Perspektive
zum Tagesthema vom 07. Mai 2025
Merz-Regierung nimmt nach Wahlkrimi die Arbeit auf Hintergrund
Was für die kommenden 100 Tage auf der Agenda steht
Die Perspektive in 30 Sekunden
Seit Dienstag ist Friedrich Merz (CDU) offiziell der zehnte Bundeskanzler von Deutschland. Die Redakteure Dennis Pohl, Caspar Schwietering und Christopher Ziedler vom Berliner TAGESSPIEGEL erklären, was für den neuen Kanzler in seinen ersten 100 Tagen im Amt auf der Agenda steht.
Außenpolitik: Gleich am ersten Tag nach der Kanzlerwahl geht es für Merz nach Polen und Frankreich, um die Beziehungen im sogenannten „Weimarer Dreieck“ mit den beiden Ländern zu stärken, so die Redakteure. Weiter stehe vor seinem ersten offiziellen EU-Gipfel am 27. Juni der NATO-Gipfel in Den Haag auf dem Programm. Zuvor werde Merz auch beim G7-Gipfel im kanadischen Alberta dabei sein. In der EU werde es vor allem darum gehen, wie man die Ukraine weiterhin unterstützen kann. In Kanada wird Merz erstmals den US-Präsidenten Donald Trump treffen und ausloten, wie sehr sich die USA künftig noch in Europa engagieren wollen, schreiben die Redakteure. Weitere Antrittsbesuche bei Staats- und Regierungschefs seien noch in Planung.
Finanzpolitik: Seit fünf Monaten wird Deutschland ohne beschlossenen Haushalt regiert. Diesen Zustand wolle der neue Finanzminister Lars Klingbeil (SPD) so schnell wie möglich beenden. Bis zum Sommer soll er zwei Haushaltsentwürfe vorlegen, heißt es im TAGGESPIEGEL. Zudem soll er ein Gesetz zur Verteilung der 500 Milliarden Euro aus dem Sondervermögen für Infrastruktur erarbeiten.
Migration: Im Wahlkampf hat Friedrich Merz einen Kurswechsel in der Migrationspolitik von Tag eins versprochen. Ob es bei dem Thema aber schnelle Fortschritte geben wird, ist laut den Redakteuren fraglich. Denn die geforderten Zurückweisungen von Asylbewerber:innen an den deutschen Außengrenzen seien juristisch wie politisch umstritten.
Wirtschaftspolitik: Bereits im Wahlkampf hat die CDU ein Sofortprogramm für die Wirtschaft vorgelegt, das sich jetzt auch im Koalitionsvertrag wiederfindet. CDU und SPD wollen demnach die Stromsteuer und die Netzentgelte senken und damit die Stromkosten senken. Die Umsatzsteuer für Gastronomen soll rasch auf sieben Prozent reduziert, und die Subvention für den Agrardiesel wiedereingeführt werden. Um den Fachkräftemangel zu bekämpfen, soll zudem die tägliche Maximalarbeitszeit durch eine wöchentliche ersetzt werden.
Anmerkung der Redaktion
Caspar Schwietering ist Journalist und Redakteur für Verkehrspolitik und Bahnverkehr beim TAGESSPIEGEL. Zuvor hat er beim Fachdienst Tagesspiegel Background Verkehr & Smart Mobility und für den Berlin-Newsletter Tagesspiegel Checkpoint gearbeitet. Er hat unter anderem für ZEIT ONLINE über Verkehrspolitik geschrieben. Schwietering hat Journalismus an der Ludwig-Maximilians-Universität München studiert.
Dennis Pohl ist Korrespondent im Hauptstadtbüro des TAGESSPIEGELS. Dabei berichtet er hauptsächlich über deutsche Innenpolitik. Außerdem hat er als Redakteur im Story-Ressort des TAGESSPIEGELS gearbeitet. Zuvor hat Pohl für das Popkultur-Magazin SPEX geschrieben. Er hat Kulturwissenschaften und Geschichte in Berlin studiert.
Christopher Ziedler ist Journalist und Redakteur im Hauptstadtbüro beim Berliner TAGESSPIEGEL. Zuvor ist er lange als Stuttgart-Korrespondent der BADISCHEN ZEITUNG (BZ) tätig gewesen. Bis Juni 2022 war Ziedler Leiter der Hauptstadtredaktion der STUTTGARTER ZEITUNG. Für die Zeitung hat er von 2010 bis 2016 auch als EU-Korrespondent gearbeitet. Als freier Journalist hat Ziedler unter anderem schon für den Berliner TAGESSPIEGEL, aber auch den CICERO und DIE ZEIT geschrieben. Er hat das journalistische Handwerk an der Deutschen Journalistenschule in München gelernt, wo er auch Politik, Wirtschaftsgeografie und Kommunikationswissenschaften studiert hat.
DER TAGESSPIEGEL ist eine 1945 gegründete Tageszeitung aus Berlin. Chefredakteur ist Christian Tretbar, die Herausgeber sind Lorenz Maroldt und Giovanni di Lorenzo. Im Unterschied zur BERLINER ZEITUNG wird der TAGESSPIEGEL traditionell vor allem in den westlichen Bezirken der Stadt gelesen, da die Mauer die Verbreitung der Zeitung auf Westberlin beschränkt hatte. Eine 2024 durchgeführte Untersuchung der Universität Mainz zu 47 Medien ordnet die „ideologische Grundpositionierung“ des TAGESSPIEGELS als gemäßigt liberal-progressiv und gemäßigt sozialstaatsorientiert ein. Seit 2014 erhält der TAGESSPIEGEL besondere Aufmerksamkeit dank seines Checkpoint-Newsletters, der täglich aus Berlins Politik, Wirtschaft und Gesellschaft berichtet. EUROTOPICS beschreibt die Blattlinie der Zeitung als liberal. Der TAGESSPIEGEL wurde lange Zeit den regionalen Zeitungen zugerechnet, verfolgt seit einigen Jahren jedoch verstärkt eine überregionale Ausrichtung. Die Printauflage bleibt jedoch stark regional dominiert. Die verkaufte Auflage der Zeitung betrug im vierten Quartal 2025 rund 98.000 Exemplare (IVW), ihre Website verzeichnete laut Similarweb im März 2026 45,2 Millionen Besuche. Im Jahr 2025 war der TAGESSPIEGEL die meistzitierte Regionalzeitung Deutschlands (Quelle: Media Tenor). 2022 geriet die Chefredaktion des TAGESSPIEGELS infolge einer Kolumne des ehemaligen Chefredakteurs Harald Martenstein in die Kritik. In dem Artikel bezeichnete Martenstein das Tragen von Judensternen auf Corona-Demonstrationen als „sicher nicht antisemitisch“. Daraufhin distanzierte sich die TAGESSPIEGEL-Chefredaktion und depublizierte den Online-Beitrag. Der TAGESSPIEGEL erscheint im Verlag Der Tagesspiegel GmbH, der zur DvH Medien GmbH der Holtzbrinck-Familie gehört. Der DvH gehören außerdem die Titel HANDELSBLATT, WIRTSCHAFTSWOCHE sowie 50 Prozent des Verlags der ZEIT.