Perspektive

zum Tagesthema vom 28. Februar 2025
🗳 Sondierungsgespräche zwischen CDU und SPD haben begonnen
Hintergrund

Wo Union und SPD über Kreuz liegen – und wo es Kompromisse geben könnte

Die Perspektive in 30 Sekunden

Beim REDAKTIONSNETZWERK DEUTSCHLAND (RND) haben Berlin-Korrespondent , Wirtschaftsressortleiter , Hauptstadtbüroleiter und Hauptstadtbüro-Chefkorrespondentin in die Wahlprogramme von CDU und SPD geschaut. Anhand dessen haben die Journalist:innen herausgearbeitet, wo es bei den Sondierungsgesprächen der beiden Parteien zu Konflikten kommen dürfte – und wo man einer Meinung ist.

In Sachen Migration etwa gebe es deutliche Differenzen: So wolle die SPD weiterhin Asylsuchende aufnehmen und ihnen den Weg in die Arbeitswelt erleichtern, gleichzeitig aber straffälligen Migrant:innen härter begegnen. Die Union dagegen strebe einen faktischen Aufnahmestopp an und wolle – im Gegensatz zur SPD – den Familiennachzug aussetzen. „Der Konflikt um die Grenzschließungen dürfte schwer zu lösen sein – zumal die Union bei ihren Anhängern Erwartungen geweckt hat, die sie nun befriedigen muss“, analysieren Szent-Ivanyi, Niesmann, Decker und Vates.

Beim Thema Außen- und Verteidigungspolitik gebe es hingegen in den großen Linien viel Übereinstimmung, so die Journalist:innen: „Eine zentrale Rolle der EU, die Stärkung der Bundeswehr und eine weitere Unterstützung der Ukraine“. In der Wirtschaft fordern zwar beide Parteien einstimmig Wachstum – allerdings gebe es Uneinigkeit darüber, wie dieses Wachstum zu erreichen sei. Zwar könne man Kompromisse dazu finden, wie man für Unternehmen attraktiver werde. Doch „[d]er härteste Brocken dürfte der Mindestlohn sein“. Hier wolle die SPD eine Erhöhung auf 15 Euro die Stunde versprechen, die Union wolle sich dagegen auf die Mindestlohnkommission verlassen.

Bei Haushalts- und Finanzfragen gehen die Positionen von CDU und SPD weit auseinander – „doch beim Verzicht auf Maximalforderungen erscheinen Kompromisse erreichbar“, glauben die Journalist:innen. Etwa wollen beide Parteien die Einkommenssteuer für geringe und mittlere Einkommen senken. „Die von der SPD geforderte Wiedereinführung der Vermögensteuer ist mit der Union nicht zu machen. Möglicherweise sind CDU und CSU aber bei einer Reform der Erbschaftsteuer beweglich“, so Szent-Ivanyi, Niesmann, Decker und Vates.

Und auch Sachen Soziales seien die Unterschiede groß, auch hier sehen die Autor:innen aber viele Kompromissmöglichkeiten. So stehe die SPD der von der Union geplanten Abschaffung des Bürgergelds grundsätzlich nicht entgegen. Auch wollen beide das Rentenniveau stabilisieren – „die Frage ist, wie die Belastung zwischen Jung und Alt austariert wird“. Bei der Kranken- und Pflegeversicherung haben laut den Journalist:innen CDU wie SPD keine tragfähigen Konzepte. Klar sei: Beide Parteien müssen „extrem flexibel und pragmatisch sein […], um zusammenzukommen“.

Anmerkung der Redaktion

ist Journalist und Korrespondent für Bundespolitik im Hauptstadtbüro des REDAKTIONSNETZWERKS DEUTSCHLAND. Er schreibt seit 1999 über die Bundespolitik und ist im RND-Hauptstadtbüro hauptsächlich für die Gesundheits- und Finanzpolitik zuständig. Szent-Ivanyi schreibt unter anderem für die FRANKFURTER RUNDSCHAU, den WESER KURIER sowie für GESUNDHEIT UND GESELLSCHAFT DIGITAL. Der studierte Informatiker hat bei der Nachrichtenagentur Reuters volontiert und ist Vorstandsmitglied der Bundespressekonferenz.

ist Journalist und leitet das Wirtschaftsressort des REDAKTIONSNETZWERKS DEUTSCHLAND (RND). Gemeinsam mit produziert er seit Februar 2021 den Podcast „Geyer Niesmann“, der wöchentlich über innenpolitische Themen berichtet. Vor seiner Zeit beim RND hat Niesmann für die Parlamentsredaktion des FOCUS und für das HANDELSBLATT gearbeitet. Er hat sein Volontariat an der Georg-von-Holtzbrinck-Schule für Wirtschaftsjournalisten absolviert. Niesmann berichtet außerdem auch für die FRANKFURTER RUNDSCHAU aus dem bundespolitischen Berlin.

ist Korrespondent im Hauptstadtbüro des REDAKTIONSNETZWERKS DEUTSCHLAND (RND). Außerdem ist er Autor der Bücher „Zweite Heimat. Westdeutschte im Osten“ (2014), „Was ich dir immer schon mal sagen wollte. Ost-West-Gespräche“ (2015) und „Ostfrauen verändern die Bundesrepublik“ (2019). Auf X (zuvor Twitter) äußert sich Decker (@BerlinerNotizen) zum tagesaktuellen Geschehen in Deutschland. Er hat Politikwissenschaft, Soziologie und Romanistik in Münster und Marburg studiert. Bevor Decker zum RND kam, war er unter anderem für die MITTELDEUTSCHE ZEITUNG, den KÖLNER STADTANZEIGER, die BERLINER ZEITUNG und die FRANKFURTER RUNDSCHAU tätig. 2006 ist er mit dem Journalistenpreis Münsterland für einen autobiografischen Text über seine Heimatstadt ausgezeichnet worden.

ist Journalistin und Chefkorrespondentin im Hauptstadtbüro des REDAKTIONSNETZWERKS DEUTSCHLAND. Sie schreibt vor allem über die deutsche Innen- und Außenpolitik. Die studierte Journalistin und Absolventin der Deutschen Journalistenschule berichtet außerdem auch für die SÜDDEUTSCHE ZEITUNG und die FRANKFURTER RUNDSCHAU aus Berlin. Neben ihrem Studium der Journalistik hat Vates auch Politikwissenschaft studiert. Zusätzlich berichtet Vates für die FRANKFURTER RUNDSCHAU seit 1998 aus Berlin.

Das REDAKTIONSNETZWERK DEUTSCHLAND (RND) ist eine 2013 gegründete überregionale Nachrichtenplattform der Madsack-Mediengruppe mit Hauptsitz in Hannover. Die Chefredaktion haben und inne. Das RND ist das Ergebnis von Umstrukturierungen und Sparmaßnahmen bei Lokalmedien. Dabei beliefert das RND mehr als 125 Medienmarken, darunter vor allem Regionalzeitungen, mit überregionalen Inhalten, während die Medien ihre regionalen Inhalte überwiegend eigenständig erstellen. Dazu zählen einerseits Titel von Madsack, wie etwa die LEIPZIGER VOLKSZEITUNG, die HANNOVERSCHE ALLGEMEINE ZEITUNG und die MÄRKISCHE ALLGEMEINE ZEITUNG, zusätzlich aber auch Partnermedien wie der KÖLNER STADTANZEIGER, die NEUE WESTFÄLISCHE und die WESTDEUTSCHE ZEITUNG. Eigenen Angaben zufolge erreichen die Medien des RND damit eine Gesamtreichweite von 7,2 Leser:innen (Stand 2025). Laut der Plattform Similarweb hatte der Webauftritt des RND im Februar 2026 rund 3,6 Millionen Besuche zu verzeichnen. Größter Einzelaktionär von Madsack ist die ddvg (Deutsche Druck- und Verlagsgesellschaft), die sich vollständig im Besitz der SPD befindet. Diese Beteiligung sorgt regelmäßig für Debatten über möglichen parteipolitischen Einfluss auf Medienunternehmen. Eine große Beteiligung hält außerdem die Tochter des Madsack-Gründers, Sylvia Madsack.

Originalartikel
Wo Union und SPD über Kreuz liegen – und wo es Kompromisse geben könnte
REDAKTIONSNETZWERK DEUTSCHLAND (RND)Tim Szent-IvanyiAndreas NiesmannMarkus DeckerDaniela Vates
27.02.2025 · 4 Minuten · Deutsch
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