Perspektive

zur Debatte vom 09. Februar 2025
Ist unser demokratisches System noch stabil?
Contra

Wenn bis zu 30 Prozent AfD wählen, ist die Demokratie in einer schweren Krise

Die Perspektive in 30 Sekunden

gibt sich überzeugt, dass sich die Demokratie in Deutschland in einer existenziellen Krise befindet. Im SWR-Interview mit Moderatorin hält der Politikwissenschaftler fest: „Wenn eine rechtsextremistische Partei in einzelnen Bundesländern die 30-Prozent-Marke knackt, und im Westen, in Hessen zum Beispiel, an die 20 Prozent heranreicht, dann ist das aus politikwissenschaftlicher Perspektive eine fundamentale Integrationskrise.“

An dieser Entwicklung tragen die etablierten Parteien laut dem Politikwissenschaftler auch eine Mitschuld. Denn Regierung und Opposition waren aus der Perspektive der Bevölkerung nicht wirklich voneinander zu unterscheiden, vor allem in den Zeiten der Großen Koalitionen – „und das hat sich dann die AfD zunutze gemacht“. Die AfD stellt das herkömmliche Parteiensystem laut Linden als eine Sammlung von Komplizen dar, die quasi im Konsens miteinander alles gegen die Bevölkerung aushandeln. „Und diese Rhetorik, die das politische System natürlich völlig falsch wiedergibt, verfängt offensichtlich bei einem Teil der Bevölkerung“, mahnt Linden.

In vielen Bevölkerungsteilen besteht Linden zufolge mittlerweile keine Hemmung mehr, die AfD zu wählen. „Das geschieht nicht immer aus ideologischen Gründen, teils sind es auch Protestwähler“, räumt der Politikwissenschaftler ein. „Aber es sei daran erinnert, dass auch die NSDAP bei den Novemberwahlen 1932 von einem Drittel der Wählerinnen und Wähler gewählt wurde.“ Linden spielt damit auf die Partei Adolf Hitlers an, bevor dieser ein Jahr später, 1933, an die Macht gelangte und die NS-Diktatur errichtete.

Anmerkung der Redaktion

ist Online-Redakteurin beim SWR. Ihre erste Station im Journalismus hat sie bei einer Lokalzeitung 2007 absolviert. 2013 wechsele sie dann zum SWR und ist seit 2017 Teil der Online- bei SWR Aktuell Rheinland-Pfalz.

ist außerplanmäßiger Professor für Politikwissenschaft an der Universität Trier. Zu seinen Forschungsschwerpunkten gehören unter anderem Theorie und Empirie der Demokratie, Parteien und Parteiensysteme, Neue Rechte und Rechtspopulismus, Digitale Alternativmedien und Verschwörungstheorien. Linden studierte von 1993-2000 Politikwissenschaft, Öffentliches Recht und Rechtswissenschaft in Trier, promovierte 2006 zum Thema „Politische Integration im vereinten Deutschland“ und habilitierte 2015 zum Thema „Einschluss und Ausschluss durch Repräsentation – Theorie und Empirie am Beispiel der deutschen Integrationspolitik“. Linden hat u. a. Beiträge für die ZEIT ONLINE, BLÄTTER oder die FRANKFURTER ALLGEMEINE ZEITUNG verfasst.

Der SÜDWESTRUNDFUNK (SWR) ist eine deutsche Landesrundfunkanstalt des öffentlich-rechtlichen Rundfunks mit Hauptsitz in Stuttgart. Seit der Fusion von SÜDWESTFUNK und SÜDDEUTSCHEM RUNDFUNK im Jahr 1998 ist der SWR nach dem WDR die zweitgrößte Rundfunkanstalt der ARD. Der SWR verfügt über einen gleichnamigen Fernsehsender, sechs Radioprogramme (darunter der Jugendsender DASDING) und mehrere Orchester und Chöre. Außerdem hat er die Federführung für die Koordination der ARD-Mediathek (inkl. ARD.de), der beiden Gemeinschaftsprogramme 3sat und Arte sowie für das Contentnetzwerk FUNK. Intendant des SWR ist seit 2019 Kai Gniffke, der langjähriges Mitglied der SPD ist. Diese Parteizugehörigkeit wurde stellenweise kritisiert, da der SWR als öffentlich-rechtlicher Sender dazu verpflichtet ist, staatsunabhängig zu bleiben. Der Webauftritt des SWR hatte im März 2026 27,5 Millionen Besuche zu verzeichnen (Quelle: Similarweb).

Originalartikel
Interview mit Trierer Politikwissenschaftler Linden: "Demokratie in existentieller Krise"
SÜDWESTRUNDFUNK (SWR)Valeska ParpartMarkus Linden
03.10.2024 · 4 Minuten · Deutsch
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