Perspektive
zur Debatte vom 06. Januar 2026
Sollten Deutschland und die EU das Vorgehen der USA in Venezuela viel stärker kritisieren? Pro
Wer dazu schweigt, macht sich mitschuldig
Die Perspektive in 30 Sekunden
In dem tendenziell linksliberalen Nachrichtenmagazin DER SPIEGEL kritisiert der Rechtskorrespondent Dietmar Hipp die Reaktion von Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) auf die US-Attacke in Venezuela. Der Angriff sei klar völkerrechtswidrig gewesen und hätte als solcher verurteilt werden müssen – denn sonst verliere das Völkerrecht seine Bedeutung.
Hipp ist der Meinung, dass die Situation in Venezuela überhaupt nicht kompliziert einzuschätzen ist: „Militärische Interventionen in anderen Ländern sind nach der UN-Charta verboten“, stellt er klar. Doch Merz spreche das nicht aus. „Wer solche klaren Verstöße nicht eindeutig benennt, stellt letztlich die Geltung der UN-Charta infrage“, meint der Rechtskorrespondent.
Das kann laut Hipp dazu führen, dass das Völkerrecht in Zukunft immer mehr an Bedeutung verliert – und der internationale Frieden gefährdet wird. US-Präsident Donald Trump habe bereits darüber gesprochen, Länder wie Kolumbien oder Kuba anzugreifen. Aber auch Grönland, welches unter der Verwaltung des NATO-Landes Dänemark steht, habe er ins Auge gefasst. Um sich diesem Prozess entgegenzustellen, müsse man jetzt das Vorgehen der USA in Venezuela verurteilen, fordert Hipp.
Anmerkung der Redaktion
Dietmar Hipp (*1969) arbeitet seit Mai 2000 als Korrespondent für den SPIEGEL in Karlsruhe. Schwerpunkte seiner Berichterstattung sind die Bundesgerichte und Rechtspopulismus. Nach dem Erwerb seines Journalistik-Diploms hat er als fester freier Mitarbeiter für die SÜDDEUTSCHE ZEITUNG und das M1-FERNSEHEN FÜR MÜNCHEN gearbeitet. Ab März 1999 war Hipp als Redakteur beim SPIEGEL in Hamburg beschäftigt. Er hat 1990 die Deutsche Journalistenschule besucht und parallel ein Studium an der Ludwig-Maximilians-Universität in München absolviert. Außerdem hat er Jura bis zum Ersten Staatsexamen studiert.
DER SPIEGEL ist ein deutsches Nachrichtenmagazin, das 1947 von Rudolf Augstein gegründet wurde. Seinen Sitz hat das Magazin seit 2011 in Hamburg, Chefredakteur ist Dirk Kurbjuweit. DER SPIEGEL ist mehrfach preisgekrönt und zählt zu den deutschsprachigen Leitmedien: Er genießt großes Vertrauen und prägt die gesellschaftliche Debatte und Öffentlichkeit. Im vierten Quartal 2025 hatte das gedruckte Wochenmagazin eine Auflage von rund 625.000 verkauften Exemplaren (IVW). Eine zentrale Rolle im Magazin nimmt bis heute der investigative Journalismus ein. 1963 führten eine solche Recherche und die sogenannte SPIEGEL-Affäre dazu, dass der damalige Verteidigungsminister Franz Josef Strauß sein Amt räumen musste. 2018 wurde bekannt, dass der langjährige Mitarbeiter Claas Relotius wesentliche Inhalte von – teils preisgekrönten – SPIEGEL-Reportagen erfunden hatte. Hiernach reichte Relotius seine Kündigung ein. Das Blatt sprach von „einem Tiefpunkt in der 70-jährigen Geschichte des SPIEGEL“. 2021 wurden in Reaktion darauf die sogenannten Spiegel-Standards für Qualitätsjournalismus erarbeitet. DER SPIEGEL wird traditionell als eher linksliberales Medium gesehen, auch in Abgrenzung zu den anderen großen deutschen Nachrichtenmagazinen, dem FOCUS und dem STERN. Bereits Gründer Rudolf Augstein verortete sein Magazin „im Zweifel links“. 1994 ging SPIEGEL ONLINE als erstes Nachrichten-Magazin weltweit online. Im April 2026 verzeichnete die Website des SPIEGELS rund 71,5 Millionen Aufrufe (Quelle: Similarweb). DER SPIEGEL wird vom Spiegel-Verlag herausgegeben. An der SPIEGEL-Gruppe ist der international extrem einflussreiche Medienkonzern Bertelsmann über eine Tochtergesellschaft mit 25,5 Prozent beteiligt. Weitere 24 Prozent der Anteile entfallen auf die Familie Augstein. Die Mehrheit von 50,5 Prozent wird von den Mitarbeiter:innen des Verlags über eine Beteiligungsgesellschaft (Mitarbeiter-KG) gehalten, die sich demokratisch organisiert und regelmäßig ihre Vertreter:innen wählt.
Originalartikel
Wer dazu schweigt, macht sich mitschuldig
DER SPIEGEL
Dietmar Hipp 05.01.2026 ·
4 Minuten ·
Deutsch
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