Perspektive
zum Tagesthema vom 19. September 2025
Kirk-Attentat entfacht einen Kulturkampf um Meinungsfreiheit – nicht nur in den USA Hintergrund
Wie Trump auf die US-Medienlandschaft Druck ausübt
Die Perspektive in 30 Sekunden
In den USA findet spätestens nach dem Late-Night-Aus von Jimmy Kimmel ein Kulturkampf um die Meinungsfreiheit statt. Der Journalist Scott Roxborough hat für das US-amerikanische Wochenmagazin THE HOLLYWOOD REPORTER Informationen darüber zusammengestellt, wie und wo US-Präsident Donald Trump bereits erfolgreich Druck auf die US-amerikanische Unterhaltungsbranche ausgeübt hat. Petra Lambeck hat seinen Bericht für den deutschen Auslandsrundfunk DEUTSCHE WELLE (DW) ins Deutsche übersetzt.
Mächtige Firmen aus der Unterhaltungsbranche wie Amazon, Disney oder Paramount sind Roxborough zufolge in den letzten Jahren mehrfach vor Trump eingeknickt. Häufig gehe der US-Präsident dabei juristisch gegen Medienunternehmen vor, die kritisch über ihn berichten. Den Sender CBS vom Filmproduktionsriesen Paramount etwa hatte er für ein Interview mit der demokratischen Ex-Präsidentschaftskandidatin Kamala Harris verklagt, berichtet Roxborough. CBS habe laut Trump das Interview bewusst manipuliert, um Harris besser dastehen zu lassen. Obwohl CBS die Vorwürfe bestritt, zahlte der Sender 16 Millionen US-Dollar, um den Rechtsstreit beizulegen, so Roxborough.
Diese Überweisung von 16 Millionen Dollar bezeichnete der Comedian Stephen Colbert später als „fetten Bestechungsversuch“. Wenig später, auch nach öffentlichem Druck von Trump, habe CBS die Late-Night-Show von Colbert abgesetzt. Bei dem nun abgesetzten Jimmy Kimmel hatte der Präsident ebenso mehrfach öffentlich die Absetzung gefordert. Verklagt habe Trump auch beispielsweise die Medienhäuser THE NEW YORK TIMES und das WALL STREET JOURNAL.
Zusätzlich zu dieser Einschränkung von Kritik stimmen die Sender ihre Inhalte laut Roxborough auf die Interessen des Präsidenten ab. „In den Monaten nach Trumps Wiederwahl haben große Filmstudios still und leise ihre Programme für Vielfalt, Gleichberechtigung und Inklusion (DEI) zurückgefahren“, nennt er als Beispiel. Ein weiteres Beispiel: Amazon zahlte demnach 40 Millionen Dollar für zwei Dokumentarfilme von und über Trumps Ehefrau Melania. Zudem erhalten laut Roxborough jene Filme spürbar wieder mehr Aufmerksamkeit, die christliche und konservative Inhalte thematisieren. Viele Jahre lang habe die Filmindustrie eher als liberal gegolten.
Anmerkung der Redaktion
Petra Lambeck ist Volontärin bei dem öffentlich-rechtlichen Auslandsrundfunk DEUTSCHE WELLE (DW). Dort beschäftigt sie sich überwiegend mit gesellschaftlichen Themen. Zuvor studierte Lambeck Philosophie. Zudem verbrachte sie eine lange Zeit im Ausland.
Scott Roxborough ist ein US-amerikanischer Journalist und Leiter des Europabüros bei THE HOLLYWOOD REPORTER. Dort berichtet er von Deutschland aus über Filmfestivals und die Filmindustrie weltweit. Zuvor arbeitete er 27 Jahre lang beim öffentlich-rechtlichen Auslandsrundfunk DEUTSCHE WELLE (DW). Dort war er auch von 2004 bis 2019 Moderator.
Die DEUTSCHE WELLE (DW) ist der Auslandsrundfunk der Bundesrepublik Deutschland mit Sitz in Bonn. Sie ist Mitglied der öffentlich-rechtlichen ARD, wird aber im Gegensatz zu den ARD-Landesrundfunkanstalten, dem DEUTSCHLANDRADIO und dem ZDF nicht durch den Rundfunkbeitrag finanziert, sondern aus Steuermitteln des Bundes. Die DW produziert Online-, Fernseh- und Radiobeiträge und sendet in 32 Sprachen, ihr TV-Programm ist weltweit empfangbar. Damit ist der Sender ein Träger der auswärtigen Kulturpolitik der Bundesrepublik Deutschland. Per Gesetz soll die DW Deutschland als europäisch gewachsene Kulturnation und freiheitlich verfassten demokratischen Rechtsstaat verständlich machen und das Verständnis und den Austausch von Kulturen fördern. Die Inhalte der Programme haben einen Schwerpunkt auf Nachrichten, Dokumentationen und Kulturberichterstattung. Im Frühjahr 2020 richteten sich mehr als 250 Mitarbeitende der DW in einem Brief an den damaligen Intendanten Peter Limbourg und warfen ihm und der Geschäftsleitung vor, nicht angemessen auf Vorwürfe von Machtmissbrauch, sexuellen Übergriffen und Rassismus reagiert zu haben. Machtmissbrauch sei bei der DW „allgegenwärtig“. Die Chefredaktion hat Mathias Stamm inne, Intendantin ist Barbara Massing. Der Webauftritt der DW hatte im März 2026 32,6 Millionen Besuche zu verzeichnen (Quelle: Similarweb).
Originalartikel
Jimmy Kimmel und Trumps MAGA: US-Medien unter Druck
DEUTSCHE WELLE (DW)
Petra Lambeck
Scott Roxborough 18.09.2025 ·
4 Minuten ·
Deutsch
Die Buzzard-Expert:innen haben diesen Artikel aus über 2.000 Medien für dich recherchiert und zusammengefasst, damit du in kurzer Zeit einen möglichst umfassenden Blick auf das Thema bekommst.
Mehr...
Zum Artikel