören.
Originalartikel
Das Gift des Haltungs-Journalismus
DIE WELT
Stephan Russ-Mohl 19.09.2024 ·
4 Minuten ·
Deutsch
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