Perspektive
zur Debatte vom 26. Januar 2026
Sollte Deutschland die Fußball-WM in den USA boykottieren? Pro
Wir sollten mehr Antiamerikanismus wagen
Die Perspektive in 30 Sekunden
Laut dem Kolumnisten Thomas Fischer sollte Deutschland mehr Antiamerikanismus wagen. Das „inakzeptable Auftreten und Agieren der großartigsten Administration der Weltgeschichte“ – womit er mit ironischem Unterton die USA bezeichnet – bietet ihm zufolge Anlass, mittel- oder langfristig die deutsche Positionierung anzupassen. Für das tendenziell linksliberale Nachrichtenmagazin DER SPIEGEL biete das Einbestellen des Botschafters und die Absage der „ebenso absurden wie missbräuchlichen Fußball-WM des Gespanns Trump-Infantino“ eine Möglichkeit, damit anzufangen.
Seine Forderungen begründet Fischer damit, dass viele (West-)Deutsche seit 1949 ihm zufolge ein Verhältnis mit den USA pflegen, das geprägt ist von „Unterwürfigkeit und grenzenloser Bewunderung“. Diese unkritische Haltung stehe ihm zufolge im Gegensatz zu den deutschen Bekenntnissen zur „Unverbrüchlichkeit des (Völker-)Rechts“: Denn die USA treten seiner Ansicht nach das Völkerrecht derzeit mit den Füßen. Laut Fischer kann die „nicht selten verzweifelt klingende Beschwörung ewiger transatlantischer Freundschaft“ als „masochistische Kehrseite der Abhängigkeit“ verstanden werden.
Als Beleg führt der Kolumnist vor allem den US-Angriff auf Venezuela an: Dort haben die USA „am 3. Januar ohne jede Rechtsgrundlage den souveränen Staat Venezuela überfallen, dessen (offenkundig faktischen) Präsidenten und seine Ehefrau entführt“ und ungefähr 100 Menschen getötet. Während Trump dies als „Notwehrhandlung“ gegen einen kriegerischen Angriff auf die USA mittels Fentanyl verkauft, nennt Fischer es „eklatant völkerrechtswidrig“. Vor diesem Hintergrund sieht er die Fußball-WM als ebenso absurd wie missbräuchlich und schlägt eine Absage vor.
Anmerkung der Redaktion
Thomas Fischer ist Rechtswissenschaftler, Rechtsanwalt und ehemaliger Vorsitzender Richter des 2. Strafsenats des Bundesgerichtshofs. Seit 2021 ist er als Berater für die Münchner Kanzlei Gauweiler & Sauter tätig. Er schreibt unter anderem für den SPIEGEL, ZEIT ONLINE und den WDR über Themen, die sich mit strafgesetzlichen Fragen beschäftigen. Für den LEGAL TRIBUNE ONLINE schreibt er seit Mai 2022 die Kolumne „Eine Frage an Thomas Fischer“.
DER SPIEGEL ist ein deutsches Nachrichtenmagazin, das 1947 von Rudolf Augstein gegründet wurde. Seinen Sitz hat das Magazin seit 2011 in Hamburg, Chefredakteur ist Dirk Kurbjuweit. DER SPIEGEL ist mehrfach preisgekrönt und zählt zu den deutschsprachigen Leitmedien: Er genießt großes Vertrauen und prägt die gesellschaftliche Debatte und Öffentlichkeit. Im vierten Quartal 2025 hatte das gedruckte Wochenmagazin eine Auflage von rund 625.000 verkauften Exemplaren (IVW). Eine zentrale Rolle im Magazin nimmt bis heute der investigative Journalismus ein. 1963 führten eine solche Recherche und die sogenannte SPIEGEL-Affäre dazu, dass der damalige Verteidigungsminister Franz Josef Strauß sein Amt räumen musste. 2018 wurde bekannt, dass der langjährige Mitarbeiter Claas Relotius wesentliche Inhalte von – teils preisgekrönten – SPIEGEL-Reportagen erfunden hatte. Hiernach reichte Relotius seine Kündigung ein. Das Blatt sprach von „einem Tiefpunkt in der 70-jährigen Geschichte des SPIEGEL“. 2021 wurden in Reaktion darauf die sogenannten Spiegel-Standards für Qualitätsjournalismus erarbeitet. DER SPIEGEL wird traditionell als eher linksliberales Medium gesehen, auch in Abgrenzung zu den anderen großen deutschen Nachrichtenmagazinen, dem FOCUS und dem STERN. Bereits Gründer Rudolf Augstein verortete sein Magazin „im Zweifel links“. 1994 ging SPIEGEL ONLINE als erstes Nachrichten-Magazin weltweit online. Im April 2026 verzeichnete die Website des SPIEGELS rund 71,5 Millionen Aufrufe (Quelle: Similarweb). DER SPIEGEL wird vom Spiegel-Verlag herausgegeben. An der SPIEGEL-Gruppe ist der international extrem einflussreiche Medienkonzern Bertelsmann über eine Tochtergesellschaft mit 25,5 Prozent beteiligt. Weitere 24 Prozent der Anteile entfallen auf die Familie Augstein. Die Mehrheit von 50,5 Prozent wird von den Mitarbeiter:innen des Verlags über eine Beteiligungsgesellschaft (Mitarbeiter-KG) gehalten, die sich demokratisch organisiert und regelmäßig ihre Vertreter:innen wählt.
Originalartikel
Die Teilnahme an der Fußball-WM absagen? Warum nicht!
DER SPIEGEL
Thomas Fischer 23.01.2026 ·
5 Minuten ·
Deutsch
Die Buzzard-Expert:innen haben diesen Artikel aus über 2.000 Medien für dich recherchiert und zusammengefasst, damit du in kurzer Zeit einen möglichst umfassenden Blick auf das Thema bekommst.
Mehr...
Zum Artikel