Zurück zur Perspektive

Perspektive

zur Debatte vom 01. September 2021
🗳 Sollte Hartz IV abgeschafft werden?
ARGUMENTE AUS DEN MEDIEN

Hartz IV ist: „Zu wenig zum Leben, zu viel zum Sterben“

Die Perspektive in 30 Sekunden

„Zu wenig zum Leben, zu viel zum Sterben“, so sieht Politik-Blogger Thomas Engel die Höhe der Hartz IV-Sätze. Aus seiner Sicht ist der Hartz-IV-Satz wesentlich zu niedrig, um ein würdevolles Existenzminimum zu gewährleisten. Diese Kritik teilen auch die Sozialverbände, betont der Blogger. Die Sozialverbände kritisierten kürzlich nämlich, dass die Große Koalition die Regelsätze für 2021 „mal wieder systematisch kleingerechnet“ hat, berichtet Engel auf dem Dortmunder Blog NORDSTADTBLOGGER.

Allein der Ansatz, wie Hartz-IV-Sätze berechnet würden, sei höchst fragwürdig, meint Gunther Niermann, Vorsitzender eines Wohlfahrtsverbandes in Dortmund, den der Blogger als Experten in seinem Beitrag zitiert. Die Hartz-IV-Sätze würden nicht daran ausgerichtet, was ein Mensch brauche, um Teil der Gesellschaft zu sein. Sondern nur, was ein Mensch brauche, um irgendwie über den Tag zu kommen „und nicht zu verrecken“, kommentiert Niermann gegenüber Engel trocken. Die monatlichen Kosten, die Menschen zur Existenzsicherung angeblich brauchen, werden möglichst niedrig gerechnet, kritisiert er. Ein würdevolles Existenzminimum sehe anders aus. Auch vor „statistischen Tricks“ schrecke der Gesetzgeber nicht zurück, moniert Niermann. Beispielsweise werde für die Anschaffung einer Waschmaschine monatlich lediglich 1,67 € einberechnet. Das sei „jenseits aller Realität“. Besonders abwegig sei auch der Regelsatz für Kinder und Jugendliche. Die Logik sei hier: als kleinere Menschen brauchen sie weniger als Erwachsene. „Wir wissen, das Gegenteil ist der Fall“, betont Niermann gegenüber Engel.

Die fehlende Wertschätzung der Hartz-IV-„Empfänger:innen“ liegt laut Engel bereits im Wort „empfangen“. Denn das Wort suggeriere, dass es sich bei den Sozialleistungen um „letztendlich unverdiente“ Almosen handle. Hartz-IV-Bezieher:innen nehmen jedoch ihr „ureigenes Recht“ in Anspruch, argumentiert der Politik-Blogger. Denn die staatliche Pflicht, Bedürftige zu unterstützen, sei im Grundgesetz verankert.

Anmerkung der Redaktion

Thomas Engel ist ein Politik-Blogger. Beim Dortmunder Blog NORDSTADTBLOG schreibt er über Lokal- und Landespolitik. Da sich Engel ansonsten sehr bedeckt hält, sind mehr Informationen zu seiner Person nicht auffindbar.

Der NORDSTADTBLOG ist ein Nachrichtenblog aus Dortmund. Der Blog wurde 2013 von Alexander Völkel, dem ehemaligen Redakteur und Redaktionsleiter der Regionalzeitung WESTFÄLISCHE RUNDSCHAU gegründet und wird von ihm ehrenamtlich betrieben. Der NORDSTADTBLOG deckt regionale und kommunale Themen ab. Seit Anfang 2017 erscheint der Blog auch als Print-Format unter dem Name NORD.MAG. Bisher hatte das Print-Magazin eine Auflage von knapp 85.000 Exemplaren.

Originalartikel
Ist die Würde des Menschen doch antastbar?
NORDSTADTBLOGThomas Engel
30.10.2020 · 4 Minuten · deutsch
Die Buzzard-Expert:innen haben diesen Artikel aus über 2.000 Medien für dich recherchiert und zusammengefasst, damit du in kurzer Zeit einen möglichst umfassenden Blick auf das Thema bekommst. Mehr...
Zum Artikel