Perspektive
zur Debatte vom 26. Januar 2026
Sollte Deutschland die Fußball-WM in den USA boykottieren? Hintergrund
Wie realistisch ist ein Boykott – und was wären die Folgen?
Die Perspektive in 30 Sekunden
Für das Sportmagazin der ARD, die SPORTSCHAU, hat der Journalist Chaled Nahar Hintergründe zu einem möglichen WM-Boykott zusammengestellt. Dabei geht er auf die aktuelle Debatte und die Folgen eines möglichen Boykotts ein.
Der Präsident des FC St. Pauli und Präsidiumsmitglied des DFB und der DFL, Oke Göttlich, hat die Diskussion über einen Boykott aufgemacht. Die derzeitige politische Lage in den USA und der Welt rufe dazu auf. „Ich frage mich wirklich, wann der Zeitpunkt ist, darüber konkret nachzudenken und zu reden. Und für mich ist dieser Zeitpunkt definitiv gekommen“, sagte Göttlich in Bezug auf einen Boykott der deutschen Nationalmannschaft. Die norwegische Verbandspräsidentin Lise Klaveness, welche letzten Freitag in Hamburg zu Gast war, spricht sich gegen einen isolierten Boykott Norwegens aus, galt aber als eine der deutlichsten Kritiker:innen der WM in Katar. Andere Nationalverbände aus England, Spanien, Italien oder Frankreich äußerten sich nach Anfragen der SPORTSCHAU nicht.
Seit dem Zweiten Weltkrieg haben qualifizierte Teams keine WM aus politischen Gründen abgesagt. Und das trotz politischer Verhältnisse wie 1978 der brutalen Militärjunta in Argentinien, 2018 der WM in Russland, trotz der Einnahme der Krim vier Jahre zuvor oder der schwerwiegenden Menschenrechtsverletzungen vor der WM 2022 in Katar. Außerdem werden Einnahmen von rund 9 Milliarden US-Dollar erwartet, von denen die Nationalverbände versorgt werden, wodurch im Falle eines Boykotts wichtige Finanzierung verloren ginge.
Die direkten Folgen eines Fernbleibens von Teams wären Geldstrafen bis zu 500.000 Schweizer Franken. Zudem kann dies „den Ausschluss des betreffenden Mitgliedsverbandes von nachfolgenden FIFA-Wettbewerben umfassen“ – also beispielsweise der WM der Frauen 2027 in Brasilien oder der WM der Männer 2030 in sechs Ländern. Ob solch drastische Konsequenzen jedoch gezogen würden, bleibt laut Nahar fraglich. Denn sollten Verbände wie Deutschland, England, Frankreich, oder Spanien nicht mitmachen, würde auch das Turnier selbst stark darunter leiden.
Anmerkung der Redaktion
Chaled Nahar ist ein deutscher Sportjournalist. Er ist für die ARD-SPORTSCHAU, für den DEUTSCHLANDFUNK und für den WDR als Sportreporter tätig. Er hat an der Universität in Köln und in Sunderland, England, Journalismus studiert.
Die SPORTSCHAU ist ein Sportmagazin der ARD, das Samstag und Sonntag ausgestrahlt und vom WDR produziert wird. Moderiert wird sie immer von unterschiedlichen Moderator:innen. Neben der Samstagsausgabe, in der Zusammenfassungen der Spiele der Fußball-Bundesliga gezeigt werden, gibt es auch eine Sonntagsausgabe, die über aktuelle Sportereignisse aus verschiedenen Sportarten berichtet. Die SPORTSCHAU produziert und veröffentlicht außerdem immer wieder investigative Reportagen rund um das Sportgeschäft. Darunter etwa Reportagen über Doping-Skandale oder die schlechten Arbeitsbedingungen in dem WM-Austragungsort 2022 Katar.
Originalartikel
WM-Boykott? Die Diskussion, die Folgen, die Historie
SPORTSCHAU
Chaled Nahar 26.01.2026 ·
5 Minuten ·
Deutsch
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