Perspektive
zur Debatte vom 01. September 2021🗳 Sollte Cannabis legalisiert werden?
Kiffen schadet weniger als Alkohol
Die Perspektive in 30 Sekunden
„Noch niemand hat sich zu Tode gekifft“, betont der freie Journalist Alan Posener in DIE ZEIT. „Das Potential zur Selbst- und Fremdschädigung liegt weit unter dem des Alkohols und noch unter dem des Tabaks“, schreibt er. Deutschland solle daher dem Vorbild Mexikos folgen und Cannabis legalisieren.
Denn das Cannabis-Verbot habe nur dazu geführt, dass Konsument:innen – die ein großer Teil unserer Gesellschaft seien – „auf Dealer angewiesen“ sind. Und Dealer machen nicht nur Parks und Plätze der deutschen Großstädte unsicher, beobachtet Posener. Sie verkaufen oft auch gestrecktes Zeug, das mit gesundheitsschädlichen Stoffen versetzt sei. Am Ende zahlen dafür die Konsument:innen den „gesundheitlichen Preis“.
Auch, ob Cannabis eine Einstiegsdroge sei, „ist umstritten“, merkt der Journalist an. Seine persönliche Drogengeschichte zeige, dass das gleiche auch über Alkohol gesagt werden könne. „Ich persönlich mochte als Teenager den Geschmack von Marihuana nicht und graduierte relativ schnell von Bier über Obstwein zur damaligen Modedroge LSD“. Daher plädiert Posener für die Legalisierung. Nur „die Abgabe an Kinder oder das Autofahren im benebelten Zustand“ sollten strafbar sein, findet er.
Anmerkung der Redaktion
Alan Posener ist Journalist und Buchautor. Er war lange Zeit Korrespondent der WELT-Gruppe und schreibt heute als freier Autor unter anderem für den Blog STARKE MEINUNGEN, für DIE ZEIT und die JÜDISCHE ALLGEMEINE. Der studierte Germanist und Anglist war während seiner Studienzeit Funktionär der maoistischen KPD, einer kommunistischen Gruppe, die aus der 68er-Bewegung hervorgegangen ist. Posener ist für seine kontroversen Standpunkte bekannt. In seinem 2009 erschienen Buch „Benedikts Kreuzzug“ hat er zum Beispiel harsche Kritik an der katholischen Kirche geübt. Er verteidigte außerdem auch immer wieder die Kolonialzeit und plädiert, dass nichts alles falsch gewesen sei. Bis 2009 war er ständiger Autor des rechtspopulistischen Blogs ACHSE DES GUTEN, ihm ist dort allerdings gekündigt worden. Laut eigener Aussage war der Grund für seine Entlassung, dass er „die dort herrschende Ideologie der Islamophobie“ infrage gestellt hatte.
DIE ZEIT ist die größte deutsche Wochenzeitung und hat ihren Sitz in Hamburg. DIE ZEIT erscheint seit 1946 und wurde von ihren ersten beiden Chefredakteuren Ernst Samhaber und Richard Küngel zunächst als rechtskonservatives Blatt ausgelegt. Erst in den 1960er Jahren wurde die Wochenzeitung durch Marion Gräfin Dönhoff und den langjährigen Chefredakteur Theo Sommer als liberales Medium ausgerichtet. Dönhoff prägte DIE ZEIT bis 2002 und hat sie von 1968 bis 1972 herausgegeben, ab 1983 gemeinsam mit Altkanzler Helmut Schmidt (SPD). In gesellschaftspolitischen Fragen gilt DIE ZEIT als grundsätzlich (links-)liberal, hat allerdings auch viele Gastbeiträge aus dem gesamten Meinungsspektrum oder stellt Beiträge mit gegensätzlichen Meinungen gegenüber. Der NDR urteilt, DIE ZEIT gelte als „Blatt der Akademiker und Intellektuellen“ – und sei damit durchaus erfolgreich. Tatsächlich gehört DIE ZEIT zu den wenigen deutschsprachigen Printmedien, die seit der Digitalisierung an Auflage gewonnen haben. Zuletzt lag die verkaufte Auflage bei rund 625.000 Exemplaren (IVW Q2/2025). Chefredakteure sind Giovanni di Lorenzo und Jochen Wegner.
DIE ZEIT
Alan Posener