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Perspektive

zur Debatte vom 01. September 2021
🗳 Sollte die EU-Grenzschutzbehörde Frontex gestärkt werden?
ARGUMENTE AUS DEN MEDIEN

Frontex wird zu Unrecht zum Sündenbock gemacht

Die Perspektive in 30 Sekunden

Frontex wird zum Sündenbock gemacht, findet der Politikjournalist Andreas Ernst. Kritik an der Grenzschutzagentur sei zwar berechtigt. Doch Frontex mache „die Drecksarbeit einer Union, die sich nicht auf eine funktionierende Migrations- und Asylpolitik verständigen kann“, wettert er in der NEUEN ZÜRCHER ZEITUNG (NZZ).

Die Grenzschützer:innen können die „scheiternde Migrationspolitik Europas nicht ersetzen“, mahnt Ernst. Der größte Teil der Migrant:innen, die auf der Balkanroute Kroatien und die EU erreichen, stamme aus Pakistan, Bangladesch oder Nordafrika. Die meisten davon seien junge Männer, die Arbeit suchen. Genau hier liegt laut Ernst der Kern des Problems: „Weil die europäischen Länder nur wenige legale Zugänge zu den Arbeitsmärkten bieten, nutzen viele Migranten das Asylsystem“, kritisiert der Autor. Wenn es dann Jahre bis zum Entscheid dauere, lohne sich die Reise auch dann, wenn die Chancen auf Asyl minimal seien. Ernst hält es für wichtig, darauf zu reagieren: mit einem schnelleren Asylwesen, Rückführungsabkommen mit den Herkunftsländern und einer kontrollierten Arbeitsmigration.

Frontex an den Pranger zu stellen oder gar über ein Auflösen der Agentur zu diskutieren, löse die Probleme der EU-Migrationspolitik nicht. Für umso wichtiger hält er es, dass kooperationswillige Staaten jetzt handeln.

Anmerkung der Redaktion

Andreas Ernst ist ein Journalist, der seit 2018 das EU-Dossier der Auslandsredaktion der NEUEN ZÜRCHER ZEITUNG (NZZ) betreut. In Berlin und Zürich hat Ernst Geschichte und Staatsrecht studiert. Er hat in vergleichender europäischer Gesellschaftsgeschichte promoviert und ist 1999 er stellvertretender Leiter des Forschungsinstituts Öffentlichkeit und Gesellschaft an der Universität Zürich geworden. Seine Interessensschwerpunkt liegen auf der Entwicklung des Nationalismus und der Eigenstaatlichkeit des Kosovo. Bei der NZZ hat er als freier Mitarbeiter auf dem Balkan begonnen, 2002 war er dann Korrespondent für die NZZ AM SONNTAG in Belgrad. 2013 ist Ernst mit dem Journalistenpreis der Südosteuropa-Gesellschaft in München ausgezeichnet worden.

Die NEUE ZÜRCHER ZEITUNG (NZZ) ist 1780 gegründet worden und gilt als Leitmedium im deutschsprachigen Raum sowie als wichtigste überregionale Tageszeitung der Schweiz. Die NZZ wird von EUROTOPICS als liberalkonservativ bezeichnet und hat nach eigener Angabe eine „freisinnig-demokratische“ Ausrichtung. Der NDR schreibt, die NZZ sei gekennzeichnet von einer „urliberalen Haltung, Weltoffenheit und einem nüchternen Ton“; der Medienwissenschaftler Uwe Krüger sieht sie als konservativ, liberal und bürgerlich. Seit Eric Gujer 2015 Chefredakteur wurde, spricht etwa der DEUTSCHLANDFUNK von einem „Rechtsrutsch“ in der Berichterstattung. Der NDR befindet, Gujer habe die „NZZ um typisch rechtskonservative Themen und Meinungen erweitert“. Im Jahr 2023 hatte die NZZ-Mediengruppe 211.100 zahlende Abonnent:innen. Stand 2023 hatte die NZZ eine WEMF-beglaubigte Gesamtauflage von rund 82.000 verkauften bzw. 90.000 verbreiten Exemplaren pro Tag und eine Reichweite von 223.000 Lesern. Auf ihrer Webseite erreicht die NZZ laut Similarweb rund 12,1 Millionen Aufrufe (Stand: September 2025).

Originalartikel
Kritik an Frontex ist kein Ersatz für EU-Migrations- und Asylpolitik
NEUE ZÜRCHER ZEITUNG (NZZ)Andreas Ernst
26.03.2021 · 3 Minuten · deutsch
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