Perspektive
zur Debatte vom 07. März 2025
Hat die deutsche Politik ein Frauenproblem? Pro
Wenn Frauen nicht vorkommen, tun es auch ihre Themen nicht
Die Perspektive in 30 Sekunden
Frauen gehören zu den Verliererinnen der Bundestagswahl 2025, befürchtet Anna Eberhard vom SPIEGEL. Während Frauen bereits im Wahlkampf nur Randfiguren gewesen seien, sinke ihr Anteil im neuen Bundestag nun weiter. „Aber wenn Frauen nicht vorkommen, tun es auch ihre Themen nicht“, stellt sie klar.
Themen, die Frauen besonders betreffen, wie Familienpolitik, die Pflege von Angehörigen, Bildung oder die Abschaffung des Abtreibungsparagrafen 218 oder die Rente, seien im Wahlkampf laut Eberhard zu kurz gekommen. Und im kommenden Bundestag werde es so weiter gehen. Obwohl mit Angela Merkel 16 Jahre lang eine Frau das Land regiert habe, sei der Frauenanteil im Bundestag nie über 37 Prozent gekommen. Im kommenden Bundestag sinke jetzt der Frauenanteil auf 32,4 Prozent. Das sei problematisch, weil weibliche Themen in der Politik damit weniger präsent seien.
„Natürlich können auch Männer für Frauen Politik machen. In der Vergangenheit hat sich aber zu oft gezeigt: Sie tun es nicht“, schreibt Eberhard. Ihre gesetzlichen Rechte und politische Veränderungen haben sich Frauen Eberhard zufolge immer selbst erkämpfen müssen. Etwa die Neuregelung für Abtreibungen, die Anerkennung von Vergewaltigung in der Ehe oder das Prinzip „Nein heißt Nein“ im Sexualstrafrecht. „Deshalb wäre es so wichtig, dass Worte wie ‚Politikwechsel‘ auch bedeuten, dass die Hälfte der Bevölkerung auch als Hälfte des Bundestages abgebildet wird. Dafür müssten mehr Frauen antreten“, so die SPIEGEL-Redakteurin.
Anmerkung der Redaktion
Anne Eberhard ist Journalistin. Seit 2024 ist sie als Werkstudentin bei der SÜDDEUTSCHEN ZEITUNG tätig, half aber parallel von Januar bis Februar 2025 als redaktionelle Aushilfe beim SPIEGEL. Zuvor war sie dort für zwei Monate im Praktikum. Eberhard arbeitete bereits als freie Mitarbeiterin bei der bayerischen Regionalzeitung AUGSBURGER ALLGEMEINE. Sie hat Demokratische Politik und Kommunikation an der Universität Trier, Sozialwissenschaften an der Universität Augsburg und Gender Studien an der Memorial Universität in Kanada studiert.
DER SPIEGEL ist ein deutsches Nachrichtenmagazin, das 1947 von Rudolf Augstein gegründet wurde. Seinen Sitz hat das Magazin seit 2011 in Hamburg, Chefredakteur ist Dirk Kurbjuweit. DER SPIEGEL ist mehrfach preisgekrönt und zählt zu den deutschsprachigen Leitmedien: Er genießt großes Vertrauen und prägt die gesellschaftliche Debatte und Öffentlichkeit. Im vierten Quartal 2025 hatte das gedruckte Wochenmagazin eine Auflage von rund 625.000 verkauften Exemplaren (IVW). Eine zentrale Rolle im Magazin nimmt bis heute der investigative Journalismus ein. 1963 führten eine solche Recherche und die sogenannte SPIEGEL-Affäre dazu, dass der damalige Verteidigungsminister Franz Josef Strauß sein Amt räumen musste. 2018 wurde bekannt, dass der langjährige Mitarbeiter Claas Relotius wesentliche Inhalte von – teils preisgekrönten – SPIEGEL-Reportagen erfunden hatte. Hiernach reichte Relotius seine Kündigung ein. Das Blatt sprach von „einem Tiefpunkt in der 70-jährigen Geschichte des SPIEGEL“. 2021 wurden in Reaktion darauf die sogenannten Spiegel-Standards für Qualitätsjournalismus erarbeitet. DER SPIEGEL wird traditionell als eher linksliberales Medium gesehen, auch in Abgrenzung zu den anderen großen deutschen Nachrichtenmagazinen, dem FOCUS und dem STERN. Bereits Gründer Rudolf Augstein verortete sein Magazin „im Zweifel links“. 1994 ging SPIEGEL ONLINE als erstes Nachrichten-Magazin weltweit online. Im April 2026 verzeichnete die Website des SPIEGELS rund 71,5 Millionen Aufrufe (Quelle: Similarweb). DER SPIEGEL wird vom Spiegel-Verlag herausgegeben. An der SPIEGEL-Gruppe ist der international extrem einflussreiche Medienkonzern Bertelsmann über eine Tochtergesellschaft mit 25,5 Prozent beteiligt. Weitere 24 Prozent der Anteile entfallen auf die Familie Augstein. Die Mehrheit von 50,5 Prozent wird von den Mitarbeiter:innen des Verlags über eine Beteiligungsgesellschaft (Mitarbeiter-KG) gehalten, die sich demokratisch organisiert und regelmäßig ihre Vertreter:innen wählt.
Originalartikel
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DER SPIEGEL
Anne Eberhard 28.02.2025 ·
3 Minuten ·
Deutsch
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