Perspektive

zur Debatte vom 31. August 2021
🗳 Sollte die Änderung des Geschlechtes ohne Gutachten möglich sein?
ARGUMENTE AUS DEN MEDIEN

Aktivistin: Es wird endlich Zeit, Diskriminierung zu beenden

Die Perspektive in 30 Sekunden

Das Transsexuellengesetz von 1981 muss überarbeitet werden, findet Ilka Christin Weiß in einem Interview mit OSTERHOLZER ANZEIGER. Die Gründerin der Organisation trans:NET OHZ, die sich für Rechte von Trans*-Personen einsetzt, erklärt: Das Gesetz sei veraltet und beruhe auf Wissen, das mittlerweile nicht mehr valide sei. Die „Zwangsbegutachtungen“ und erforderlichen Gerichtsverfahren seien zudem „menschen- und grundrechtswidrig“.

Die Aktivistin befürwortet daher die neuen Gesetzesentwürfe zum Selbstbestimmungsgesetz. Am wichtigsten sei dabei: die staatliche Unterstützung für Menschen, die ihre gefühlte geschlechtliche Identität ausleben. Das werde das Ende einer „fürchterlichen Pathologisierung“ bedeuten, wünscht sie sich. Um zu zeigen, dass es etwas verändern kann, wenn bürokratische Verfahren reformiert werden, verweist Weiß auf ein Beispiel von 2011. Damals wurde die Zwangssterilisation von Menschen verboten, die ihren Personenstand angleichen – das heißt ihren offiziellen Geschlechtseintrag etwa für den Personalausweis ändern lassen. Danach habe es einen sprunghaften Anstieg der Anträge auf Änderung des Personenstands gegeben, meint Weiß.

Eine Gesetzesänderung wäre auch ein gutes Signal für andere EU-Länder, in denen die LSBTIQ*-Community stark diskriminiert wird, findet Weiß. Sie fordert eine Auseinandersetzung mit „der unwürdigen Umgangsweise des Staates mit Minoritäten“. Ein Selbstbestimmungsgesetz sei dabei ein wichtiger Schritt. Denn: „Die ist sehr viel bunter und vielfältiger als manche ahnen. Aber das ist schön und gut so“, schließt Weiß.

Anmerkung der Redaktion

Ilka Christin Weiß ist Krankenschwester, Beraterin, Lehrkraft für Pflege und Gründerin von trans:NET OHZ, ein Netzwerk und eine Selbsthilfegruppe für Trans*, deren Angehörige sowie für Freund:innen und Unterstützer:innen.

Der OSTERHOLZER ANZEIGER ist eine regionale Werbezeitung in Niedersachsen. Sie erscheint seit 1977 und wird kostenlos in Osterholz-Scharmbeck und im ganzen Landkreis Osterholz mit Bremen-Borgfeld an die Haushalte verteilt. Ursprünglich als reines Anzeigenblatt konzipiert, hat der ANZEIGER später Ambitionen entwickelt und als erstes unter den ähnlichen Werbeblättern seinen redaktionellen Teil vergrößert.

Originalartikel
,,Das Gesetz ist Schikane"
OSTERHOLZER ANZEIGERIlka Christin Weiß
04.07.2020 · 4 Minuten · Deutsch
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