Perspektive
zur Debatte vom 15. Juli 2025
Sollte man AfD-Mitglieder vom Staatsdienst fernhalten? Pro
Wer die Ideologie der AfD braucht, hat im öffentlichen Dienst nichts zu suchen
Die Perspektive in 30 Sekunden
Jasper von Altenbockum von der bürgerlich-konservativen überregionalen Tageszeitung FRANKFURTER ALLGEMEINE ZEITUNG (FAZ) hält den rheinland-pfälzischen Schritt gegen AfD-Mitglieder im Staatsdienst für richtig. Wer die Ideologie der AfD braucht, hat seiner Meinung nach nichts im öffentlichen Dienst zu suchen.
„Die Entscheidung von Rheinland-Pfalz, keine AfD-Mitglieder mehr im öffentlichen Dienst zuzulassen, ist weit besser als ein Parteiverbot“, schreibt von Altenbockum. Für ihn ist das die logische Konsequenz für eine Partei, die als extremistisch und verfassungsfeindlich eingestuft worden ist. „Die Norm ist die Verfassung, nicht das gesunde Volksempfinden, ganz besonders im öffentlichen Dienst. AfD-Mitglieder wenden sich gegen diese Verfassung, frönen zumindest einer eigenartigen Auslegung“, so der FAZ-Autor.
Auch der rheinland-pfälzische AfD-Verband sei über die letzten Jahre hinweg radikaler geworden. Damit habe der Landesverband selbst dazu beigetragen, dass die Partei als „gesichert“ extremistisch eingestuft worden ist durch den Verfassungsschutz. Und manche AfD-Mitglieder seien sogar stolz auf das Label. Solange sich daran nichts ändert, „so lange sollte der Staat nicht auch noch den Kakao trinken, durch den er gezogen wird“, schreibt von Altenbockum.
Anmerkung der Redaktion
Jasper von Altenbockum (*1962) ist Journalist und seit 1989 Redakteur bei der FAZ, wo er heute das Ressort Innenpolitik leitet. Er hat Geschichte und Germanistik in Tübingen, Berlin und Münster studiert und an der Washington University im US-amerikanischen St. Louis seinen Master in Politik, Geschichte und Vergleichender Literaturwissenschaft gemacht. Nachdem er in Münster promoviert hat, war er als Korrespondent für Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern für die FAZ tätig und hat zudem über Skandinavien und die baltischen Länder berichtet. Von Altenbockum wird häufig aufgrund seiner konservativen Kommentare kritisiert. In der Vergangenheit wurde er beispielsweise vom TAGESSPIEGEL und der LGTBQ-Plattform QUEER als homophob bezeichnet. Für den SPIEGEL-Journalisten Sascha Lobo sei von Altenbockum „der wahrscheinlich konservativste Kommentator der konservativen FAZ“. Gleichzeitig hat er aber für die Flüchtlingsaufnahme plädiert, als die Zustände des griechischen Lagers Moria bekannt wurden.
Die FRANKFURTER ALLGEMEINE ZEITUNG (FAZ) ist eine deutsche überregionale Tageszeitung mit Sitz in Frankfurt am Main. Sie ist 1949 gegründet worden und wird zu den deutschen Leitmedien gezählt. Die FAZ hat keine Chefredaktion, sondern wird seit ihrer Gründung von einem Herausgebergremium geleitet, bestehend aus Gerald Braunberger, Jürgen Kaube, Carsten Knop und Berthold Kohler. Laut Eigenangabe steht die FAZ „für den Erhalt und die Stärkung der demokratischen Ordnung und der Sozialen Marktwirtschaft in Deutschland“. Die Zeitung gilt als liberalkonservatives Blatt. THE EUROPEAN schreibt über die „drei Gesichter“ der FAZ: Sie habe einen eher konservativen, staatstragenden Politikteil, ein linksliberales Feuilleton und einen liberalen Wirtschaftsteil. Der DEUTSCHLANDFUNK schreibt 2019 über die FAZ: „Seit ihrer Gründung steht die Zeitung für Qualitätsjournalismus, der vor allem von Alpha-Männern verantwortet wird.“ Die verkaufte Auflage der Zeitung lag im vierten Quartal 2025 bei rund 332.000 Exemplaren (IVW) und hat im Vergleich zum vorigen Quartal leicht abgenommen. Die Printauflage der Zeitung ist allerdings seit Jahren rückläufig. Laut Similarweb hatte der Webauftritt der FAZ im März 2026 rund 38,5 Millionen Besuche zu verzeichnen. Die FAZ wird von der Frankfurter Allgemeine Zeitung GmbH herausgegeben, die neben der täglich erscheinenden FAZ auch die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung (FAS) und das Online-Nachrichtenportal FAZ verantwortet. Das Unternehmen ist zu 93,7 Prozent im Besitz der gemeinnützigen FAZIT-Stiftung, die von den Verlegern und Herausgebern der Frankfurter Allgemeinen Zeitung gegründet wurde. Der verbleibende Anteil wird von den vier Herausgebern gehalten. Diese einzigartige Eigentümerstruktur soll die redaktionelle Unabhängigkeit der Zeitung wahren.