Perspektive
zur Debatte vom 02. September 2024
Ist es klug, die AfD kategorisch von der Regierungsbildung auszuschließen? Pro
Die AfD wird nicht harmloser, nur weil sie in einer Regierung sitzt
Die Perspektive in 30 Sekunden
Eine gängige These besage zwar, die AfD werde sich in Regierungsverantwortung selbst entzaubern, indem sie ihre Unfähigkeit beweise. Livia Gerster sieht das nicht so. „Das ist nicht nur gefährlich, sondern entbehrt auch jeder Grundlage“, schreibt die Redakteurin bei der FRANKFURTER ALLGEMEINEN ZEITUNG.
Denn wer die AfD wähle, erwarte gar nicht, dass diese seine Probleme löse, behauptet Gerster. Auch warnt sie davor, immer die eigenen demokratischen Maßstäbe an die AfD anzulegen. Überführen lassen sich laut Gerster nämlich nur jene, die willens seien, die Spielregeln einzuhalten. „Wer seine Macht auf Lügen und Hass stützt, an dem prallen Skandale ab“, gibt die FAZ-Redakteurin zu bedenken und fragt sich: „Möchte man ausprobieren, was passiert, wenn man so jemanden in die Regierung holt?“
Vor hundert Jahren sei dieses Experiment in Thüringen schon einmal gescheitert. Damals haben Bürgerliche zum ersten Mal Rechtsextreme an der Macht beteiligt. Später habe man auch geglaubt, man könne Hitler in der Regierung zähmen. Anders als damals kenne man heute aber den Ausgang des Experiments, so die FAZ-Redakteurin. Daher warnt sie: „Sind Rechtspopulisten erst an der Macht, versuchen sie überall, die Institutionen auszuhöhlen. Wer sie trotzdem einbinden will, macht nicht sie, sondern sich selbst klein.“
Anmerkung der Redaktion
Livia Gerster ist Politikredakteurin in der Sonntagszeitung der FAZ und Moderatorin beim „FAZ Podcast für Deutschland“. Im Herbst 2022 erschien ihr Buch über „Die Neuen“ im Bundestag. Ihr Fokus sind gesellschaftspolitische Reportagen und Porträts von Menschen aus „dem Innenraum der Macht“. Zuvor war sie im Rahmen eines praktischen Jahres an der Deutschen Schule in Abu Dhabi und beim ZDF in Paris. Gerster hat Arabistik und Geschichte in Leipzig und Berlin mit Stationen in Cádiz, Beirut und Jerusalem studiert.
Die FRANKFURTER ALLGEMEINE ZEITUNG (FAZ) ist eine deutsche überregionale Tageszeitung mit Sitz in Frankfurt am Main. Sie ist 1949 gegründet worden und wird zu den deutschen Leitmedien gezählt. Die FAZ hat keine Chefredaktion, sondern wird seit ihrer Gründung von einem Herausgebergremium geleitet, bestehend aus Gerald Braunberger, Jürgen Kaube, Carsten Knop und Berthold Kohler. Laut Eigenangabe steht die FAZ „für den Erhalt und die Stärkung der demokratischen Ordnung und der Sozialen Marktwirtschaft in Deutschland“. Die Zeitung gilt als liberalkonservatives Blatt. THE EUROPEAN schreibt über die „drei Gesichter“ der FAZ: Sie habe einen eher konservativen, staatstragenden Politikteil, ein linksliberales Feuilleton und einen liberalen Wirtschaftsteil. Der DEUTSCHLANDFUNK schreibt 2019 über die FAZ: „Seit ihrer Gründung steht die Zeitung für Qualitätsjournalismus, der vor allem von Alpha-Männern verantwortet wird.“ Die verkaufte Auflage der Zeitung lag im vierten Quartal 2025 bei rund 332.000 Exemplaren (IVW) und hat im Vergleich zum vorigen Quartal leicht abgenommen. Die Printauflage der Zeitung ist allerdings seit Jahren rückläufig. Laut Similarweb hatte der Webauftritt der FAZ im März 2026 rund 38,5 Millionen Besuche zu verzeichnen. Die FAZ wird von der Frankfurter Allgemeine Zeitung GmbH herausgegeben, die neben der täglich erscheinenden FAZ auch die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung (FAS) und das Online-Nachrichtenportal FAZ verantwortet. Das Unternehmen ist zu 93,7 Prozent im Besitz der gemeinnützigen FAZIT-Stiftung, die von den Verlegern und Herausgebern der Frankfurter Allgemeinen Zeitung gegründet wurde. Der verbleibende Anteil wird von den vier Herausgebern gehalten. Diese einzigartige Eigentümerstruktur soll die redaktionelle Unabhängigkeit der Zeitung wahren.
Originalartikel
Die AfD lässt sich nicht entzaubern
FRANKFURTER ALLGEMEINE ZEITUNG (FAZ)
Livia Gerster 31.08.2024 ·
3 Minuten ·
Deutsch
Die Buzzard-Expert:innen haben diesen Artikel aus über 2.000 Medien für dich recherchiert und zusammengefasst, damit du in kurzer Zeit einen möglichst umfassenden Blick auf das Thema bekommst.
Mehr...
Zum Artikel